Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/75547.html    Veröffentlicht: 03.06.2010 12:24    Kurz-URL: https://glm.io/75547

Linaro

Chipschmieden formen Allianz für einfachere ARM-Entwicklung

Unter dem Namen Linaro haben ARM, Freescale, IBM, Samsung, ST-Ericsson und Texas Instruments ein neues Projekt gegründet und in Taiwan vorgestellt. Linaro soll die Entwicklung von Software für Geräte mit ARM-Prozessoren beschleunigen, die entsprechenden Werkzeuge sollen offengelegt werden.

Android, LiMu, Meego, Ubuntu und WebOS - an linuxoiden Betriebssystemen, die auf ARM-Kernen laufen, mangelt es nicht. Rund um die sparsame Chiparchitektur, die in nahezu allen mobilen Geräten verwendet wird, hat sich ein wahrer Wildwuchs an Software entwickelt. Die Linux-Wurzeln sind den Betriebssystemen und ihren Anwendungen gemein, austauschen lassen sich Kernels, Programme oder gar Treiber aber nicht.

Das liegt vor allem an der genauen Anpassung der Software an die Hardware - und die Chips wiederum kann sich im Baukastensystem von ARM jeder Hersteller mit den gewünschten Funktionen selbst zusammenstellen. Apple beispielsweise bezeichnet seinen A4, der das iPad antreibt, als komplette Eigenentwicklung, obwohl - wie bei iPod touch und iPhone - ein ARM-Kern darin steckt. Andere Hersteller wie Qualcomm oder Samsung vermarkten ihre Chips unter Namen wie Snapdragon oder Hummingbird auch als eigene Produkte, weisen aber auf die Abstammung von ARM deutlich hin.

Schnellere Entwicklung durch Zusammenarbeit

Mit neuen Techniken wie Mehrkernprozessoren, die Jahre nach der Bereitstellung durch ARM nun unter anderem Qualcomm einsetzen will, HD-Video und OpenGL ES müssen die Entwickler von ARM-Geräten immer schneller auf Trends reagieren. Das verkompliziert die Entwicklung, und vieles wurde vielleicht schon für ein anderes Betriebssystem gelöst. Daher wollen nun die größten Chiphersteller, die ARM-Designs einsetzen, gemeinsam Software entwickeln. Ziel ist unter anderem, neue Trends bei den Halbleitern schneller für die Software nutzbar zu machen.

ARM, Freescale, IBM, Samsung, ST-Ericsson und Texas Instruments finanzieren dafür das Unternehmen Linaro. Es ist nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet und wird von den Partnern gemeinsam getragen. Entwicklungswerkzeuge, Middleware und Kernels soll Linaro herstellen, nicht aber eine neue Distribution. Stattdessen sollen die Ergebnisse in Android, LiMo, Meego, Ubuntu und WebOS verwendet werden können. Vor allem das schon seit langem nur im Experimentalstadium für ARM existierende Ubuntu könnte so einen Schub bekommen. Den Ubuntu-Besitzer Canonical führt Linaro folglich auch als Technologiepartner, das Unternehmen zählt aber nicht zu den Finanziers der neuen Allianz.

Die Entwicklungen von Linaro sollen unter eine Open-Source-Lizenz gestellt werden und frei zugänglich sein. Welche Lizenz dabei verwendet wird, ist noch nicht entschieden. Linaro will sich dafür mit der Open Source Initiative (OSI) absprechen. Erste Versionen der Linaro-Software soll es im November 2010 zum Download geben, danach sollen alle sechs Monate Neuauflagen erscheinen. Differenzieren können sich die Mitglieder dann immer noch durch eigene Benutzeroberflächen, Anwendungen und Dienste auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets.

Der größte Chiphersteller der Welt, Intel, fehlt freilich im Linaro-Club - denn die Atom-Architektur wird von der Initiative nicht unterstützt. Damit will Intel nach langer Vorbereitung endlich auch Handhelds für sich erobern. Über Meego, eine Gemeinschaftsentwicklung mit Nokia, ist Intel aber quasi durch die Hintertür an Linaro beteiligt. Ob sich daraus Nutzen für die Atoms ziehen lässt, darf aber bezweifelt werden. Und Apple, einer der größten Vertreiber von ARM-Geräten, ist mit seinem Fokus auf geschlossene Systeme ebenfalls noch nicht bei Linaro Mitglied geworden.  (nie)


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