Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/76119.html    Veröffentlicht: 30.06.2010 14:01    Kurz-URL: https://glm.io/76119

Spieletest Singularity

Kalter Krieg mit Zeitreisen und Mutanten

Böse Russen, missglückte Atomexperimente, gefährliche Mutanten: Auf den ersten Blick bietet Ravens Shooter Singularity keine neue Ideen. Interessant wird das Ganze aber durch die Möglichkeit, die Zeit zu manipulieren und in Sekundenbruchteilen mehr als 50 Jahre zu überbrücken.

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs gelingt es der Sowjetunion, eine mysteriöse Energiequelle ausfindig zu machen, die als Ausgangsmaterial für weitreichende Eroberungen dienen soll. Auf einer abgeschiedenen Insel werden Labore eingerichtet und Experimente durchgeführt, bei denen irgendetwas gründlich schiefgeht. Im Jahr 1955 werden daher sämtliche Aktivitäten eingestellt und das Eiland verlassen. Bei einer geheimen Untersuchung stellt das US-Militär im Jahr 2010 dann atomare Strahlung über dem einstigen Sperrgebiet fest - und schickt ein Eliteteam, um zu ergründen, was dort einst vorgefallen ist.

Allerdings geschieht dann das, was in solchen Fällen meistens passiert: Der Erkundungshubschrauber stürzt ab, das Eliteteam wird getrennt, und der Spieler ist zunächst auf eigene Faust in den verlassenen Anlagen und Gebäuden unterwegs. Die ersten Minuten verbringt er damit, die grundlegende Steuerung zu erlernen, die erste Waffe zu finden, alte Stalinbüsten zu bewundern und immer wieder auf Notizen oder Tonbänder zu stoßen, die Schritt für Schritt enthüllen, was damals geschehen ist.

Auch übersinnliche Phänomene lassen nicht auf sich warten: Das Bild verzerrt sich, plötzlich ist nicht mehr 2010, sondern 1955 - und der vom Spieler gesteuerte Soldat ist mittendrin in Chaos und Flammen. Richtig interessant wird das Ganze allerdings erst, wenn der Spieler bis zu einem gewissen Grad selbst Herrscher über die Zeit wird - und mit einem Zeitmanipulationsgerät und eingesammelter Energie in der Lage ist, Gegenstände altern zu lassen oder zu verjüngen. Aus einer in ihre Einzelteile zerfallenen Treppe wird wieder ein begehbarer Weg, zertrümmerte Kisten erstrahlen wie neu, Gegner werden per Knopfdruck in ein hohes Alter versetzt.

Zeitsprünge nach Plan

Die Wechsel zwischen den Zeitebenen sind gelungen: Ein eben noch heruntergekommener Schulgang ist plötzlich wieder mit Kindern gefüllt, ein zerstörtes und düsteres Labor leuchtet auf einmal frisch und bunt. Auch die Gegnertypen ändern sich - einfache Mutanten und russische Soldaten auf der einen, Elitetruppen auf der anderen Zeitebene. Neben dem Zeitmanipulationsgerät sorgen Pistolen, Maschinengewehre, aber auch eine Gravity Gun für Abwechslung.

Was sich zunächst anhört wie komplette spielerische Freiheit, ist im tatsächlichen Spielablauf arg eingeschränkt: Zeitmanipulationen sind nicht beliebig, sondern immer nur an vorbestimmten Stellen möglich. Darüber hinaus ist Singularity nahezu komplett linear; wenn eine Tür oder ein Gang nicht benutzt werden soll, sind sie verschlossen oder zugestellt. Überhaupt setzt Raven auf alte Tugenden: Medipacks und Munition einsammeln, Schritt für Schritt neue Bereiche freischalten - das Spielprinzip wirkt je nach Sichtweise entweder klassisch oder altbacken.

Technisch überzeugt das Spiel - mit Einschränkungen: Die Schauplätze sind oft fantasievoll gestaltet, strotzen vor Details und erinnern immer wieder angenehm an Bioshock 2. Von Zeit zu Zeit sind die Texturen nicht so überzeugend wie gewünscht und die prinzipiell sehr gute deutsche Sprachausgabe übertreibt es mit dem aufgesetzt wirkenden russischen Akzent.

Der Egoshooter bietet Einzel- und Mehrspielermodi. Im Mehrspielermodus von Singularity kämpfen die Spieler als Soldaten oder Monster um Territorien.

Singularity ist für Xbox 360, Playstation 3 und PC erhältlich und kostet etwa 60 Euro. Das Spiel hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten.

Fazit

Traditionelle Shooter-Kost mit ein paar netten Ideen - nicht mehr, aber auch nicht weniger hat Singularity zu bieten. Das Spiel präsentiert sich unkompliziert und linear, setzt auf bewährte Tugenden des Genres und legt mehr Wert auf schnelles Vorwärtskommen als auf Tiefgang. Innovationen fehlen hier ebenso wie große spielerische Freiheit, überdurchschnittliche Unterhaltung wird dennoch geboten. Wer mal wieder Lust auf ein Spiel in bester id-Tradition hat, dürfte mit Singularity sehr kurzweilige acht Stunden verbringen.  (tw)


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