Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1007/76173.html    Veröffentlicht: 02.07.2010 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/76173

AR.Drone ausprobiert

Quadrocopter mit dem iPhone fliegen

Parrots AR.Drone soll über das Elektronikgeschäft Saturn bald auf den Markt kommen. Golem.de konnte den Quadrocopter vorab Probe fliegen und war überrascht, wie gut das funktioniert.

Gesteuert wird der Quadrocopter mit Hilfe von Apples Mobilplattform. Voraussetzung ist eine kostenlose App, mit der das Mobilgerät per WLAN eine Verbindung mit der AR.Drone herstellt. Die AR.Drone arbeitet als Access Point. Eine Netzwerkinfrastruktur ist nicht notwendig.

Der Quadrocopter lässt sich auf zwei Arten fliegen. Zum einen mit Hilfe des Bildes der integrierten Kamera, die nach vorne schaut und per WLAN ein Bild sendet, und zum anderen indem der Nutzer einfach selbst auf das Flugzeug schaut. Die Kamera arbeitet mit sehr niedrigen Bildraten und einer großen Verzögerung. Für Flüge um die Ecke reicht es aber. Sofern die integrierten Augmented-Reality-Spiele nicht genutzt werden, sollte bei ungestörter Sichtlinie lieber auf Sicht geflogen werden.

Obwohl die Steuerung per WLAN umgesetzt wird, funktioniert das Fliegen erstaunlich gut. Wer ein wenig Erfahrung mit Flugmodellen hat, kommt zurecht. Die Steuerung reagiert schnell. Flüge rückwärts und seitwärts sind kein Problem. Für Kunstfliegerei ist das Gerät nicht geeignet, wenngleich geübte Parrot-Mitarbeiter durchaus riskante Flugmanöver demonstrierten. Loopings oder Flüge auf dem Rücken bekommt der Pilot nicht hin, da die Rotorblätter starr sind. Höhenänderungen werden über die Drehzahländerungen der Rotoren umgesetzt.

Wenn die Drohne außer Kontrolle gerät, genügt es, die Kontrollen nicht mehr zu benutzen. Eine Kamera, die auf den Boden schaut, hilft dem Fluggerät dann per Software, sich zu stabilisieren. Für den Außeneinsatz eignet sich die AR.Drone nur bedingt. Sie wird dann ohne Styropor-Schutz geflogen, um weniger Angriffsfläche für den Wind zu bieten. Dennoch reicht schon leichter Wind, um den sonst stabilen Flieger in eine schnelle Seitwärtsbewegung zu versetzen, die sich nur noch schwer ausgleichen lässt. Parrot demonstrierte eher unabsichtlich einige Abstürze und rammte mit den Rotoren sogar ein Auto. Ein Schaden an dem Fluggerät war aber nicht auszumachen.

Robuste Drohne

Die AR.Drone ist 400 Gramm schwer und äußerst robust. Damit verzeiht das Fluggerät auch mal Unfälle durch den Piloten oder Verbindungsabbrüche. Verbindungsprobleme gab es häufiger und in diesem Fall setzt die AR.Drone zu einer unsanften Landung an. Sprich, die Rotoren schalten ab. In einer Situation hatte der Quadrocopter auf etwa 8 Metern Höhe Verbindungsprobleme und stürzte anschließend mit abgeschalteten Rotoren ab - ohne Schaden zu nehmen.

Zu einem Absturz kommt es auch, wenn der Lithium-Polymer-Akku (LiPo) leer ist. Zwölf Minuten hält dieser. Bei einer Spannung unterhalb von 9 Volt schaltet die Automatik den Quadrocopter ab, um eine Tiefentladung zu verhindern.

Die verwendeten Lithium-Polymer-Akkus lassen sich recht schnell tauschen, mitgeliefert wird aber nur einer. Weitere sind als Zubehör geplant. Auch Ersatzteile sollen verfügbar sein und es wird Erklärungen geben, die es auch ungeübten Bastlern erlauben, etwa Rotorblätter auszutauschen. Auch wenn die AR.Drone viel aushält, auf Reparaturen sollte sich der Anwender einstellen.

Das kurze Fliegen mit der AR.Drone macht viel Spaß und ihre Robustheit war erfreulich. Wer an Modellfliegerei interessiert ist und das Fliegen lernen will, findet einen einfachen Einstieg mit WLAN-Technik, ohne selbst bauen zu müssen. Die dahinterliegende Software der AR.Drone wird im Quellcode bereitgestellt, so dass der Hubschrauber erweitert werden kann.

Ob die geplanten Spiele allerdings viel Spaß machen, konnten wir noch nicht beurteilen. Die Verzögerungen des Kamerabildes dürften problematisch sein.

Parrots AR.Drone soll ab dem 18. August 2010 verfügbar sein und fast 300 Euro pro Stück kosten. Der Quadrocopter ist damit eine Alternative zu vielen Projekten wie etwa dem Mikrocopter, der sich mehr an Bastler wendet.

Wer plant, so einen Quadrocopter zu fliegen, sollte darauf achten, dass er eine Haftpflichtversicherung hat, die Schäden von entsprechenden Modellfliegern abdeckt. Ein Unfall kann sonst teuer werden. Die meisten Haftpflichtversicherungen schließen solche Schäden aus. Eine Modellhaftpflichtversicherung dürfte auch für die AR.Drone in Deutschland Pflicht sein.  (ase)


Verwandte Artikel:
AR.Drone - Quadcopter streamt Livebild aufs iPhone   
(06.01.2010, https://glm.io/72218 )
Wandelflugzeug: Bell V-280 Valor mit Kipprotoren wird getestet   
(11.10.2017, https://glm.io/130547 )
Hoverbike: Dubais Polizisten sollen Streife fliegen   
(16.10.2017, https://glm.io/130633 )
Luftfahrt: Kalaschnikow entwickelt Hoverbike   
(27.09.2017, https://glm.io/130287 )
UAV: Matternet startet Drohnenlieferdienst in der Schweiz   
(22.09.2017, https://glm.io/130214 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/