Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/75514.html    Veröffentlicht: 02.06.2010 15:54    Kurz-URL: https://glm.io/75514

Aufräumaktion

HDMI-Konsortium will Versionsnummern beseitigen

Die Versionsnummern des HDMI-Standards sind verwirrend. Das will das Konsortium hinter dem Standard ändern und sich künftig auf die Funktionen beschränken. Allerdings sorgen die Vielfalt der Marktteilnehmer und ihre unterschiedlichen Interessen für Probleme.

Wer heute ein HDMI-Kabel kaufen möchte, hat vielleicht noch Versionsnummern im Kopf. Das soll sich in Zukunft ändern. Statt von einem HDMI-1.x-Kabel spricht der Handel jetzt von Kabeln unterschiedlicher Geschwindigkeitsklassen mit unterschiedlichen Funktionen und unterschiedlicher Robustheit. Diesen Plan - und wie er durchzusetzen ist - erläuterte Steve Venuti, Chef der HDMI Liceinsing LLC, auf einer Veranstaltung in Berlin. Hersteller, Handel und Presse sollen nach seinen Vorstellungen künftig auf die Angabe der HDMI-Versionsnummer bei Produkten verzichten.

Insgesamt gibt es fünf verschiedene Kabeltypen: Standardkabel, die maximal 720p/1080i-Signale übertragen können, Standardkabel mit HDMI Ethernet Channel, kurz HEC, High-Speed-Kabel, die auch hohe Auflösungen bis hin zur sogenannten 4K-Aufkösung (4.096 x 2.160 Pixel) erreichen, High-Speed-Kabel mit HEC und schließlich für die Automobilindustrie robuste Standardkabel Automotive, die bei der Funktion identisch mit den Standardkabeln sind, aber keine Ethernet-Option bieten.

Kabel mit einer aufgedruckten HDMI-Version sind keine HDMI-Kabel

Um die neuen Bezeichnungen durchzusetzen, hat sich das HDMI-Konsortium auf Regeln festgelegt. Für Kabelproduzenten gelten sehr strenge Regeln. Sie müssen bereits jetzt die Ware korrekt auszeichnen, sowohl auf der Packung als auch das eigentliche Produkt, das Kabel. Ausnahmen gibt es nur für bereits produzierte Ware, die bis zum 18. November 2010 noch mit alter Beschriftung verkauft werden darf. Wer dagegen verstößt - und etwa HDMI 1.4a auf das Kabel schreibt und damit suggeriert, das Kabel sei 3D-fähig -, muss damit rechnen, dass die betroffenen Produkte vom Markt genommen werden.

Ein neu produziertes Kabel mit der Versionsnummer des Standards ist offiziell kein HDMI-Kabel mehr. Das hat einen guten Grund: Bereits alte High-Speed-HDMI-Kabel, die dem Standard 1.3 entsprechen, können außer Ethernet bereits alles, was auch moderne Kabel beherrschen. Das schließt die 3D-Fähigkeit von HDMI 1.4a genauso ein wie den Audiorückkanal (ARC), der bereits mit der Version 1.4 eingeführt wurde.

Dass für Ethernet ein neues Kabel benötigt wird, liegt daran, dass der Standard nun einen bisher ungenutzten Pin nutzt und dessen Leitung mit der Hot-Plug-Leitung verdrillt (Twisted Pair) wird. Alte Geräte stören diese Kabel nicht. Neue hingegen erkennen sie und legen neben dem Ethernet-Signal auch den Audiorückkanal (ARC) auf diese Leitungen.

Es bleibt kompliziert
Die Verwirrung verlagert sich aber durch den Verzicht auf die Versionsnummern nun auf die fünf verschiedenen Kabeltypen. So viele Kabeltypen wären eigentlich nicht notwendig. Das High-Speed-Kabel mit Ethernet ist beispielsweise auf der Funktionsseite auch für alle anderen Anwendungsbereiche geeignet. Egal ob für 3D, Audio Return Channel (ARC) oder 4K-Auflösungen. Die abgespeckten Kabel werden aber dennoch gebraucht. Für die langsamen Standardkabel gibt es beispielsweise noch eine Nachfrage in Schwellen- und Entwicklungsländern. Hier ist der geringe Unterschied bei den Produktionskosten noch entscheidend. Im Bereich der Automobilindustrie kommt hinzu, dass HDMI-Kabel und -Steckverbindungen robuster sein müssen, um den Temperaturschwankungen, Vibrationen und Störquellen zu widerstehen. Das Konsortium kann diese Kabeltypen also nicht einfach abschaffen. Diskutiert worden sei das aber durchaus, so Venuti.

Verwirrung könnte es außerdem bei den Buchsen des Standards geben. Hersteller von Endgeräten sind beispielsweise nicht verpflichtet, ihre Buchsen zu kennzeichnen. Laut Venuti liegt das vor allem an kulturellen Unterschieden der Hersteller. Einzelne Elektronikgiganten - Namen wurden nicht genannt - ließen sich ungern etwas vorschreiben und pochten auf eine freiwillige Vereinbarung. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Hersteller der Empfehlung folgen werden und beispielsweise ARC+HEC für den Audiorückkanal und die Netzwerkfähigkeit über die Buchse platzieren.  (ase)


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