Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75421.html    Veröffentlicht: 28.05.2010 17:33    Kurz-URL: https://glm.io/75421

Fedora 13 im Test

Goddard prescht mit Nouveau-3D vor

Die Linux-Distribution Fedora 13 alias Goddard bringt quelloffene 3D-fähige Nouveau-Treiber und den aktuellen Kernel 2.6.33.3 mit. Bei den Desktopanwendungen hat Goddard neben Neuigkeiten aber auch Ärgernisse zu bieten.

Unter dem Motto "Rock it" haben die Fedora-Entwickler die Version 13 der Linux-Distribution Fedora veröffentlicht. Fedora 13 bringt zahlreiche Neuerungen aus der eigenen Entwicklungsschmiede mit, die nach bisherigen Erfahrungen später auch von anderen Linux-Distributionen übernommen werden dürften. Dazu zählen die quelloffenen Nouveau-Treiber für Grafikkarten mit Nvidia-Chipsätzen und etliche Funktionen für die virtuelle Maschine KVM. Unseren Test haben wir mit der gegenwärtig erhältlichen Live-CD gemacht, die standardmäßig den Gnome-Desktop mitbringt.

Freie Grafik durch Nouveau

Der Einzug der maßgeblich von Fedora-Entwicklern programmierten Nouveau-Treiber für Grafikchips von Nvidia in den Linux-Kernel hat bereits Furore gemacht. Nun setzt Fedora noch einen drauf und bringt für die Geforce-Reihe auch 3D-Unterstützung mit. Die 3D-Funktionen werden aber noch als experimentell bezeichnet und stehen erst nach der Installation des Pakets "mesa-dri-drivers-experimental" zur Verfügung.

In unserem Test klappte die Installation des experimentellen Treibers zwar einwandfrei, die Reaktionsgeschwindigkeit der grafischen Oberfläche brach aber deutlich ein, selbst beim einfachen Verschieben von Fenstern. Ärgerlich war das mangelhafte Auslesen von EDID-Informationen der angeschlossenen Monitore, die unter anderen Distributionen auch mit den Nouveau-Treibern einwandfrei erkannt wurden. Erst ein manuelles Erstellen und Nachbesserungen in der Konfigurationsdatei xorg.conf brachten unter Fedora 13 die richtigen Auflösungsoptionen.

Mehr Treiber für Grafikkarten

Der mitgelieferte Treiber für Intel erkennt auch Grafikchipsätze, die noch gar nicht erschienen sind. Lediglich Besitzer von Grafikkarten mit AMD-/ATI-Chipsätzen müssen unter Umständen auf die 3D-Funktionen verzichten, denn die in Fedora 13 verwendete Version 1.8 des X.org-Grafikservers kommt nicht mit den aktuellen proprietären Treibern des Chipherstellers zurecht: AMD/ATI ist inzwischen notorisch langsam, wenn es um die Entwicklung ihrer eigenen Treiber für Linux geht.

Immerhin bieten die freien Treiber "radeon" 3D-Unterstützung für Radeon-Chips der 2000er, 3000er und 4000er Reihe. Der entsprechende Treiber gilt nicht länger als experimentell. Für Chipsätze der 5000er Reihe hingegen bietet der quelloffene Treiber keine 3D-Beschleunigung und arbeitet nur rudimentär mit dem Chipsatz zusammen.

Neuer Anaconda-Installer

Erfreulicherweise befinden sich die deutschen Sprachpakete schon auf der Live-CD: Nach dem Umschalten der Sprachoptionen im Login-Fenster präsentiert sich der Desktop in deutscher Sprache. Die Arbeitsfläche wurde optisch nur leicht verändert: Ein neues Hintergrundbild ziert den Gnome-Desktop in der Version 2.30.

Die Installation über Anaconda wurde überarbeitet, vor allem am Partionierungswerkzeug haben die Entwickler intensiv gearbeitet. Der Installer bietet eine Reihe von voreingestellten Optionen, darunter die Möglichkeit, freien Platz auf der Festplatte für die Installation zu nutzen, oder bestehende Partitionen zu verkleinern. Neben den Vorlagen bietet Anaconda weiterhin die Möglichkeit, die Partitionierung auch komplett selbst zu übernehmen.

Positiv fallen die Hinweise über die Konsequenzen eines jeweiligen Installationsschrittes auf: Wenn der Nutzer etwa darauf aufmerksam gemacht wird, dass die Auswahl einer Festplatte keinen Datenverlust nach sich zieht, dürfte das manchem Einsteiger die Furcht vor einer Installation nehmen. Allerdings bekommt der Anwender bei der Auswahl einer Vorlage nicht das Resultat in einer Übersicht gezeigt, sondern erhält lediglich einen Warnhinweis, den er bestätigen muss, um die Partitionierung loszutreten. Standardmäßig setzt Fedora auf die Installation in LVM-basierten Partitionen.

Die Installation von der Live-CD erfolgt zügig, nach einem Neustart müssen noch Benutzer und Zeitzone eingerichtet beziehungsweise angepasst werden. Allerdings überschrieb Anaconda den zuvor installierten Bootmanager Grub2 komplett und ignorierte dabei auch die andere Ubuntu-basierte Linux-Distribution auf der Festplatte.

Viele Updates

Die nach der Installation gestartete Softwareaktualisierung brachte auch gleich einen neuen Linux-Kernel in der Versionsnummer 2.6.33.4 mit, der bereits vom Entwicklerteam angekündigt worden war. Wenige Stunden nach der Freigabe der finalen Version schaufelte der Updatemanager bereits über 100 Aktualisierungen auf den Rechner.

Die beiliegenden Desktopapplikationen bringen viel Innovatives mit: Beispielsweise kommt der Videoplayer Totem unter Fedora auch mit DVB-Fernsehen zurecht. Über einen angeschlossenen DVB-T-Stick konnten wir problemlos eine Kanalliste erstellen, selbst EPG-Daten lieferte Totem danach. Allerdings zeigte weder Totem noch die testweise installierte Multimediaanwendung Kaffeine ein Bild - und das trotz der Installation der proprietären Nvidia-Treiber.

Gut gefallen hat uns die aufgeräumte und durchdachte Oberfläche der Benutzerverwaltung. Die neue grafische Farbverwaltung für den Abgleich von Monitor, Drucker und Scanner ist eine längst überfällige Funktion in Linux-Distributionen, hier hat Fedora abermals die Nase vorn. Auch die Festplatten- und Partitionsverwaltung Palimpsest wurde erneut erweitert und kommt jetzt besser mit RAID- und LVM-Partitionen zurecht. Damit mausert sich Palimpsest mit seiner aufgeräumten grafischen Darstellung nicht nur für Linux-Einsteiger zu einem unverzichtbaren Werkzeug.

Nicht zufriedenstellend war allerdings die Unterstützung für "neuere Modelle" wie iPods, iPod touchs und iPhones, von der in den Release-Notes zu lesen ist. Ein iPod touch wurde vom System zwar erkannt und tauchte in der neuen Bildverwaltung Shotwell als Gerät auf. Allerdings konnte Shotwell Bilder vom iPod nicht einlesen und auch nicht auf das Gerät übertragen. Im Musikplayer Rhythmbox tauchte das Gerät gar nicht erst auf.

Fazit

Es gibt sehr gute Gründe für Administratoren und Entwickler, Fedora 13 als Produktivsystem zu installieren. Fedora ist nach wie vor ein innovatives System, das sich vor allem an versierte Anwender richtet. Allerdings zeugen die zahlreichen Fehler und Unzulänglichkeiten diesmal von einer etwas hektischen Freigabe der aktuellen Version.

Die Fehler und Mängel können zwar meist behoben werden, doch dazu bedarf es tiefgreifender Linux-Kenntnis. Einsteiger, die Fedora ausprobieren wollen, sollten eine der nächsten Zusammenstellungen abwarten, die naturgemäß weitere Updates und Reparaturen mitbringen werden.

Eine detaillierte Liste aller neuen Funktionen haben die Entwickler in den entsprechenden Release-Notes zusammengefasst. Die aktuelle finale Version steht bislang als Liveversion wahlweise mit dem Gnome-, XFCE-, LXDE- oder dem KDE-Desktop zum Download zur Verfügung. Alle Versionen sind wahlweise als 32- oder 64-Bit-Varianten zu haben.  (jt)


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