Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/75738.html    Veröffentlicht: 12.06.2010 08:30    Kurz-URL: https://glm.io/75738

SCO kontra Novell

Schluss, aus und vorbei?

Die epische Auseinandersetzung zwischen SCO und Novell über die Eigentümerschaft des UNIX-Quellcodes scheint tatsächlich beendet zu sein. Ein US-Bezirksrichter hat am Donnerstag SCOs Antrag auf ein neues Verfahren abgelehnt.

Seit gut sieben Jahren hat sich das US-Unternehmen SCO, hervorgegangen aus dem UNIX-Hersteller Santa Cruz Operation, bemüht, den Konkurrenten Linux auf dem Rechtsweg zur Strecke zu bringen. Es begann mit einer Klage gegen IBM wegen Urheberrechtsverletzungen und gipfelte in einer Klage gegen Novell. SCO wollte von Novell die Rechte am Quellcode erworben haben, wohingegen Novell nur von einer Lizenz zur Nutzung für SCO ausging.

Nach einem jahrelangen Gerichtsverfahren in den USA entschied eine Jury dieses Jahr zugunsten von Novell. SCO wurde zu Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe an Novell verurteilt und meldete Bankrott an.

Mit dem Urteil entfiel praktisch die Rechtsgrundlage für SCOs Klage gegen IBM. SCO wollte sich damit jedoch nicht abfinden und beantragte ein neues Verfahren. Der Vorstoß scheiterte jedoch gestern. Der für die Prüfung des Antrages zuständige Bezirksrichter Ted Stewart fand diesen unbegründet und lehnte ihn ab. SCO hätte keinerlei Belege dafür erbracht, dass die Jury im Verfahren nicht alle vorgelegten Beweise ausreichend gewürdigt und deshalb ein Fehlurteil gefällt hätte.

Ars Technica zitiert Richter Stewart mit den Worten: "Das Gericht stellt fest, dass das ergangene Urteil in keiner Weise offensichtlich, entschieden und überwiegend gegen die präsentierten Fakten ausgefallen ist. Aus diesem Grunde hat SCO keinen Anspruch auf ein neues Verfahren."

Damit sollte eigentlich alles klar sein. Das für die Klage gegen IBM zuständige Gericht müsste diese jetzt abweisen, da SCO keine Urheberrechte am UNIX-Quellcode hält, die das Unternehmen gegen IBM durchsetzen könnte. Da SCO pleite ist, wird Novell von den Millionen, die SCO zahlen soll, wohl keinen Cent sehen.

Aber wer weiß. SCO hat sich in den vergangen Jahren immer wieder als erstaunlich findig erwiesen, wenn es darum ging, eine neue Klage gegen irgendjemanden anzustrengen. Wir dürfen alle gespannt sein, was SCO als Nächstes aus dem Hut zaubert. Aber vielleicht ist die Vorstellung diesmal ja tatsächlich und endgültig beendet - Schluss, aus und vorbei? [Robert A. Gehring]  (ji)


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