Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1007/76395.html    Veröffentlicht: 13.07.2010 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/76395

Windows 2000

Schluss, aus, vorbei

Wem Windows XP mit seiner viel zu verspielten Oberfläche zu bunt war, der blieb dem NT-System Windows 2000 treu. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Extended Support von Windows 2000 endet mit Ablauf des 13. Juli 2010 - endgültig. Ein kurzer Blick auf zehn Jahre Windows 2000.

Knapp vor der Jahrtausendwende war es Microsoft gelungen, Windows 2000 an die Presswerke zu schicken. Die Pakete gelangten zwar erst einige Monate später in den Handel, aber auf dem Papier war Windows für den Jahrtausendwechsel gewappnet. Windows 2000 war das letzte Windows-System, das sich ausschließlich an professionelle Nutzer richtete. Für die Endkunden gab es das DOS-basierte und parallel vermarktete Windows 98 (SE) und ME, die jeweils vor beziehungsweise nach der Veröffentlichung von Windows 2000 auf den Markt kamen.

Windows 98 und das von vielen als besonders misslungen empfundene Windows ME (Millenium Edition) sind bereits im Jahr 2006 eingestellt worden. Windows 2000 hielt sich bis jetzt am Leben. Bei Produkten für Geschäftskunden ist das normal, wie sich aus Microsofts Lifecycle-Bereich entnehmen lässt. Dort sind fünf Jahre Mainstream Support und weitere fünf Jahre Extended Support vorgesehen. Es gibt aber Ausnahmen, zum Beispiel für Windows XP.

Ein NT auf dem Heimrechner

Obwohl Windows 2000 alias NT 5.0 auf den professionellen Einsatz ausgerichtet war, kann das Betriebssystem auch als Microsofts erster geglückter Versuch gelten, ein NT-System dem versierten Endnutzer schmackhaft zu machen. Innerhalb eines Monats gelang es dem Konzern aus Redmond, eine Million Lizenzen zu verkaufen. Die Kunden waren offenbar zufrieden. Die Oberfläche wirkte modern, der Unterbau dank NT robust und endlich war das DOS weg.

Obendrein konnte Windows 2000 parallel zu professionellen Anwendungen auch für Spiele genutzt werden. Anfangs war die Unterstützung allerdings zaghaft, das besserte sich erst später. Und so installierte der ein oder andere Windows 2000 auf seinem Heimrechner. Hilfreich für die Verbreitung war dabei der Umstand, dass es noch keinen Aktivierungszwang gab. Manch eine Installation war eine Schwarzkopie.

Wegbereiter für den Erfolg für Windows XP

Mit Windows 2000 hat Microsoft die Vorbereitungen getroffen, die codeseitige Trennung von zwei Produktlinien endgültig aufzuheben. Gelungen ist das erst mit Windows XP. Es war das erste Windows, das sich sowohl an Heimanwender als auch an professionelle Anwender richtete, allerdings in zunächst zwei (Home, Professional) und später sogar vier Versionen (Tablet-PC, Media Center). Selbst 64-Bit-Versionen (ia64, x64) wurden veröffentlicht. Allerdings sind die 64-Bit-Versionen von Windows XP gemessen an der Verbreitung bis heute vollkommen unbedeutend.

Für einige Puristen war Windows XP dennoch keine Alternative. Zu bunt, zu verspielt und einfach zu sehr für den Heimnutzer, lautete das Urteil mancher alteingesessener Windows-2000-Nutzer. Sie blieben also bei Windows 2000. Firmen, die ohnehin gerade auf Windows 2000 umgestiegen waren, wollten knapp zwei Jahre später nicht schon wieder wechseln.

Service Packs und Update Rollups

Es folgten mehrere Service Packs und zwei Update-Rollups für die treuen Windows-2000-Nutzer. Das vierte und letzte Service Pack erschien Mitte 2003 und machte das Betriebssystem noch für USB 2.0 fit. Das offiziell letzte Update wollte Microsoft Mitte 2005 als Abschluss des sogenannten Mainstream Supports bereitstellen. Statt eines fünften Service Packs gab es als Ersatz nur ein Update-Rollup, eine Sammlung aller bis dahin angefallenen Sicherheitsupdates.

Mit dem Ende des Mainstream Supports stellte Microsoft auf den Extended Support um. Nur noch Sicherheitsupdates waren vorgesehen. Fehlerbehebungen waren allenfalls für zahlende Kunden mit speziellen Verträgen zu haben. Eine Ausnahme machte Microsoft dennoch: Das Update Rollup hatte Fehler und Microsoft schob einige Monate später ein zweites Paket nach, obwohl das im Extended Support eigentlich nicht vorgesehen war.

Vollständige Update-Pakete gab es von Microsoft fortan nicht mehr. Vor allem eine Neuinstallation konnte langwierig werden, wenn nicht die inoffiziellen Community-Pakete genutzt wurden. Aber auch das Zurverfügungstellen solcher Pakete wurde problematisch, als Microsoft auf Konfrontationskurs ging, um derartige Pakete zu verhindern.

Die letzte Lebensphase von Windows 2000

Zu dem Zeitpunkt nagte aber schon der Zahn der Zeit am langsam alternden Windows 2000. Der Treibersupport wurde immer schlechter und Software wurde nicht mehr angepasst. Selbst Microsoft wollte nicht mehr und veröffentlichte den Internet Explorer 7 nur für Vista und für Windows XP. Damit sorgte der Konzern selbst für eine lange Lebensphase des Internet Explorer 6.

Der Windows-2000-Nutzer musste also mit einem veralteten Browser auf zunehmend veralteter Hardware leben. Allenfalls professionelle Geschäftskundenhardware bot noch ausreichend Support für Windows 2000. Trotzdem blieb Windows 2000 in vielen Unternehmen aktiv, sehr zum Ärger von Microsoft. Hier und da waren sogar die internen Webtools explizit auf den Internet Explorer 6 zugeschnitten.

Aktuell hat Microsofts Windows 2000 kaum noch Bedeutung. In unseren Statistiken taucht das Betriebssystem nur noch mit einem Anteil von 0,59 Prozent auf. Alle anderen Windows-Besucher nutzen andere Systeme wie XP (46 Prozent), 7 (40 Prozent) oder Vista (12 Prozent).

Microsofts Altlasten verschwinden

Microsoft rührt schon eine Weile die Werbetrommel, um Altlasten loszuwerden. Windows-XP-Nutzer bettelt Microsoft fast schon an, endlich vom Service Pack 2 auf das Service Pack 3 zu wechseln, denn auch hier endet der Support zeitgleich mit dem Ende von Windows 2000. Nur Windows XP mit Service Pack 3 wird bis 2014 noch mit Sicherheitsupdates versorgt. Interessanterweise gilt das auch für die Home Edition. Dem Internet Explorer 6 hat Microsoft auch offiziell den Kampf angesagt. Das letzte Betriebssystem, das nur diesen Browser offiziell von Microsoft als aktuelle Version bekam, war Windows 2000 - und damit ist es nun vorbei.

Nach zehneinhalb Jahren ist Windows 2000 auch für Microsoft Geschichte. Neue Sicherheitspatches gibt es ab kommenden Monat nicht mehr. Da sich das alte 2000er-System Codeteile mit neueren Betriebssystemen teilt, bleibt es potenziell anfällig für neue gefundene Sicherheitslücken, wie etwa die kürzlich entdeckte Lücke in der Windows-Komponente mfc42.dll. Nur testet das jetzt niemand mehr. Diese Ungewissheit sollte dazu beitragen, dass alte Windows 2000 stillzulegen und etwas anderes zu installieren. Damit endet die Ära des letzten ausschließlich für professionelle Zwecke entwickelten Windows.

Auch der letzte Purist sollte auf ein modernes Windows umsteigen. Und wer es nicht bunt blinken haben möchte, der kann ja zu einer schön schlichten Linux-Distribution wechseln.  (ase)


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