Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1008/77234.html    Veröffentlicht: 16.08.2010 15:10    Kurz-URL: https://glm.io/77234

Bradley Kuhn

Java und C# sind gefährlich

Sprachen wie Java und C# sind gefährlich, denn sie wurden von einem Unternehmen entwickelt, das eine Vielzahl von Patenten an der Technik hält, meint der technische Direktor des Software Freedom Law Center, Bradley Kuhn.

Bereits vor der Übernahme von Sun durch Oracle hatte Kuhn darauf hingewiesen, dass Java durch die Übernahme in eine schwierige Situation komme: "Oracle ist kein Freund freier Software und wird bald sämtliche Java-Patente besitzen - eine lauernde Gefahr für freie Java-Implementierungen. Auch ein Angriff auf freie Java-Implementierungen durch Oracle ist möglich", schrieb Kuhn im Juni 2009.

"Es tut mir leid, dass ich damit recht hatte, aber wir sollten endlich unsere Lektion daraus lernen: Sprachen wie Java und C# sind gefährlich", kommentiert Kuhn heute Oracles Klage gegen Google wegen Android.

Sprachen, die von einem Unternehmen entwickelt wurden, das viele, wenn nicht alle Patente daran hält, seien eine gute Basis, um entsprechende freie Implementierungen anzugreifen. Zwar seien andere Sprachen nicht komplett sicher, aber das relative Risiko sei geringer, wenn die Patente nicht bei einem Unternehmen konsolidiert seien. C, C++, Python, Perl und PHP seien eine sicherere Wahl.

Das bedeute aber nicht, dass es keine freien Implementierungen solcher Sprachen geben sollte, so Kuhn weiter, denn nur so ließen sich die mit diesen Sprachen Vertrauten zum Umstieg auf GNU/Linux und freie Software bewegen.

In Sachen C# merkt Kuhn an, dass Microsofts Versprechen bezüglich Patenten zu wenig seien. Einzig korrekte Patentlizenzen seien etwas, auf das man sich verlassen könne.

Softwareentwickler ruft er dazu auf, ihre Entwicklungen nicht durch ihre Arbeitgeber patentieren zu lassen, auch wenn der Druck hoch sei und Prämien ausgelobt werden. "Wir erfinden dieses Zeug, nicht die Anzugträger und Rechtsanwälte, die unsere Arbeit für größere und noch größere Profite missbrauchen wollen. [...] In einem Satz: Sagt einfach nein."

Google sei unterdessen nicht ganz unschuldig an der Klage von Oracle. Kuhn kritisiert vor allem, dass Google alles dafür getan habe, um Android, soweit möglich, unter die Apache-2-Lizenz zu stellen und GPL sowie LGPL zu vermeiden. Dabei sei es Google vor allem darum gegangen, die Hürden für eine Verbreitung der Software so gering wie möglich zu halten. Hätte Google sich stattdessen für eine Mischung aus GPL und LGPL entschieden, wäre die aktuelle Klage viel interessanter.

Als einzige Lösung für solche Probleme macht Kuhn ein Ende von Softwarepatenten aus.  (ji)


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