Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1008/77424.html    Veröffentlicht: 24.08.2010 09:01    Kurz-URL: https://glm.io/77424

Oracle

Opensolaris-Führungsgremium löst sich auf

Das Führungsgremium des Opensolaris-Projekts hat einstimmig seine eigene Auflösung beschlossen. Bereits Mitte Juli 2010 wurde die Selbstauflösung festgelegt, sollte Oracle keine Kontaktperson benennen, die die Kommunikation zwischen dem Konzern und der Opensolaris Community künftig betreut.

Oracle hat inzwischen selbst das - offensichtlich lästige - quelloffene Projekt für obsolet erklärt. Künftig werden die Opensolaris-Programmierer nicht mehr an der Entwicklung von Solaris beteiligt. Darüber hinaus wird der Quellcode von Solaris erst nach Erscheinen der kostenpflichtigen Version veröffentlicht.

Die Opensolaris-Community hatte bereits kurz nach der Übernahme von Sun durch Oracle beklagt, dass Oracle sich nicht mit ihnen in Verbindung gesetzt hatte, um über die Zukunft des Opensolaris-Projekts zu sprechen. Ende Februar 2010 hatte der ehemalige Sun- und dann Oracle-Manager Dan Roberts der Community versichert, das Opensolaris-Projekt werde weitergeführt.

Danach herrschte seitens Oracle allerdings Funkstille, die wiederholten Anfragen des Opensolaris-Führungsgremiums, eine Kontaktperson zu ernennen, blieben unbeantwortet. Mitte Juli 2010 drohte das Gremuim mit der Selbstauflösung, sollte Oracle nicht bis zum 15. August zu einem Gespräch bereit sein und eine Kontaktperson benennen.

Inzwischen war das Projekt Illumos ins Leben gerufen worden, das die Entwicklung des Opensolaris-Kernels samt Core-Komponenten unabhängig vom Opensolaris-Projekt weiterentwickeln soll. Illumos soll künftig als Basis für weitere Solaris-basierte Distributionen dienen.

Oracle änderte kurz darauf das bisherige Solaris-Entwicklungsmodell: Künftig soll der Source-Code von Solaris erst nach der Veröffentlichung der kommerziellen Version freigegeben werden. Bis dahin war im Rahmen des Opensolaris-Projekts täglich (Nightly Builds) beziehungsweise alle zwei Wochen eine Entwicklerversion des Unix-Betriebssystems erschienen, die dann in die offiziellen Variante mündete. Oracle-Vize John Fowler hatte wenige Tage zuvor die Roadmap für Solaris 11 vorgestellt.

Die Selbstauflösung des Führungsgremiums von Opensolaris war damit nur noch eine Formsache: Im Wiki-Eintrag zur Agenda des letztmaligen kurzen Treffens heißt es nüchtern: "Es wurde beschlossen, dass das Opensolaris Governing Board (OGB) geschlossen zurücktritt, gemäß Abschnitt 1.1 seiner Charta sowie Abschnitt 3.5 seiner Verfassung und dass Oracle die Verantwortung zur Ernennung eines neuen OGB übertragen wird." Auf Antrag von Simon Phipps und Jörg Schilling wurde der zuvor verwendete Passus "individuell" in "geschlossen" umgewandelt.  (jt)


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