Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/76064.html    Veröffentlicht: 28.06.2010 18:06    Kurz-URL: https://glm.io/76064

Zensur

Pakistan überwacht Suchmaschinen

Die pakistanischen Behörden haben angekündigt, dass sie mehrere Webangebote, darunter die großen Suchmaschinen, unter Aufsicht stellen werden. Links zu Angeboten, die sie als unangemessen betrachten, wollen sie blockieren. Einige weniger bedeutende Angebote wurden gesperrt.

Wenige Wochen nachdem Pakistan den Zugang zum sozialen Netz Facebook wieder zugelassen hat, haben die Behörden des asiatischen Landes erneut religiös motivierte Zensurmaßahnen angekündigt. Eine Reihe von Angeboten wollen sie beobachten, andere sind bereits gesperrt, berichtet die BBC.

Suchmaschinen unter Beobachtung

Zu den Angeboten, die unter Beobachtung stehen, gehören die Suchmaschinen Google, Yahoo und Bing. Dazu kommen Googles Videoportal Youtube sowie das Angebot des Onlinehändlers Amazon. Die Behörden wollen diese Webangebote überwachen und Links sperren, die sie als unangemessen ansehen. Die Seiten selbst sollen jedoch nach Möglichkeit weiter erreichbar sein, sagte ein Behördenvertreter dem britischen Sender. 17 weitere Angebote, die weniger bedeutend sind als die genannten, können von Pakistan aus nicht mehr aufgerufen werden.

Wie bei der Sperrung von Facebook geht es auch hier um Inhalte, die als den Islam verunglimpfend angesehen werden. Der Islam ist Staatsreligion in Pakistan, Verunglimpfungen sind in dem Land verboten. Anlass für die Sperrung von Facebook im Mai war ein Malwettbewerb: Eine Gruppe hatte Internetnutzer in aller Welt aufgerufen, aus Protest gegen die Bedrohung der Rede- und Meinungsfreiheit durch radikale Islamisten Karikaturen des Propheten Mohammed anzufertigen.

Sperrung wegen Karikaturenwettbewerb

Facebook hatte eine Gruppe für den Wettbewerb eingerichtet und war deshalb gesperrt worden. Die Betreiber beugten sich dem Druck aus Islamabad: Das Angebot wurde so modifiziert, dass pakistanische Nutzer keinen Zugang mehr zu dieser Gruppe haben. Seither ist das soziale Netz in Pakistan wieder erreichbar.

Eine Youtube-Sprecherin sagte dem Wall Street Journal, Youtube und Google seien Angebote, die der Meinungsfreiheit dienten. Das Unternehmen werde sich bemühen, dass die Angebote nicht gesperrt würden und so viele Inhalte wie möglich abrufbar blieben. Allerdings werde man sich bei den Inhalten nicht reinreden lassen. Anfang des Jahres hatte Google nach einem Einbruch in seine Systeme angekündigt, sich den Zensurvorgaben der chinesischen Regierung nicht mehr beugen zu wollen.

Youtube offline

Vor zwei Jahren hatten die pakistanischen Behörden das Videoportal Youtube mit der Begründung gesperrt, dort seien Inhalte und Filme abrufbar, die den Islam beleidigten. Bei der Aktion kam es zu einer folgenreichen Panne beim Hongkonger Internetdienstleister Pacific Century Cyberworks (PCCW), aufgrund derer das Videoportal am 24. Februar 2008 für kurze Zeit weltweit nicht erreichbar war.  (wp)


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