Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1007/76163.html    Veröffentlicht: 01.07.2010 15:04    Kurz-URL: https://glm.io/76163

60 Minuten

APB - Hinfahren und "F" drücken

GTA als Onlinerollenspiel - das ist der Grundgedanke hinter All Points Bulletin, dessen Server von Electronic Arts und Entwickler Realtime Works am 1. Juli 2010 offiziell eröffnet wurde. Golem.de hat sich eine Stunde hinter das Steuer geklemmt, Autos herbeigezaubert, Graffiti entfernt und Bomben entschärft.

Wer in den Straßen von All Points Bulletin (APB) unterwegs ist, kann höchstens 50 Jahre alt sein. Das liegt daran, dass wir in der Charaktergenerierung des Onlinerollenspiels nicht nur die Wahl zwischen Vollstrecker und Kriminellem haben - und damit die Entscheidung für eine der beiden Fraktionen -, sondern eben auch die Möglichkeit, dem Avatar eine von mehreren Altersstufen sowie ein Geschlecht und dann das gewünschte Aussehen zu verpassen: Genretypisch reicht die mögliche Bandbreite vom dunkelhäutigen Hünen mit Vollbart bis zur blassen weiblichen Schönheit.

Zuvor muss das Programm für Windows-PC nur von der Spiele-DVD installiert werden, was inklusive ein paar Updates und abhängig von Rechner und Onlineverbindung in einer halben bis ganzen Stunde zu schaffen ist. Nervig: Erst nachdem wir uns anschließend gut 20 Minuten lang durch die Onlineregistrierung, ein paar Videos zum Spielstart und weitere Einstellungen gekämpft hatten, durften wir die Auflösung über die vorgegebenen 1.024 x 768 Bildpunkte hinaus erhöhen.

Sobald wir unseren Charakter - einen muskelbepackten Polizisten - fertiggebastelt haben, landen wir inmitten von gut einem Dutzend weiterer Neulinge im Tutorial District. Genauer: in einer ziemlich hässlichen Betonhalle, wo uns laut Bildschirmtext schon Wilson LeBoyce erwartet. Wilson verkauft uns Waffen - was uns erst mal nicht interessiert - und hat einen Auftrag für uns. Wir sollen uns ein Auto beschaffen und anschließend an einer markierten Stelle die Graffiti einer feindlichen Gang entfernen. Nach einer längeren Suche finden wir im Parkdeck einen Stock tiefer einen Fahrzeug-Spawn-Automaten, drücken "F" und schwupps: Schon steht ein nagelneues Polizeiauto neben uns, das wir mit "F" betreten.

Die Steuerung der Autos in APB funktioniert mit den WASD-Tasten, die Blickrichtung bestimmt die Maus - klappt auf Anhieb, fühlt sich aber nicht besonders elegant an. Beim Fahren zeigt eine Markierung in der 3D-Grafik die direkte Richtung und die Entfernung zum nächsten Missionsziel an. Damit manövrieren wir uns um ein paar Ecken, bis wir in der Nähe der ersten Wandschmiererei sein müssten. Wir steigen aus - finden aber erst mal nichts. Bis wir endlich auf die Idee kommen, eine unscheinbare Leiter hochzuklettern und das Graffito dort mit einem Druck auf "F" zu übersprühen. Sofort schickt uns Wilson LeBoyce weiter zu einem zweiten derartigen Gemälde - dann ist die erste Mission geschafft!

Explosion zum Abschluss

In der Folge erledigen wir für LeBoyce eine Handvoll weiterer Aufträge, die alle fast identisch aufgebaut sind: zum Einsatzziel fahren und dort durch Druck auf die Allzwecktaste "F" eine Bombe entschärfen, Wanzen anbringen, eine Tür eintreten oder den Straßenkreuzer eines Gangsterbosses beschlagnahmen; das Vehikel dürfen wir dann immerhin selbst um ein paar Ecken lenken. Nervig: Anschießend müssen wir den langen Weg zu LeBoyce zu Fuß zurücklegen, weil wir unser eigenes Auto irgendwo in den Straßen zurückgelassen haben.

Irgendwann ist endlich der letzte Einsatz im Tutorial geschafft, das Programm öffnet ein Menü: Wir dürfen entscheiden, ob wir in den Social District wollen - das einzige Gebiet, in dem Spieler nach Ablauf ihrer mitgelieferten 50 Onlinestunden immer kostenlos antreten dürfen - oder ob wir in den Financial District mit seinen Hochhäusern oder den etwas idyllischeren Waterfront District mit Hafen möchten. Wir entscheiden uns für Waterfront und werden vom Programm sofort mit der nächsten Wahl konfrontiert: Ob wir selbst eine Gruppe finden oder automatisch einer zugewiesen werden möchten?

Wir entscheiden uns für Letzteres - bekommen dann aber anders als erwartet keine Übersicht unserer neuen Freunde angezeigt, sondern stehen auf der Straße, die trotz der ganz anderen Gegend genau wie die im Tutorial aussieht: grau. APB verwendet die Unreal Engine, macht grafisch aber wenig her. Schick finden wir nur einige Autos, die von anderen Spielern oder dem Computer über die Straßen gesteuert werden.

Immerhin scheucht uns das Programm gleich weiter in die erste echte Mission. Wir sollen gemeinsam - als nicht näher bekanntes Team - einen Geldtransporter abholen und an eine bestimmte Stelle bringen. Per 3D-Marker ist der blaue Lkw schnell gefunden, ein paar Mitspieler steigen ein und fahren los. Von einem etwa drei Meter tiefen Graben lassen sie sich auf ihrem Weg zum Ziel nicht beeindrucken, der Transporter übersteht den Sturz ebenso wie unser hinterherplumpsendes Polizeiauto nahezu unbeschadet. Wenig später sind wir angekommen, die Mission ist ohne weitere Spannung als gewonnen abgehakt.

Zum Abschluss - die 60 Minuten sind eigentlich schon abgelaufen - sollen wir acht Feinde unter Zeitdruck ausschalten. Aber weil es gar nicht so einfach zu sein scheint, die Gegner im Großstadtdschungel zu finden, fahren wir einfach noch ein bisschen spazieren, bis nach einem weiteren kleinen Sturz unser Auto doch den Geist aufgibt und dann gleich zu explodieren droht: Wir schnappen unsere Waffe, feuern etwas frustriert auf die Reifen und sehen zum Abschluss unserer Tour immerhin eine schöne Explosion.

In der Rubrik "60 Minuten" nimmt Golem.de aktuelle Titel direkt nach der Veröffentlichung in der offiziellen Verkaufsversion für eine Stunde unter die Lupe - Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann dieser erste Eindruck nicht ersetzen. Er gibt aber Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.  (ps)


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