Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1007/76880.html    Veröffentlicht: 30.07.2010 17:05    Kurz-URL: https://glm.io/76880

Facebook-Crawler

Einfach als Google ausgeben

Die öffentlichen Nutzerdaten von Facebook sollen sich nicht nur über das Nutzerverzeichnis, sondern auch über die Sitemap gut auslesen lassen. Grund ist ein Versäumnis von Facebook.

Günter Grodotzki hatte bereits im April 2010 herausgefunden, wie sich der öffentliche Teil von Facebook-Profilen massenhaft auslesen lässt. Anders als der Crawler von Ron Bowes, dessen Blog derzeit unerreichbar ist, liest der Crawler von Grodotzki nicht das Facebook-Verzeichnis, sondern die Sitemap des sozialen Netzwerks aus. Das sei "viel einfacher", sagte Grodotzki Golem.de, obwohl auch damit nur so viele Daten auslesbar seien, wie es der Facebook-Nutzer zulasse.

Eine Sitemap ist eine XML-Datei mit allen URLs der Webseite, die von Suchmaschinen wie Google gecrawlt und indexiert werden sollen. Auf sie kann eigentlich nur von berechtigten Hostnamen zugegriffen werden. Darunter laut Grodotzki auch diejenigen, die sich als Googlebot ausweisen. Diesen Hostnamen fälschte Grodotzki und machte sich zunutze, dass Facebook sich nicht mittels Cross-Checking absichert. Letztlich sind dann alle die Daten auslesbar, die regulär von Google gesehen werden.

Schneller Auslesen

Durch das Auslesen der Sitemap ist umfangreiches Crawling ohne Captcha-Hürden möglich. Und das "mit einem viel höheren Datendurchsatz, da man es auch ausgeloggt durchführen kann und es wegen des gefälschten Hostnamens nicht auffällt", so Grodotzki.

Ausprobiert hat er das bereits, indem er laut eigenen Aussagen etwa 10 GByte an reinen XML-Dateien ausgelesen hat. Diese enthielten Links zu den Nutzerprofilen, Profilbildern, Gruppen, Pages und Kontakten. Um auch die Inhalte dieser URLs auszulesen, würden jedoch 2 Terabyte oder mehr Speicherplatz anfallen.

Das Auslesen von öffentlichen Daten aus sozialen Netzwerken lässt sich kaum verhindern. Auch der Facebook-Konkurrent VZ Netzwerke, wie Golem.de zugehörig zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, sammelt auf SchülerVZ, StudiVZ und MeinVZ weiter Erfahrungen mit Crawlern.

Die mit Crawlern gewonnenen Profillinks haben durchaus einen Wert - sie können etwa Ziele für unerwünschte Werbung und Phishingversuche werden. Die persönlichen Daten bleiben den Bots und anderen allzu Neugierigen verborgen, sofern die Nutzer von den sinnvollen Einstellungen für mehr Privatsphäre Gebrauch machen.  (ck)


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