Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/75933.html    Veröffentlicht: 22.06.2010 09:27    Kurz-URL: https://glm.io/75933

Freier Videoplayer

VLC 1.1 veröffentlicht

Das Videolan-Team hat seinen freien Videoplayer VLC in der Version 1.1 veröffentlicht. Diese kann GPUs und DSP nutzen, um HD-Video hardwarebeschleunigt abzuspielen, ist insgesamt schneller, unterstützt einige neue Codecs und bietet einen Framework für Erweiterungen, so dass sich VLC künftig besser anpassen lässt.

Der Code für die Videoausgabe von VLC wurde für die neue Version 1.1 weitgehend neu geschrieben, so dass VLC nun in der Lage ist, GPUs und CPUs zur beschleunigten Darstellung von HD-Inhalten zu nutzen. Dies gilt zunächst für Windows Vista und Windows 7 sowie Linux. Unter Windows kann dank DxVA2 die Wiedergabe von H.264, VC-1 und MPEG-2 beschleunigt werden, unter Linux kommt dazu VAAPI zum Einsatz.

Allerdings raten die VLC-Entwickler Windows-Nutzern derzeit zu Chips von Nvidia, da die Windows-Treiber von ATI fehlerhaft seien und bislang keiner der VLC-Entwickler Zugriff auf entsprechende Intel-Hardware hat. Darüber hinaus können auch DSPs über das API OpenMax IL zur hardwarebeschleunigten Videowiedergabe genutzt werden.

VLC 1.1 unterstützt zudem MKV HD und Codecs mit 7.1-Audio, Blu-ray-Untertitel MPEG-4 Lossless, den von Google als Open Source freigegebenen Codec VP8 und das darauf basierende Webvideoformat WebM, in das VLC Videos auch umwandeln kann. Auch das Web-Plugin und die Streamingunterstützung wurden verbessert.

In Sachen Audio kann VLC 1.1 auch mit AMR-NB, Mpeg-4 ALS, Vorbis 6.1/7.1, FLAC 6.1/7.1 und WMAS umgehen, unterstützt in seinem Qt4-Interface Playlisten und kann unter Windows CDDB-Informationen zu Audio-CDs anzeigen. Auch DVD-Audio-Dateien (.aob) werden nun abgespielt.

VLC wird schneller und erweiterbar

Insgesamt soll VLC deutlich schneller sein, versprechen die Entwickler - bis zu 40 Prozent bei der Wiedergabe von HD-Auflösungen. Dazu trägt die neu entwickelte Videoausgabe ebenso bei wie Assembler-Optimierungen vor allem für SSE3 und SSE4 sowie Arm Neon, einige neu geschriebene Module sowie in Erweiterungen ausgelagerte Funktionen.

Die Einführung von Erweiterungen ist dann auch die zweite ganz wesentliche Neuerung: VLC 1.1 verfügt über ein Framework für Addons und Skripte, mit deren Hilfe VLC an die eigenen Wünsche angepasst werden kann. Es ist in Lua realisiert und unterstützt zwei wesentliche Typen von Skripten: Content-Addons, die in die Playliste integriert werden, sowie funktionale Erweiterungen wie eine Metadatensuche im Web oder das Nachschlagen von Untertiteln.

Entwickler sollen von einer vereinfachten libVLC profitieren, die ohne Ausnahmen auskommt und sich daher besser in C-Code integrieren lassen soll. Zudem kann VLC als Phonon-Backend auf allen Plattformen genutzt werden und es gibt neue C++-Bindings.

Shoutcast-Modul entfernt

Das bislang in VLC integrierte Shoutcastmodul wurde in der Version 1.1 aus lizenzrechtlichen Gründen entfernt. AOL-Mitarbeiter hätten das VLC-Projekt im letzten Jahr wiederholt aufgefordert, die Shoutcast-Lizenzbedingungen einzuhalten, was aber aus Sicht der VLC-Entwickler für Open-Source-Software nicht möglich ist. Statt Shoutcast soll künftig das freie Pendant Icecast Directory in VLC unterstützt werden. Darüber hinaus verweisen die Entwickler auf das neue Erweiterungssystem, über das sich auch Shoutcast wieder einbinden ließe.

VLC 1.1 steht ab sofort im Quelltext für Windows unter videolan.org/vlc zum Download bereit. Für Mac OS X gibt es Test-Binarys für Intel-Systeme und bei Linux verweisen die VLC-Entwickler auf die Distributionen, über die Pakete zur Verfügung gestellt werden sollen.  (ji)


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