Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1007/76257.html    Veröffentlicht: 06.07.2010 11:56    Kurz-URL: https://glm.io/76257

Hybridmail

Briefpost per E-Mail wird billiger als Standardporto

United Internet startet Hybridmail, um Briefe per E-Mail zu verschicken. Der Dienst kostet inklusive Druck, Kuvert, Porto und Zustellung 54 Cent. Auch die Deutsche Post wird den E-Postbrief wahrscheinlich billiger als 55 Cent machen.

United Internet startet mit einem Kampfpreis in den Markt für Hybridmail. Der Dienst, mit dem Briefe per E-Mail verschickt werden können, ist inklusive Druck, Kuvert, Porto und Zustellung für 54 Cent erhältlich, gab das Unternehmen bekannt. Dafür kann der Kunde maximal eine DIN-A4-Seite in Schwarz-Weiß ausdrucken lassen. Längere Briefe und Extras kosten mehr.

United Internet, DSL-Vermarkter, Webhoster und Webmailer, setzt dabei auf seine Marken Gmx und Web.de. Diese kooperieren mit dem Hybridmail-Anbieter Edipost und IAB/Francotyp-Postalia. Edipost bietet Hybridmail bereits an, jedoch ab 82 Cent pro Brief. Dabei kann der Brief entweder online im Texteditor auf der Webseite des Unternehmens geschrieben werden, oder der Kunde lädt eine Software auf seinen Rechner, die einen eigenen Edipost-Druckertreiber auf dem Rechner installiert.

Web.de-Sprecher Michael d'Aguiar sagte Golem.de über die technische Seite der Zusammenarbeit: "Wir haben das im ersten Schritt über die Login-Zentralen eingebunden." In einigen Wochen findet sich die Hybridmail-Funktionalität im Postfach der Webmaildienste vom United Internet. Sie haben nach eigenen Angaben zusammen über 25 Millionen E-Mail-Nutzer.

Der Versand der Briefe soll über die Partner von Edipost und IAB/Francotyp-Postalia laufen, die auf den jeweils billigsten Briefzusteller setzen. Dies können TNT und der Mail-Alliance-Briefdienst, aber auch die Deutsche Post sein, sagte d'Aguiar. Zielgruppe sind kleine Firmen, Vereine und Privatkunden. Im Spätsommer 2010 will United Internet über die Marke 1&1 auch kleine und mittelständische Firmen für das Angebot gewinnen, so der Sprecher.

Auch die Deutsche Post plant einen Hybridbrief. Das Postunternehmen beginnt am 14. Juli 2010 mit der Vorstellung des neuen Produkts. Wie die Tageszeitung Die Welt aus Unternehmenskreisen berichtet, soll der Preis des E-Postbriefs ebenfalls unter dem Normalporto von 55 Cent liegen. Bereits im ersten Jahr will die Post eine Million Nutzer gewinnen und verspricht sich einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe. Ein Sprecher der Deutschen Post hat Golem.de gesagt, dass dies "reine Spekulation" sei.

Fortschritte bei der De-Mail

Zudem bieten Gmx und Web.de eine Vorabregistrierung für die neue De-Mail: Ab sofort können Internetnutzer ihren eigenen Namen für eine spätere Freischaltung reservieren. Mit De-Mail soll ab Ende 2010 die digitale Kommunikation rechtssicher möglich sein. Das De-Mail-Gesetz des Bundes wird nicht vor Oktober erwartet.

Die Verwaltung des De-Mail-Postfaches will Gmx und Web.de "innerhalb der bekannten Mailumgebung" ermöglichen, so das Unternehmen. Vor der Freischaltung müssen sich die Teilnehmer authentifizieren. Das De-Mail-System ist geschlossen und von üblichen E-Mail-Adressen aus nicht erreichbar. Wie die Welt aus Unternehmenskreisen erfuhr, plant die United-Internet-Tochterfirma 1&1 einen Preis von etwa 15 Cent pro De-Mail. Neben der Deutschen Post bereite sich auch die Telekom laut Konzernkreisen auf ein De-Mail-Angebot vor, so die Zeitung. Die Vorabregistrierung soll in Kürze freigeschaltet werden.

Bundesdatenschützer Peter Schaar hatte im Februar 2009 kritisiert, dass die De-Mail-Kommunikation zwischen Absender und Empfänger nicht durch eine End-to-End-Verschlüsselung gesichert sei. Auch die Ablage persönlicher Daten in dem geplanten elektronischen Safe sei nur wirklich sicher, wenn die Daten verschlüsselt gespeichert würden und ausschließlich der Betroffene den elektronischen Schlüssel dazu besitze.  (asa)


Verwandte Artikel:
Erste De-Mail verschickt (Update)   
(08.10.2009, https://glm.io/70350 )
De-Mail und Brief im Internet machen Fortschritte   
(03.03.2010, https://glm.io/73571 )
Deutsche Post will Micropayment für Verlage anbieten   
(13.11.2009, https://glm.io/71201 )
Deutsche Post will konkurrierendes De-Mail-System entwickeln   
(29.05.2009, https://glm.io/67463 )
Post bremst angeblich De-Mail aus   
(25.09.2009, https://glm.io/70061 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/