Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1008/77060.html    Veröffentlicht: 09.08.2010 12:14    Kurz-URL: https://glm.io/77060

Magic Trackpad im Test

Apples Multitouch-Mausersatz für den Desktop

Das Glas-Trackpad von Macbooks ermöglicht eine flüssige Multitouchbedienung, die auch Desktoprechnern gut stehen würde. Mit dem Magic Trackpad will Apple genau das bieten. Wir haben das Trackpad unter Mac OS X und Windows getestet.

Apples Magic Trackpad ist ein alternatives Eingabegerät, das vor allem Mac-Nutzer ansprechen soll. Es eignet sich für einige Situationen, in denen eine Maus nicht infrage kommt, etwa auf dem Sofa, wenn es gerade keine maustaugliche Oberfläche gibt. Zudem bietet das Magic Trackpad alle Gesten, die der Macbook-Nutzer bereits von seinem Glas-Trackpad kennt.

Konstruktion

Das Trackpad wiegt 138 Gramm (ohne Batterien) und bietet eine große Bedienoberfläche. Mit einer Kantenlänge von 13 x 11 cm ist es deutlich größer als typische Trackpads und auch größer als das Trackpad der Macbooks, das 11 x 8 cm misst. Die Glasoberfläche ist angenehm aufgeraut, so dass die meisten Finger sehr gut über das Trackpad gleiten. Wer allerdings gerade frisch gewaschene Finger hat, stottert etwas über das Trackpad. Das kann auch bei zu feuchten Händen passieren.

Für einen Klick werden beim Trackpad die beiden vorderen Standfüße eingedrückt. Das funktioniert fühlbar und mit einem klaren Druckpunkt. Leider lässt sich das Trackpad nicht an die Bluetooth-Tastatur von Apple andocken. Das wäre manchmal praktisch. Durch die Trennung können jedoch auch Linkshänder das Trackpad nutzen, indem es einfach links neben die Tastatur gestellt wird. Beim Sofasurfen ist die Flexibilität aber problematisch, wenn Tastatur und Trackpad locker auf dem Schoß liegen und gleichzeitig bedient werden sollen.

Bei der Desktopnutzung haben wir ein Zeit lang das Trackpad unterhalb der Tastatur positioniert. Die Tastatur lag dabei auf dem Trackpad auf. Das ist sogar halbwegs stabil und als angenehmer Nebeneffekt etwas ergonomischer, da die Tastatur, wie etwa bei Microsofts Natural Ergonomic Keyboard 4000, nach hinten abfällt. Das reduziert die Wege und wer beidhändig arbeitet, hat dann Vorteile bei einigen Gesten. Bei iPhoto lassen sich Bilder beispielsweise mit zwei Zeigefingern leichter zurechtschneiden als nur mit dem Daumen und Zeigefinger.

Stromversorgung

Das Trackpad ist ein Bluetooth-Eingabegerät. Ein Kabel gibt es also nicht, auch nicht zum Aufladen der Batterien. Zur Batterielaufzeit können wir nur vorläufige Angaben machen. Selbst nach fast zwei Wochen Benutzung wollte die Anzeige nicht von den 100 Prozent abweichen. Möglicherweise ist die Leistungsaufnahme auch so gering, weil weder ein Laser noch eine Kamera betrieben werden muss.

Was sich anhand der vorläufigen Ergebnisse verbietet, ist die Nutzung normaler Akkus, sie entladen sich von alleine einfach zu schnell. Es sollte also eher zu sogenannten LSD-Akkus gegriffen werden, die beispielsweise Sanyo unter dem Namen Eneloop anbietet. LSD-Akkus (Low Self Discharge) leiden nicht so sehr unter einer Selbstentladung wie herkömmliche NiMH-Akkus. Normale Batterien sind natürlich auch eine Möglichkeit, sofern das Trackpad wirklich einige Monate mit den zwei AA-Zellen durchhält.

Apple ist mittlerweile auch unter die Produzenten von Akkuladegeräten gegangen. Wer will, kann sich das Apple-Ladegerät mit sechs beiliegenden Akkus dazukaufen. Die 29 Euro lohnen sich aber nur, wenn noch kein Ladegerät vorhanden ist und der Anwender wirklich nur AA-Batterien laden möchte. Ansonsten kann darauf auch verzichtet werden.

Apples Akkus wiegen rund 26 Gramm und sind damit etwas schwerer als die beim Trackpad beiliegenden Batterien. Die Kapazität liegt bei 1.900 mAh, außerdem sind es laut Apple LSD-Akkus. Mit dem Ladegerät können auch andere LSD-Akkus geladen werden, wie etwa Sanyos Eneloop-Akkus (1.900-2.000 mAh bei 26 Gramm).

Erstes Anschließen

Die Konfiguration des Magic Trackpad unter Mac OS X ist recht einfach. Einmal etwas länger auf den An- und Ausschalter an der Seite des Trackpads drücken und dann im Betriebssystem das Bluetooth-Gerät suchen und einrichten. Es empfiehlt sich zudem, danach die Softwareaktualisierung zu starten, denn Treiber liegen dem Gerät nicht bei und einiges funktioniert erst nach einem Systemupdate von Mac OS X. Wer ein Notebook als Desktopersatz hat, hat den Treiber aber in der Regel schon heruntergeladen.

Der Mac-OS-X-Treiber leistet gute Arbeit. Fehlklicks, weil beispielsweise das Trackpad nur leicht berührt wird, werden von der Software sauber herausinterpretiert. Auch typische Drag-&-Drop-Gesten, bei denen zwei Finger auf dem Trackpad sind, funktionieren sehr gut, wenn nur ein Finger bewegt und mit dem anderen gedrückt wird. Der Treiber erkennt, dass der zweite Finger eigentlich eine Maustaste drückt.

Mit dem Trackpad kann der Nutzer alles machen, was er vom Macbook-Glas-Trackpad schon kennt. Bis zu zehn Finger erkennt das System, was der Anwender mit der Software Better Touch Tool nachprüfen kann. Treiberseitig unterstützt werden derzeit aber nur vier Finger. Wer mehr Finger benutzen will, kann beispielsweise auf die Software Jtouch zurückgreifen.

Apples Gesten sind schnell gelernt und können einfach ausgeführt werden. Mit vier Fingern wird etwa Exposé gesteuert (Wischbewegung vertikal) oder zwischen den Anwendungen geschaltet (Wischbewegung horizontal), als Alternative zu Apfel+Tab.

Mit drei Fingern kann der Anwender vor- oder zurückgehen. Zum Beispiel in Bildergalerien oder beim Surfen. Alternativ kann die Geste auch umgeschaltet werden. Dann wird mit drei Fingern automatisch Drag & Drop ausgeführt. Praktisch wäre eine Kombination beider Gesten. Der Treiber müsste eigentlich nur schnelle Wischbewegungen von langsamen Wischbewegungen unterscheiden. Leider tut das Apple nicht.

Mit zwei Fingern kann der Anwender in alle Richtungen mit Schwung scrollen, Bilder drehen oder Rahmen in Höhe und Breite beeinflussen. Außerdem wird mit dem Antippen dann das Kontextmenü aufgerufen.

Trackpad unter Windows

Apple vermarktet das Trackpad ausschließlich als Lösung für Mac-Nutzer. Windows-Nutzer können das Gerät zwar auch einsetzen, allerdings nur mit deutlichen Einschränkungen. Zudem müssen für die Installation einige Hürden überwunden werden.

Das Magic Trackpad lässt sich prinzipiell per Bluetooth mit Windows verbinden. Ohne Treiber verhält es sich aber wie eine Ein-Tasten-Maus. Zudem muss für einen Tastendruck durchgeklickt werden. Ein einfaches Antippen reicht nicht aus. Wer mehr will, braucht Apples Treiber.

Am einfachsten hat es ein Windows-Nutzer, wenn das Betriebssystem per Bootcamp 3.1 auf einem Mac installiert ist. In diesem Fall wird das Trackpad-Update in der 32-Bit- oder 64-Bit-Version heruntergeladen und ausgeführt. Wir haben das Trackpad aber auf einem reinen PC ausprobieren wollen. Dort ließ sich das Treiberarchiv aber nicht ohne weiteres ausführen. Es meckert über ein fehlendes Bootcamp.

Die Lösung für das Problem ist es, einfach das Archiv zweimal zu entpacken. In der EXE-Datei befindet sich eine MSP-Datei. Auch diese muss entpackt werden, was recht einfach mit 7-Zip geht. Anschließend finden sich in einigen wirr bezeichneten Ordnern mehrere Dateien mit dem Namen Binary.AppleWirelessTrackpad_Bin. Das ist nichts weiter als eine EXE-Datei, die einfach entsprechend umbenannt werden muss.

Nach der Installation funktionieren immerhin die Grundfunktionen: Scrollen mit zwei Fingern, Aufruf des Kontextmenüs, indem es auf dem Trackpad mit zwei Fingern angetippt wird, und vor allem die Haupt-Maustaste, ohne dass das Trackpad durchgetippt werden muss. Alles andere, was der Mac-Benutzer gewöhnt ist, fehlt aber. Das gilt auch für umfangreiche Konfigurationsdialoge.

Magic Mouse oder Magic Trackpad?

Gegenüber der von uns ebenfalls getesteten Magic Mouse fällt auf, dass das Trackpad nicht so viel Potenzial brachliegen lässt. Es gibt einfach mehr Gesten und vor allem die Vor- und Zurückgesten funktionieren beim Magic Trackpad ohne Übung. Bei der Magic Mouse haben wir auch nach monatelanger Benutzung noch hin und wieder das Problem, die Geste erfolgreich durchzuführen. Nichtsdestotrotz konnten wir es uns im Test nicht abgewöhnen, aus Gewohnheit zur Apple-Maus zu greifen. Beim Benutzen von iPhoto fiel es aber leichter, das Trackpad anstelle der Maus zu nutzen. Vor allem das Zurechtschneiden von Bildern mit zwei Fingern oder das Vor- und Zurückwischen durch Bildergalerien geht mit dem Trackpad besser.

Nicht für alle Mac-Nutzer das ideale Eingabegerät

Apples Magic Trackpad ist bereits im Handel verfügbar. Der Preis liegt bei 69 Euro und beinhaltet zwei AA-LR6-Batterien.

Fazit

Apples Trackpad ist sehr stark eine Sache des Geschmacks und der Gewöhnung. Wer an einem Macbook (Pro) arbeitet und die Gesten gewohnt ist, findet schnell Gefallen an dem Trackpad. Allerdings sind die Mac-OS-X-Anwendungen, die die Gesten unterstützen, immer noch spärlich. Das Zurechtschneiden von Bildern in iPhoto (Crop) funktioniert per Multitouch aber wesentlich schneller als mit der Maus den Schneiderahmen zu treffen und anzupassen.

Mac-Nutzer, die hingegen noch nie oder ungerne mit Trackpads arbeiten, werden sicherlich auch beim Magic Trackpad ihre Probleme haben und es sich lieber nicht zulegen. Zudem ist ein Trackpad nicht für alle Bereiche gleich gut geeignet. Spiele lassen sich mit einem Trackpad nur selten gut kontrollieren, was auch mit Apples Mäusen der Fall ist.

Insgesamt hat Apple hier zwar ein gutes und entsprechend den Erwartungen funktionierendes Eingabegerät auf den Markt gebracht, aber im Desktopbereich bleibt ein Trackpad vermutlich genauso wie ein Trackball eher eine Nische. Aber die, die sich in dieser Nische befinden und keine Probleme mit dem Glas-Trackpad des Macbooks haben, werden am Trackpad Gefallen finden. Alle anderen sollten sich die Investition gründlich überlegen.  (as)


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