Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1007/76353.html    Veröffentlicht: 09.07.2010 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/76353

Willow Garage

Hol mir mal'n Bier, Roboter!

Entwickler beim US-Unternehmen Willow Garage haben einem Roboter etwas beigebracht, das bei den gegenwärtigen Temperaturen sehr praktisch ist: Er fährt in die Küche und holt ein Bier aus dem Kühlschrank.

Er spielt Billard und räumt den Tisch ab - der vom US-Unternehmen Willow Garage entwickelte Personal Robot 2 (PR2) ist auf dem besten Weg, ein echter Kumpel zu werden. Was fehlt noch, um die Beziehung Mensch - Roboter perfekt zu machen? Bier holen.

Bestellung per Webseite

Das hat ihm ein Entwicklerteam bei Willow Garage jetzt beigebracht. Über eine Webseite kann der Nutzer seine Bestellung an den Roboter aufgeben. Er zieht dazu eines der Icons, die verschiedene Biersorten repräsentieren, in den sogenannten Biereimer. Dann wählt er in einem Aufklappmenü aus, in welches Büro der Roboter das Bier bringen soll, und schickt die Bestellung per Klick auf eine Schaltfläche mit der Aufschrift "Beer Me, Robot" ab. Sie wird per WLAN an den Roboter übertragen.

Der macht sich auf den Weg in die Küche. Mit Hilfe optischer Sensoren in seinem Kopf und an den Armen, darunter zwei Stereokameras, erkennt der PR2 den Kühlschrank und den Griff an der Tür. Er öffnet ihn, schaut hinein und stellt fest, welche Biersorten da sind. Ist die gewünschte Sorte nicht vorhanden, schickt er dem Nutzer eine Nachricht auf die Webseite. Ist das bestellte Bier da, schnappt sich PR2 die Flasche. An jedem seiner Arme sitzt ein Greifer, mit dem der Roboter auch zerbrechliche Gegenstände fassen kann. Anschließend stellt er das Bier in eine dafür konstruierte Halterung, die auf dem Chassis hinter dem Laserscanner angebracht ist, mit dessen Hilfe PR2 navigiert. In dem Block aus Hartschaum ist Platz für drei Flaschen und einen Flaschenöffner.

Erst Gesichtskontrolle, dann Bier

Schließlich fährt der PR2 zum angegebenen Ort und liefert das Bier aus. Vorher schaut er die Person, der er die Flasche gibt, noch einmal genau an. Per Gesichtserkennung stellt er fest, ob er auch der richtigen das Bier aushändigt. Auf Wunsch öffnet er es sogar.

Beer Me, Robot ist Teil eines Hackathons, den das US-Robotikunternehmen Willow Garage derzeit durchführt. Die Idee ist, sich am Montagmorgen ein Ziel zu setzen und es bis Freitag umzusetzen. Andere Gruppen haben dem PR2 beispielsweise beigebracht, Billard zu spielen oder den Tisch abzuräumen.

Roboter für den Alltag

Roboter alltagstauglich zu machen ist eines der Ziele des kalifornischen Unternehmens. Deshalb hatte es im Frühjahr einen Wettbewerb ausgeschrieben, in dessen Rahmen die Teilnehmer Einsatzszenarien für den PR2 ersinnen sollten. Anfang Mai hatte Willow Garage den Teams, die die überzeugendsten Konzepte vorgelegt haben, jeweils einen PR2 zur Verfügung gestellt. Die Teams, zehn Universitäten und ein Unternehmen aus Europa, Japan und den USA, haben zwei Jahre Zeit, um ihre Konzepte umzusetzen.

Die Roboter von Willow Garage - neben dem PR2 ist das der Telepräsenzroboter Texas Robot - nutzen das Betriebssystem Robot Operating System (ROS). ROS ist Open Source und verfügt über viele Schnittstellen, was es Robotikern erleichtert, Anwendungen für die Roboter zu entwickeln.  (wp)


Verwandte Artikel:
Willow Garage: Der Roboter räumt den Tisch ab   
(01.07.2010, https://glm.io/76170 )
Billard: Roboter RS2 locht ein   
(18.06.2010, https://glm.io/75865 )
Robotikwettbewerb: Roboter sollen alltagstauglich werden   
(05.05.2010, https://glm.io/74938 )
Texas Robot - der Vertretungsroboter   
(10.02.2010, https://glm.io/72995 )
Flippy: US-Fast-Food-Kette setzt Roboter zum Burgerwenden ein   
(06.03.2018, https://glm.io/133161 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/