Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1008/77116.html    Veröffentlicht: 11.08.2010 12:17    Kurz-URL: https://glm.io/77116

Videovergleich

PhysX bremst Demo von Mafia 2 auf halbe Bildrate

Die Demoversion von Mafia 2 soll Appetit auf das Spiel machen, was bei der Technik aber verfehlt wird. Nach Messungen von Golem.de mit einer Fermi-Karte von Nvidia zeigte sich, dass das Spiel mit PhysX-Effekten nur rund halb so schnell läuft.

Auf unserem Testsystem mit einem Core 2 Quad Q9450 (2,6 GHz) und einer Geforce GTX 480 bremsen Nvidias PhysX-Bibliotheken die Demoversion von Mafia 2 deutlich. Bei 1.280 x 720 Pixeln fällt die Bildrate im integrierten Benchmark von 54,5 auf 23,5 fps. Dafür haben wir ohne Anti-Aliasing und mit eingeschaltetem VSync gemessen, Einstellungen, die auch viele Spieler nutzen, die einen besonders flüssigen Bildeindruck bevorzugen.

Ohne das Warten auf die vertikale Synchronisation ist der Einbruch noch drastischer: Von 71,3 auf 26 Bilder pro Sekunde fiel die Bildrate. Diese Ergebnisse ergaben sich auch mit dem Benchmark-Tool Fraps, und das nicht nur bei dem integrierten Test. Auch mit einigen Spielszenen, die wir wiederholt absolvierten, war der Unterschied per Fraps stets klar sichtbar. PhysX kostet - zumindest in der Demoversion - bei Mafia 2 die Hälfte der Geschwindigkeit. Unverständlich ist das vor allem beim Einsatz von Nivdias derzeit schnellster Single-GPU-Karte, der GTX 480, die derzeit über 400 Euro kostet.

Nvidia empfiehlt folglich für den Einsatz der PhysX-Effekte gleich eine eigene Grafikkarte, die kann dann auch etwas schwächer dimensioniert sein. Anders als beim Zusammenspiel per SLI dürfen die beiden Nvidia-Karten dann auch aus einer anderen Serie sein. Während eine GTX 4xx beispielsweise die Grafik übernimmt, kann sich eine ältere 9800 GTX um die Effekte kümmern.

Auch mittlere Einstellungen kaum schneller

In einer nun von Nvidia an Journalisten verschickten Erklärung beschreibt das Unternehmen, was die Einstellungen Off, Medium und High in Mafia 2 für die PhysX-Effekte bewirken. Ohne die Mithilfe der Grafikkarte werden Kleidung, Rauch und Trümmer nicht physikalisch korrekt simuliert und reagieren nicht auf die Umgebung.

Bei mittleren Einstellungen sollen es laut Nvidia bis zu 3.000 Partikel sein, welche die Grafikkarte beispielsweise bei Einschüssen in Mauern erzeugt. Auch die qualmenden Reifen von Fahrzeugen, Bewegung von Kleidung und sämtliche Flammen und Rauch werden dann per PhysX berechnet. Steht die Einstellung auf High, ergeben sich keine zusätzlichen Effekte, es sind lediglich 10.000 Partikel gleichzeitig möglich.

Abhilfe in Form von mehr Bildern pro Sekunde bringt die mittlere Einstellung aber nicht. Der Mafia-2-Benchmark läuft statt 26 fps mit 27,6 fps. In den Screenshots ist aber gut zu erkennen, dass nur noch weniger als die Hälfte Schutt und Asche aus dem Mauerwerk bröselt, sobald "Mittel" bei PhysX eingestellt ist.

Besonders ärgerlich sind die starken Leistungseinbrüche, weil die PhysX-Effekte - wenngleich nicht herausragend spektakulär - der größte Unterschied der PC-Version zur Konsolenfassung des Spiels sind. Ob die Unterschiede zwischen ein- und ausgeschaltetem PhysX in der Bildrate auch bei der endgültigen Fassung des Spiels so stark sind, ist jedoch noch nicht abzusehen. Mafia 2 kommt erst am 27. August auf den Markt, und gerade in den letzten Wochen vor Erscheinen optimieren die Studios noch stark auf Geschwindigkeit. Im Falle von Spielen, die das Logo "The way it's meant to be played" von Nvidia tragen, testet der Chiphersteller sie stets auch in seinen eigenen Labors auf einer Vielzahl von Hardwarekombinationen.

Das Verhalten der Demoversion von Mafia 2 ist jedoch Wasser auf die Mühlen von Kritikern, die Nvidia schon öfter vorgeworfen hatten, die auf der CPU berechneten PhysX-Effekte würden Spiele künstlich ausbremsen. So hatte Realwordltech erst im Juli 2010 den Code analysiert und ihn als sehr langsam identifiziert - unter anderem, weil sich darin nur Gleitkommaberechnungen per X87 und nicht über Intels SSE fanden. Nvidia widersprach dem gegenüber Thinq, neuere Versionen der PhysX-Bibliotheken würden sehr wohl SSE nutzen, sagte PR-Manager Bryan Del Rizzo. Zudem liege die Verwendung der jeweiligen CPU-Befehlssätze in der Hand der Spieleentwickler.

In der Nacht zum 11. August 2010 hat Nvidia dennoch die Version 9.10.0513 der PhysX-Treiber veröffentlicht. Laut den Release Notes soll sich damit das nicht näher genannte Problem mit Mafia 2 lösen - deutlich schneller wird das Spiel aber auch damit nicht. Mit den Einstellungen Aus, Mittel und Hoch ergeben sich auf unserem Testsystem 66,2, 27,6 und 24,1 Bilder pro Sekunde bei abgeschaltetem VSync.

Einige Spieler berichteten zuvor in Foren, PhysX auf der GPU lasse sich mit der Demo vom Mafia 2 gar nicht nutzen. Werden die Effekte nur von der CPU berechnet, wird das Spiel allgemein viel langsamer und fühlt sich zäh an. Ob PhysX von der GPU berechnet wird, lässt sich bei einem entsprechenden Spiel einblenden. Dazu ist im Nvidia-Treiber unter "3D Settings" die Option "Show PhysX Visual Indicator" zu aktivieren.

[von Michael Wieczorek und Nico Ernst]  (nie)


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