Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1007/76132.html    Veröffentlicht: 01.07.2010 12:20    Kurz-URL: https://glm.io/76132

Mac Mini im Test

Ein teurer Spaß fürs Wohnzimmer

Mit dem neuen Mac Mini hat Apple erstmals seit mehr als fünf Jahren das Design des Kleinrechners grundlegend überarbeitet, dabei aber Chancen vertan.

Im Januar 2005 hatte Apple den Mac Mini erstmals vorgestellt. Er war, in der Ära des PowerPCs, bestückt mit einem G4-Prozessor mit 1,25 GHz. Mit knapp 600 Euro war er der günstigste Einstieg in die Welt des Mac, sofern Display, Tastatur und Maus ohnehin schon da waren.

Ein Jahr später gab es dann den ersten Mini mit Intel-Prozessoren. Und bis ins Jahr 2009 hat Apple immer mal wieder kleine Updates gemacht, die CPU oder den Grafikkern getauscht. Doch an der Grundform hatte sich nichts getan. Mit dem aktuellen Modell wagt sich der Computerhersteller erstmals an ein grundlegendes Redesign der kleinsten Mac-Plattform - und erhöht den Einstiegspreis in die Mac-Welt auf über 800 Euro.

Aus dem Formfaktor 16,5 x 16,5 cm, den sich der alte Mac Mini mit Apples Airport-Extreme-Router teilt, wurde ein Gerät mit einer Grundfläche von 19,7 x 19,7 cm. Erstmals hat Apple dieses Format beim Apple TV und später bei der Time Capsule eingesetzt. Der neue Mac Mini ist mit 3,65 cm etwas flacher als der alte mit seinen 5,3 cm Höhe.

Mit dem Redesign kommen auch neue Anschlüsse. Der Mini-DVI-Port ist einem HDMI-Anschluss gewichen. Apple legt einen HDMI-auf-DVI-D-Adapter bei. Wie gehabt kann mit dem Mini-Displayport noch ein zweiter Monitor angeschlossen werden.

Kein Platz für Intels Core i

Ein USB-Port musste dem SDXC-Kartenleser weichen, der schnelle SD-Karten mit Kapazitäten von maximal 2 TByte aufnehmen können soll. Wie berichtet beherrscht Mac OS X nun auch das Dateisystem Exfat, allerdings nur mit einem speziellen Build. Mit Exfat formatierte Datenträger des neuen Mac Mini sind inkompatibel mit anderen Macs. Das ändert sich hoffentlich mit Mac OS X 10.6.5.

Nur ein Core 2 Duo

Dass Apple keinen Core-i-Prozessor einsetzt, ist zumindest nachvollziehbar. Technisch ist es nicht so einfach, einen Core i mit schneller Grafik in einem so kompakten Gehäuse unterzubringen. Intels HD-Grafik als Teil des CPU-Packages ist schlicht zu langsam, um als ernsthafter Grafikkern durchzugehen. Die nächste Möglichkeit wäre ein Chipsatz mit schnellem Grafikkern, doch das will Intel nicht und verweigert Apples Lieferanten Nvidia die Lizenz. Die dritte und letzte Möglichkeit wendet Apple beim Macbook Pro 15 und 17 an: eine Drei-Chip-Lösung bestehend aus CPU, 1-Chip-Chipsatz und einer dedizierten GPU. Das wollte oder konnte Apple aber nicht tun, wie schon am Macbook Pro 13 zu erkennen war.

Als Ergebnis gibt es nun den in die Jahre gekommenen Core 2 Duo, kombiniert mit einem neuen Nvidia-Chipsatz, der eine Geforce 320M als Grafikkern hat. Beim Core 2 darf Nvidia noch direkt mitspielen.

Für den Kunden ist der Kleinkrieg zwischen Intel und Nvidia zusammen mit Apples Unwillen, selbst eine Lösung zu finden, nicht gut. Der Core 2 Duo ist zwar nicht veraltet und für die meisten Aufgaben noch schnell genug, er kann aber durchaus als überholte Hardware betrachtet werden.

Kein störendes Netzteil mehr

Längst überfällig war es für Apple, sich des Netzteils anzunehmen. Der alte externe 110-Watt-Klotz ist gestrichen worden. Stattdessen findet sich das 85-Watt-Weitbereichsnetzteil (100 bis 240 Volt) direkt im Gehäuse des Mac Mini. Zudem fällt der nicht ganz so gängige Kleeblattanschluss (C5) am Netzteil weg. Nur den weitverbreiteten Kleingerätestecker (C7) braucht der Mac.

Wer den Rechner mitnehmen will, hat es jetzt leichter.

Benchmarks und leicht zugänglicher Arbeitsspeicher

Der Arbeitsspeicher ist jetzt direkt zugänglich. Ein kleiner Dreh an der Bodenplatte, und schon kann der Anwender die spärlich bestückten SODIMM-Slots mit neuen Speicherriegeln befüllen. Das empfiehlt sich dringend. 2 GByte sind nicht viel Arbeitsspeicher für einen Rechner, der sich den Speicher zudem mit der Geforce 320M teilen muss.

Gegenüber den alten Mac-Mini-Modellen ist die abnehmbare Bodenplatte ein enormer Komfortgewinn. Früher musste der Mini mit Spachteln und Fingerspitzengefühl aufgehebelt und anschließend teilweise demontiert werden, um an die RAM-Steckplätze heranzukommen.

Benchmarks

Für die Benchmarks haben wir erstmals Spiele von Valve eingesetzt. Die Steam-Plattform gibt es mittlerweile auch für den Mac, sie bietet einige auf der Source-Engine basierende Titel an. Wir haben Team Fortress 2 ausgewählt und die Timedemo performancedemo1_badwater_red.dem mehrfach durchlaufen lassen.

Aufgrund des Alters läuft das Spiel mit einigen Rucklern bereits auf der vorherigen Generation von Macs ganz gut, sei es der Mac Mini mit der Kennung 3,1 oder das Macbook Pro 13 mit der Kennung 5,5. Wir haben den alten Mac Mini für Benchmarks gegen das neue Mac-Mini-Modell benutzt. Der Mac Mini hat einen Core 2 Duo mit 2 GHz und Nvidias Chipsatzgrafik Geforce 9400M.

Für den Test haben wir zunächst die für den Mac Mini 2010 empfohlenen Einstellungen verwendet. Bei einer Auflösung von 1.280 x 800 kann sich die Geforce 320M deutlich von der 9400M absetzen. Tatsächlich wird das doppelte Ergebnis erzielt. Die Geforce 320M erreichte bei drei Durchläufen im Durchschnitt 22,58 FPS. Bei der Geforce 9400M des alten Mac Mini sind es nur 9,70 FPS.

Mac-Mini-Nutzer können ganz gut bei einer Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln spielen. Darüber hinaus wird es schwierig. Bei 1.680 x 1.050 Pixeln gibt es bei weitläufigen Karten zahlreiche Aussetzer, die Team Fortress 2 unspielbar machen. Die Timedemo selbst erreichte mit den empfohlenen Einstellungen für den neuen Mac Mini nur noch 16,49 FPS statt der zuvor gemessenen 22,58 FPS. Hier muss der Anwender in den Einstellungen zurückdrehen, um noch hohe Bildraten zu erreichen. Das ist bei Spielen der Source-Engine üblich und stark vom Kartendesign abhängig.

In einem kurzen Test haben wir einmal die empfohlenen Einstellungen des Mac Mini 2009 vermessen. Auch hier war eine deutliche Erhöhung der Bildrate zu erkennen. Der neue Mini erreichte bei 1.280 x 800 Pixeln rund 28 FPS und während das alte Modell nur 17 FPS erreichte. Die OpenGL-Tests des Cinebench bestätigten die Zuwächse. Der R11.5-Test erreichte beim neuen Mac Mini 11,33 FPS und beim alten Mac Mini 4,19 FPS. Beim R10-Test sind es 4.789 beziehungsweise 2.752 Punkte.

CPU kann sich nicht absetzen

Bei der CPU waren die Ergebnisse, wie zu erwarten, enttäuschend. Etwa 20 Prozent ist der neue Mac Mini schneller als der vorletzte Mini: Im Cinebench R11.5 erreicht das 2010er Modell 1,38 Punkte (xCPU) und der 2009er Mac Mini 1,16 Punkte. Der Cinebench R10 lieferte ähnliche Unterschiede zwischen den Rechnern mit 5.020 (Mac Mini 2010) und 4.287 (Mac Mini 2009).

Sehr interessant sind die Ergebnisse unseres Tests des Macbook Pro 15 mit Core-i7-CPU (2,66 GHz). Intels Core i ist dank Turbo-Boost und Hyperthreading dem Core 2 Duo teils deutlich überlegen. Hätte Apple im Mini einen Core i verbaut, wäre der hohe Preisaufschlag zumindest durch die Rechenleistung gerechtfertigt gewesen. Die Leistung des neuen Mac Mini ist trotzdem hoch genug, um die meisten Aufgaben eines Heimrechners zu erledigen.

Stromsparer

Gute Arbeit hat Apple bei der Leistungsaufnahme abgeliefert. Tatsächlich bleibt der neue Mac Mini deutlich unter 10 Watt. Zuweilen sinkt er auf etwa 7 Watt. Der alte Mac Mini brauchte noch minimal 14 Watt. Das Apple TV braucht mehr als 30 Watt in derselben Situation.

Unter Last ist die Leistungsaufnahme ebenfalls sehr gering. Beim Cinebench R10 nimmt der Mac Mini bei Belastung eines Kerns rund 21 Watt auf. Bei zwei Kernen sind es 28 Watt. Während eines Team Fortress Matches sind es maximal 32 Watt. Einen 1080p-Film kann der Anwender mit gerade einmal 14 Watt anschauen.



Leiser Mac und Fazit

Apples Mini bleibt trotz der veränderten Gehäuseform ein sehr leises Gerät. Das ist beachtenswert, da jetzt immerhin auch die Abwärme des Netzteils abgeführt werden muss. In der Regel ist der Rechner nicht zu hören. Selbst unter Last, wie beispielsweise beim Spielen von Team Fortress 2, bleibt das Gerät erfreulich leise. Das Aluminiumgehäuse wird dafür recht warm. Es kann aber selbst im Sommer noch berührt werden. Süßigkeiten sollte der Anwender aber nicht auf dem neuen Mac Mini liegen lassen, ein brauner Überzug aus Schokolade wäre die Folge.

Die Tests fanden an zwei warmen Sommertagen statt, bei einer Lufttemperatur von etwa 26 Grad Celsius.

Der Mac Mini 4,1 ist bereits verfügbar. Er kostet mit offiziell 809 Euro deutlich mehr als der Einstiegs-Mac des letzten Jahres, der bei 550 Euro lag.

Fazit

250 Euro Preisaufschlag für ein zugegebenermaßen optisch sehr hübsches Gehäuse und ein paar Selbstverständlichkeiten wie etwas mehr Leistung bei Grafik und Rechnerei, das ist alles, was der Kunde beim 2010er Modell des Mac Mini bekommt. Viel zu wenig. So wenig, dass selbst die jetzt alten Modelle noch attraktiv sind. Das ehemalige Topmodell für knapp 750 Euro bietet sogar eine schnellere CPU als der aktuelle Mac Mini. Der Ausbau des Arbeitsspeichers ist beim alten Modell allerdings etwas fummelig.

Ist der Komfort des RAM-Austauschs das Geld für den Neuen wert? Sinnvoller wäre es gewesen, das Gerät gleich mit 4 GByte RAM zu bestücken, statt den Nutzer den alten Speicher wegwerfen zu lassen. Ökologisch ist das nicht, denn sinnvoll verwenden lassen sich 1-GByte-SODIMMs kaum, weil Mainboards mit vier SODIMM-Slots etwas sehr Seltenes sind.

Alles in allem ist der neue Mac Mini ein schönes, aber ein viel zu teures Stück Hardware, insbesondere mit Blick auf die alten Minis. Für ein bisschen mehr Geld gibt es einen deutlich schnelleren iMac oder ein portables Macbook. Wer allerdings einen Wohnzimmer-Mac für seinen Fernseher sucht, findet hier die bessere Alternative zum Apple TV.  (ase)


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