Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1006/75498.html    Veröffentlicht: 01.06.2010 17:59    Kurz-URL: https://glm.io/75498

Kabelnetzbetreiber

Primacom droht die Insolvenz

Primacom droht nach geplatzten Verhandlungen über eine neue Finanzierung das Aus. Die Kreditgeber hätten Forderungen von rund 29,2 Millionen Euro fällig gestellt, heißt es offiziell von dem Kabelnetzbetreiber. Damit ist die Konzernholding zahlungsunfähig.

Dem Kabelkonzern Primacom droht nach gescheiterten Verhandlungen mit den Gläubigern die Insolvenz. Nach Unternehmensangaben haben die Kreditgeber Forderungen von 29,2 Millionen Euro fällig gestellt. Die Holding des Kabelnetzbetreibers sei dadurch zahlungsunfähig. Wenn die Kreditgeber ihre Haltung nicht schleunigst ändern, bleibt dem Konzern nichts anderes übrig als einen Antrag auf Insolvenz zu stellen.

Die von Mainz geführte Firma, die vor allem in Ostdeutschland Kabelnetze betreibt, ist mit rund 340 Millionen Euro verschuldet. Die drohende Insolvenz schickte gestern die Primacom-Aktie tief in den Keller. Das Papier gab gestern Nachmittag um 27 Prozent auf 1,43 Euro nach. Noch im März notierte die Aktie bei über sechs Euro.

Seit Monaten streitet sich die Beteiligungsgesellschaft Escaline mit den Gläubigern über eine Sanierung. Das sind Banken und Hedge-Fonds. Ursprünglich sollte Escaline in Primacom investieren und die Gläubiger auf einen Teil ihrer Kredite verzichten. Doch laut Reuters konnten sich beide Seiten nicht einigen. Nach Angaben eines Insiders brauche Primacom in den nächsten Monaten rund 40 Millionen Euro. Die Frist für einen Kompromiss ist am Montagabend abgelaufen.

Escaline ist im deutschen Kabelgeschäft kein Unbekannter. Die Luxemburger Holding kontrollierte auch den Kabelkonzern Tele Columbus. Doch die Firma in Hannover wurde von Escaline mit Schulden überfrachtet. Anfang Januar wurde der viertgrößte Kabelkonzern für 2,5 Millionen Euro an ein Konsortium von rund 100 Gläubigern verkauft. Eine unabhängige Holding nach Luxemburger Recht übernahm Tele Columbus.

Die umstrittenen Finanzinvestoren Scott Lanphere und Robert Fowler haben damit die Kontrolle und ihre Mandate abgegeben. Die neue Konzernführung soll unter der Kontrolle der Beratungsfirma Nikolaus & Co. LLP den Kabelnetzbetreiber sanieren und finanziell restrukturieren. Die hochverschuldete Tele Columbus erzielte mit 2,3 Millionen Haushalten zuletzt Erlöse von 259 Millionen Euro und einen operativen Betriebsgewinn von 109 Millionen Euro.

Zuletzt hatte der Branchenprimus Kabel Deutschland Interesse an Tele Columbus angemeldet. Insider befürchten allerdings Widerstände des Kartellamts. Insider erwarten keinen schnellen Verkauf des Kabelnetzbetreibers. [von Hans-Peter Siebenhaar, Handelsblatt.com]  (md)


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