Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/75573.html    Veröffentlicht: 04.06.2010 12:15    Kurz-URL: https://glm.io/75573

Sandy Bridge

Intel verzichtet auf USB 3.0 - und manchmal auf PCI (Update)

Auf der zweitgrößten Computermesse der Welt gibt es - wie üblich - zahlreiche neue Mainboards zu sehen. Auffällig ist bei den Produkten mit den Chipsätzen P67 und H67 für Intels nächste CPU-Generation Sandy Bridge, was alles fehlt.

Nach den aktuellen Core-i-Prozessoren, die auf der Nehalem-Architektur basieren, folgt Intels Roadmaps entsprechend das neu entwickelte Design Sandy Bridge. Statt diese Architektur wie bei Intel üblich mindestens ein Jahr im Voraus scheibchenweise zu entblättern, hält sich der Chiphersteller diesmal auffällig bedeckt. Erst auf dem letzten IDF in Peking gab es einige Informationen, vornehmlich zum Grafikkern, der bei Sandy Bridge auf dem Die integriert wird.

Zu den Chipsätzen für Sandy Bridge wie "Cougar Point" und dem Sockel gibt es von Intel keinerlei offizielle Informationen. Viel spekuliert wurde bisher vor allem darüber, ob bisherige Prozessoren für den Sockel LGA 1156 in den neuen Mainboards laufen werden - denn der Sockel wird bisher als LGA 1155 geführt. Wie auf der Computex zu hören ist, sollen die älteren CPUs aber weiterhin passen, nur in bisherige LGA-1156-Boards können die Sandy-Bridge-CPUs nicht gesteckt werden.

Intel schweigt beharrlich

Zwei PCI-Slots bei Asrock
Zwei PCI-Slots bei Asrock
Die Chipsätze P67 und H67 für LGA 1155 sind auf der Computex bereits auf zahlreichen Mainboards von allen renommierten Anbietern zu sehen, Informationen von Intel gibt es dazu weiterhin nicht. Folglich müssen die möglichen Funktionen und Ausstattungen nach Augenschein und Quelleninformationen beurteilt werden. Dass USB 3.0 auch bei den Sandy-Bridge-Chipsätzen fehlt, ist eigentlich keine Überraschung: Intel sieht die starke Verbreitung der neuen Schnittstelle erst mit der nächsten Windows-Version voraus, wie das Unternehmen gegenüber Golem.de bereits auf der Cebit äußerte.

Dennoch gibt es Mainboards für die nächste Prozessorgeneration mit USB 3.0, verwendet wird hier bisher vor allem der sattsam bekannte Controller µPD720200 von NEC/Renesas. Er bietet nur zwei Ports, andere Chips von der Asus-Tochter ASMedia und VIA sollen bis zu vier Anschlüsse bereitstellen - sie sind aber noch nicht lieferbar. Die Anbindung von Zusatzchips wird mit P67 und H67 für die Mainboardhersteller einfacher, weil die PCI-Express-Lanes von Chipsatz und CPU die volle Geschwindigkeit nach PCIe 2.0 bieten, bei den Chipsätzen der Serie 5 war das nicht der Fall.

PCI nur auf teuren Boards?

Dafür hat Intel nach dem bisherigen Anschein den klassischen PCI-Bus wegrationalisiert. Die Serie 5 der Intel-Chipsätze bietet noch einen nativen PCI-Bus, auf den meisten Mainboards werden höchstens zwei der Slots damit realisiert. Nach unbestätigten Angaben besitzt die Serie 6 diese Fähigkeiten nicht mehr. Viele der in Taipeh ausgestellten Boards haben folglich auch keine PCI-Slots mehr und dafür mehr PCIe-Steckplätze. Ist der betagte Bus dennoch vorhanden, wird er über Bridge-Chips bereitgestellt.

Das hat gleich mehrere Nachteile - vor allem werden die Mainboards für die Hersteller und vermutlich auch die Kunden wieder teurer. Zudem verkompliziert die Anbindung von gleich zwei Zusatzbausteinen für USB 3.0 und PCI das Design, und die bei Intel - im Gegensatz zu AMD - immer noch raren PCIe-Lanes bleiben bei vollständiger Nutzung der Geschwindigkeiten der Schnittstellen genauso knapp wie bisher. Leistungseinbußen sind für PCI-Karten aber kaum zu befürchten, da Bridge-Chips für PCI via PCIe schon seit Jahren verbreitet sind.

Probleme bekommen mit Intels neuen Plattformen aber vor allem professionelle Anwender, die etwa für Audio- und Videoworkstations häufig auf PCI-Karten angewiesen sind. Ein funktionierendes Studio reißt man nicht kurzfristig auseinander, weil eine neue Prozessorgeneration mit mehr Leistung lockt. Ebenso sind viele Karten der Mess- und Regeltechnik noch nicht im PCI-Express-Zeitalter angekommen. Auch zahlreiche private Nutzer hängen beispielsweise an Soundkarten oder TV-Tuner-Boards für PCI, die schon seit Jahren im Einsatz sind - warum wechseln, wenn es die alte Karte noch tut?

Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Bisher nicht zu finden ist auf der Computex der Chipsatz Q67, der ebenfalls durch inoffizielle Roadmaps geistert. Er soll wieder einen PCI-Bus enthalten. Die Q-Chipsätze, die Intel für Business-PCs empfiehlt und für die es auch Unterstützung für die Fernwartungsfunktionen nach vPro gibt, sind aber stets deutlich teurer als andere Varianten. Klärung gibt es nach letztem Stand schon Ende 2010: Dann sollen die ersten Sandy-Bridge-CPUs samt ihrer Chipsätze auf den Markt kommen.

Nachtrag vom 7. Juni 2010, 11:25:
Wir haben diesen Artikel um weitere Bilder von LGA-1155-Boards von Asrock, Biostar und Elitegroup ergänzt. Diese drei Hersteller bieten neben vielen anderen Unternehmen bei den gezeigten Vorserienprodukten PCI-Slots an.  (nie)


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