Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/75766.html    Veröffentlicht: 14.06.2010 18:05    Kurz-URL: https://glm.io/75766

Kabelnetzbetreiber

Primacom kündigt Insolvenzverfahren an

Primacom wird ein Insolvenzverfahren einleiten. Für die Kunden solle aber alles so weiterlaufen wie bisher, denn das operative Geschäft sei nicht betroffen, so das Unternehmen.

Der angeschlagene TV-Kabelnetzbetreiber Primacom hat einen Insolvenzantrag angekündigt. In der vergangenen Nacht hätten Kreditgeber einen Kompromissvorschlag des Hauptgesellschafters Escaline zurückgewiesen. Der Vorstand werde daher zeitnah einen Insolvenzantrag stellen, teilte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Meldung mit.

"Das operative Geschäft ist nicht betroffen", sagte ein Unternehmenssprecher Golem.de. Dieses sei in dem Konstrukt Primacom Management GmbH gebündelt. Auch sei der Insolvenzantrag noch nicht gestellt worden, so der Sprecher. Primacom ist in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Mainz und Osnabrück aktiv.

Die Verbraucherzentrale Sachsen erklärte, dass das Insolvenzverfahren nicht das Ende der Leistungen von Primacom bedeute. Verträge seien auf jeden Fall weiterhin für beide Seiten bindend. "Das heißt, dass auch das Kabelentgelt oder die Telefonrechnung pünktlich und vollständig bezahlt werden müssen", sagte Friederike Wagner von den Verbraucherschützern.

Das Unternehmen Primacom, dessen Führung in Mainz sitzt, hat rund 340 Millionen Euro Schulden. Seit Monaten diskutiert Escaline mit den Gläubigern über eine Sanierung. Weitere Beteiligte sind die ING Bank und die Hedgefonds Alcentra, Avenue und Tennenbaum. Die Gläubiger forderten 29 Millionen Euro von der Holding Primacom AG, die das Unternehmen derzeit nicht aufbringen kann.

Die Luxemburger Holding Escaline ist jedoch kein Unternehmensretter. Escaline kontrollierte auch den Kabelkonzern Tele Columbus. Die Firma wurde von der Holding mit Schulden überladen. Anfang Januar 2010 wurde der viertgrößte Kabelkonzern für 2,5 Millionen Euro an ein Konsortium von rund 100 Gläubigern verkauft. Eine Holding nach Luxemburger Recht übernahm Tele Columbus. Zuletzt hatte der größte Kabelnetzbetreiber, Kabel Deutschland, Interesse an Tele Columbus gezeigt. Insider erwarten allerdings Probleme mit dem Kartellamt und glauben nicht an einen schnellen Verkauf des Kabelnetzbetreibers.  (asa)


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