Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1008/77020.html    Veröffentlicht: 05.08.2010 19:11    Kurz-URL: https://glm.io/77020

Netzneutralität

Verhandeln Google und Verizon über Netzmaut?

Google soll mit dem Netzbetreiber Verizon über eine bevorzugte Auslieferung seiner Inhalte gegen Bezahlung verhandeln. Das berichten US-Medien. Google weist das zurück. Das Unternehmen stehe weiterhin zur Netzneutralität, heißt es.

Zahlt Google künftig für den bevorzugten Transport seiner Inhalte? Ein entsprechendes Abkommen mit dem Netzbetreiber Verizon soll nach US-Medienberichten kurz vor dem Abschluss stehen. Die beiden Unternehmen verhandelten seit gut einem Dreivierteljahr über eine Regelung bei den Breitbandnetzen, sagte ein Verizon-Sprecher der New York Times. Das Ergebnis soll am Freitag bekanntgegeben werden, will das Wall Street Journal aus eingeweihten Quellen erfahren haben.

Google steht zur Netzneutralität

Google hat das jedoch zurückgewiesen. Der Bericht sei schlicht falsch, heißt es in einer E-Mail, die Google-Sprecherin Mistique Cano an verschiedene US-Medien, darunter die Computerworld, geschickt hat. "Wir haben in keiner Weise mit Verizon über eine Bezahlung für Google-Datenverkehr gesprochen. Wir bleiben wie bisher einem offenen Internet verpflichtet."

Ende 2008 hatten US-Medien schon einmal berichtet, Google verhandele mit Kabelnetzbetreibern und Telekommunikationsanbietern über eine bevorzugte Auslieferung seiner Inhalte. Das hatte sich im Nachhinein als falsch herausgestellt.

Netzbetreiber wollen regulieren

Sollten Google und Verizon hingegen tatsächlich eine Einigung über eine Netzmaut erzielt haben, könnte das eine Signalwirkung für andere haben. In Deutschland hat kürzlich Telekom-Chef René Obermann angekündigt, sein Unternehmen werde künftig Geld verlangen für besondere Netzsicherheit oder Übertragungsqualität. Die Netzbetreiber bestehen darauf, zu bestimmen, welchen Datenverkehr sie bevorzugt behandeln oder ob sie bestimmte Daten, etwa aus Tauschbörsen, komplett blockieren.

Das steht allerdings im Gegensatz zu den Vorstellungen der US-Regulierungsbehörde Federal Communication Commission (FCC). Deren Chef Julius Genachowski will die Netzneutralität, also die Gleichbehandlung aller Daten, in den Regularien der FCC festschreiben. Im April 2010 hatte ein US-Gericht jedoch die Kompetenz der FCC in der Frage Netzneutralität eingeschränkt. Genachowski versuchte daraufhin mit einem Trick, seine Kompetenz zu sichern.

Schicksal des Internets nicht Unternehmen überlassen

Unterstützung erhält der FCC-Chef unter anderem von Bürgerrechtlern wie der Organisation Public Knowledge. Deren Chefin Gigi Sohn betonte, Netzneutralität solle verhindern, dass die großen Unternehmen das Internet untereinander aufteilten. "Das Schicksal des Internets ist zu wichtig, als dass es durch die Verhandlungen zwischen zwei Unternehmen entschieden werden darf, auch wenn es sich um zwei so große Unternehmen wie Verizon und Google handelt."

Wie es aussehen kann, wenn die Netzbetreiber nach eigenem Gutdünken handeln, zeigt das Beispiel von Comcast: Im Herbst 2007 beschwerten sich Comcast-Kunden, das Unternehmen habe den Tausch von Dateien über Peer-to-Peer-Protokolle unterbunden.  (wp)


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