Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/75899.html    Veröffentlicht: 19.06.2010 14:48    Kurz-URL: https://glm.io/75899

WLAN-Nutzdaten

Google hat auch Passwörter aufgezeichnet

Französische Datenschützer haben entdeckt, dass Google mit seinen Street-View-Fahrzeugen auch persönliche Passwörter für E-Mail-Postfächer aufgezeichnet hat, so ein Vertreter der nationalen Datenschutzbehörde Frankreichs.

Google hat bei der Aufzeichnung von WLAN-Nutzdaten durch die Google-Street-View-Fahrzeuge auch persönliche Passwörter erfasst. Das ergab eine Untersuchung der nationalen Datenschutzbehörde Frankreichs, der Commission Nationale de l'Informatique et des Libertés (CNIL). Die CNIL untersucht Daten auf zwei Festplatten und auf Servern der Firma, die Google der Behörde zur Verfügung gestellt hat.

"Es ist noch zu früh um zu sagen, was das Ergebnis dieser Untersuchung sein wird", sagte ein CNIL-Vertreter dem Magazin Infoworld. "Allerdings können wir bereits feststellen, dass Google auch Passwörter zu E-Mail-Konten" und Teile von E-Mails aufgezeichnet habe.

Erst durch die Anfragen des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar hatte Google nach eigenen Angaben die Aufzeichnung der Nutzdaten entdeckt. Das Unternehmen hatte bis dahin erklärt, zur Ortsbestimmung nur SSIDs und MAC-Adressen aufzunehmen. Google will seitdem das WLAN-Scanning eingestellt haben. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte am 19. Mai 2010 wegen der Datensammlungen ein Ermittlungsverfahren gegen Google eingeleitet.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte bei der Aufklärung ein hartes Durchgreifen angekündigt. Falls erforderlich, müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Aigner nannte es eine Bankrotterklärung, wenn die Firma selbst nicht wisse, welche Daten sie von Bürgern gesammelt habe. Google-Chef Eric Schmidt gab danach bekannt, dass sein Unternehmen die WLAN-Nutzdaten den Datenschützern in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zur Verfügung stellen werde. Dem Programmierer, der die Software entwickelt hat, die die Daten mitgeschnitten hat, drohen disziplinarische Maßnahmen, so Schmidt. Eine solche Software zu schreiben, sei "ein klarer Verstoß" gegen die Datenschutzregeln des Unternehmens. Der Google-Chef betonte, dass es sich bei der Aufzeichnung der Daten um ein Versehen gehandelt habe.  (asa)


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