Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/75984.html    Veröffentlicht: 24.06.2010 10:40    Kurz-URL: https://glm.io/75984

Platform Preview 3

Internet Explorer 9 kann Canvas hardwarebeschleunigt

Microsoft hat eine dritte Plattformvorschau des Internet Explorer 9 veröffentlicht. Die Javascript-Engine des Browsers wird nochmals schneller. Der Browser unterstützt das Canvas-Element, wobei er auch hier auf Hardwarebeschleunigung zurückgreifen kann.

Der bei Microsoft für den Internet Explorer verantwortliche Manager Dean Hachamovitch betont die Vorteile, die der Internet Explorer dadurch hat, dass er nur unter Windows läuft. Während andere plattformunabhängige Browser auf den kleinsten gemeinsamen Nenner aller unterstützten Plattformen zurückgreifen müssten, könne der IE9 die Vorteile der Windows-Plattform voll ausschöpfen. Dadurch könnten Entwickler mit dem IE9 mehr mit HTML5 machen. Microsoft will möglichst große Teile der im Browser dargestellten Inhalte in Hardware beschleunigen.

Die Chakra genannte Javascript-Engine des IE9 hat Microsoft nochmals beschleunigt. Den nicht mehr aktuellen Benchmark Sunspider 0.9 absolviert die Preview 3 auf Microsofts Testsystem in 347 ms, die Preview 2 brauchte 473 ms. Zum Vergleich: Der Internet Explorer 8 absolviert den Benchmark-Durchlauf in 3.746 ms, Safari 5 braucht 325 ms, bei Chrome 5 sind es 280 ms und die Beta von Opera 10.6 rund 243 ms. Das zeigt: Microsoft ist auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

Chakra wartet darüber hinaus mit verbesserter Unterstützung für den Javascript-Standard ECMA-262 alias ES5 auf, einschließlich neuer Array- und Objektmethoden sowie Spracherweiterungen zur Arbeit mit Strings und Daten.

Canvas hardwarebeschleunigt

Neu in der Internet Explorer 9 Preview 3 ist die Unterstützung für das Canvas-Element. Damit lassen sich via Javascript dynamisch Bitmapgrafiken im Browser rendern. Die Darstellung kann der IE9 mit Hilfe der GPU beschleunigen. Microsoft zeigt in einigen Beispielen (Asteroid Belt, Fish Tank, Amazons Bücherregal), was sich damit anstellen lässt. Wie sich die Demos umsetzen lassen, erläutert Microsoft in einigen Videos (Fish Tank, Amazon Shelf, Video Panorama).

Mehr DOM und CSS3

Erweitert hat Microsoft mit der Preview 3 des IE9 auch die Unterstützung von DOM- und CSS3-Funktionen. Dazu zählen DOM Traversal, vollständige DOM-L2- und L3-Ereignisse, CSS3 Values und Units sowie die Darstellung mehrerer Hintergründe per CSS3. Mit getComputedStyle bekommen Entwickler zudem Zugriff auf das im DOM wirklich genutzte CSS.

Sämtliche unterstützten Funktionen fasst Microsoft in einem Developer Guide zusammen.

IE9 lernt WOFF

Das von Mozilla eingeführte Schriftenformat WOFF (Web Open Font Format) unterstützt der IE9 ab der dritten Platform Preview mittels CSS3 Font Face. Zusammen mit Mozilla und Opera will Microsoft das Format durchs W3C standardisieren lassen.

Mehr Punkte im Acid3-Test

Im Acid3-Test macht die Preview einen deutlichen Sprung nach vorn. Kam die zweite Preview nur auf 68 Punkte, sind es nun bereits 83. Damit sei man noch nicht am Ende der Entwicklung, so Hachamovitch, der den Test weiterhin kritisch sieht. Es würden zu viele Teile einbezogen, die noch nicht abschließend spezifiziert sind, und extreme Ausnahmefälle geprüft.

Microsoft liefert daher selbst zahlreiche Tests, die auch dem W3C in einer umfangreichen Testsuite zur Verfügung gestellt werden. Mit der Preview 3 des IE9 kommen noch einmal 118 neue Testfälle sowie 1.309 Javascript-Tests hinzu.

In Sachen Leistungsmessung im Web setzt Microsoft auf die Webtiming-Spezifikation und spricht mit dem W3C sowie Mozilla und Google darüber, um einen gemeinsamem Standard daraus zu entwickeln. Der IE9 bringt aber bereits Unterstützung für einige in Webtiming formulierte Ideen mit.

Die Platform Preview 3 des Internet Explorer 9 steht ab sofort unter ie.microsoft.com/testdrive zum Download bereit. Weiterhin handelt es sich dabei nur um die eigentliche Browserengine mit minimalen Bedienelementen, die sich neben dem Internet Explorer 8 unter Windows installieren lässt. Schon heute empfiehlt Microsoft Webentwicklern, ihre Seiten auf den IE9 vorzubereiten und nicht auf den darin enthaltenen IE7-Kompatibilitätsmodus zu setzen. Dieser werde keine besonders hohe Geschwindigkeit bieten.  (ji)


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