Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1008/77082.html    Veröffentlicht: 09.08.2010 18:45    Kurz-URL: https://glm.io/77082

Roboter

Nao wird emotional

Damit sich ein Roboter in den Alltag des Menschen integrieren kann, muss er dort hineinwachsen wie ein Kind. So lautet das Credo des europäischen Projektes Feelix. In dessen Rahmen haben Wissenschaftler einen Roboter dazu gebracht, wie ein Kind von einem Erwachsenen zu lernen und eine Bindung zu ihm aufzubauen.

Nao, der Roboter des französischen Unternehmens Aldebaran, ist vielseitig begabt. Er kann tanzen und Fußball spielen. Europäische Forscher haben ihm eine weitere Fähigkeit beigebracht - der Roboter kann eine emotionale Bindung zu einem Menschen eingehen.

Kinder als Vorbild

Das Verhalten der Roboter sei dem von Kleinkindern nachempfunden, erklärt Lola Cañamero von der Universität der Grafschaft Hertfordshire in Hatfield, nördlich von London. Ihre Art, mit einem Menschen zu interagieren und auf ihn zu reagieren, ähnele der, wie ein Kind mit einem Erwachsenen interagiere. Das bedeutet, dass die Roboter beispielsweise auf ähnliche Reize reagieren wie Kleinkinder. Dabei konzentrieren sich die Wissenschaftler "auf nonverbale Reize und Gefühle, die durch Körperhaltung, Gesten und Bewegungen gezeigt werden, nicht durch Mimik oder Worte", so Cañamero.

Der Roboter gewöhne sich mit der Zeit an die Handlungen und Stimmungen des Menschen und entwickle eine Bindung zu diesem. Die Bindung sei umso stärker, je mehr beide miteinander interagierten und je mehr der Mensch auf den Roboter eingehe. Der Zuspruch durch den Menschen führe auch dazu, dass der Roboter besser lerne, so die Forscher.

Gefühle zeigen

Gleichzeitig zeigt der Nao auch eigene Gefühle wie Trauer, Ärger, Angst oder Freude. Ist er beispielsweise traurig, lässt er Kopf und Schultern hängen. Hat er Angst, kauert er sich nieder und muss mit einem Kopfstreicheln beruhigt werden, freut er sich, reckt er die Arme hoch und will den Menschen umarmen.

Vorbild für das Verhalten des Roboters war das Bindungsverhalten, das Kleinkinder und kleine Primaten wie Schimpansen aufweisen, sagt Cañamero. Es sei das erste Mal, dass das Verhalten von Robotern danach modelliert wurde.

Roboter soll sich in Alltag einfügen

Die Arbeit ist Teil des 2007 gestarteten interdisziplinären europäischen Forschungsprojektes Feelix Growing, das Cañamero leitet. Dessen Ziel ist es, Roboter zu entwickeln, die sich in den Alltag des Menschen nahtlos einfügen. Dazu reiche es nicht aus, dass ein Roboter aus dem Regal genommen und in ein menschliches Umfeld gesetzt werde, sagte Cañamero zum Projektstart vor drei Jahren. Damit er sich in das tägliche Leben einfüge, müsse er sich an dieses anpassen. An Feelix sind neben der Universität von Hertfordshire und Aldebaran weitere Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien und der Schweiz beteiligt.

Feelix ist nicht das einzige europäische Projekt, das Roboter haus- und hoffähig machen möchte. Im Rahmen des Projekts Humavips etwa sollen Roboter selektive Wahrnehmung lernen, damit sie auch in lauten Umgebungen mit Menschen kommunizieren können. Auch dieses Projekt nutzt als Plattform den Nao. Im Rahmen des Projekts Lirec untersuchen Forscher, wie Roboter beschaffen sein müssen, damit Menschen sie als Hilfe im Haushalt akzeptieren. Ziel ist es, den künstlichen Wesen Emotionen und Persönlichkeit zu verleihen.  (wp)


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