Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1008/77250.html    Veröffentlicht: 17.08.2010 10:11    Kurz-URL: https://glm.io/77250

Street View

Das eigene Haus kann ab sofort verpixelt werden

Google hat wie angekündigt heute eine Website freigeschaltet, auf der Hausbesitzer und Bewohner die Unkenntlichmachung ihrer Häuser in Google Street View beantragen können. Die dafür eingeräumte Frist von vier Wochen hält Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner für zu kurz und fordert Google auf, den Bürgern mehr Zeit einzuräumen.

Der geplante Deutschlandstart von Google Street View beschäftigt derzeit Medien und Politik. Da wettern Bürger gegen Googles Pläne, ein Foto ihres Hauses ins Internet zu stellen und lassen sich dabei vor dem Haus von einer Fernsehkamera filmen oder mit einem entsprechenden Foto in der Zeitung abdrucken, Prominente, die für gewöhnlich die Öffentlichkeit suchen, fürchten um ihre Privatsphäre, und Minister kündigen öffentlich an, ihre Häuser verpixeln zu lassen. Trotz aller berechtigten Sorgen scheint dabei vor allem eines besonders verbreitet: Unkenntnis darüber, was Google Street View ist, tut und leistet, und was es eben nicht macht.

Der Antrag auf Unkenntlichmachung kann ab sofort über eine neue Website von Google unter streetview-deutschland.appspot.com/submission gestellt werden. Bewohner der 20 größten deutschen Städte haben vier Wochen, bis zum 15. September 2010 um 24:00 Uhr, Zeit, ihre Häuser zu markieren, damit sie schon vom Street-View-Start an unkenntlich dargestellt werden. Dabei muss das eigene Haus in der Satellitenansicht von Google Maps markiert werden und es sollten einige weitere Informationen zum Haus angegeben werden. Dazu zählen die Zahl der von außen sichtbaren Stockwerke, Form und Farbe von Dach und Fassade sowie sonstige dauerhafte Merkmale. Wer keine Angaben machen will, kann ein entsprechendes Häkchen setzen.

Angaben werden per Post verifiziert

Um sicherzustellen, dass die Anträge auf Unkenntlichmachung vom Bewohner oder Besitzer eines Hauses gestellt werden, schickt Google Antragstellern einen Verifizierungscode an die angegebene Postanschrift sowie eine E-Mail mit einem zur Verifizierung benötigten Link. Nur mit den beiden Informationen kann der Vorgang abgeschlossen werden.

Alle, die in anderen Städten wohnen, haben mehr Zeit, ihre Häuser zu markieren, und für die anderen gilt: Auch nach dem Start von Street View kann das eigene Haus unkenntlich gemacht werden. Bundesverbraucherschutzministerin Aigner findet die von Google gesetzte Frist allerdings zu kurz und plädiert im Hamburger Abendblatt dafür, die Frist auf acht Wochen zu verlängern. Ein Verbot von Street View schließt Aigner allerdings aus und betont die Chancen, die von der Erhebung von Geodaten für unterschiedlichste Branchen ausgehen.

Wer sein Haus nicht über Googles Website sperren will, kann dies auch weiterhin per Mail und Brief tun. Details dazu hat Google in einem Blogeintrag zusammengefasst. Die Unkenntlichmachung von Gesichtern und Autokennzeichen erfolgt automatisch durch Google, ohne dass dies beantragt werden muss. Das Ganze funktioniert allerdings nicht mit 100-prozentiger Sicherheit. Sollten Gesichter und Kennzeichen erkennbar sein, können diese in Street View gemeldet werden.

20 Städte zum Deutschlandstart

Starten soll Street View voraussichtlich im November 2010. Je nach Zahl der zu bearbeitenden Widersprüche kann sich der Start aber auch verschieben. Die 20 Städte, für die Street View zu Beginn zur Verfügung stehen soll, sind Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Google Street View ausprobieren

Wer sich ein Bild darüber machen will, wie Street View aussieht, kann dies schon heute über Google Maps für andere Städte tun, beispielsweise Paris, London oder Rom. Zu sehen ist dabei nichts, was vorbeifahrende Touristen aus einem Reisebus aus nicht auch sehen könnten.  (ji)


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