Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75394.html    Veröffentlicht: 27.05.2010 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/75394

Spieletest Blur

Mario Kart trifft Need for Speed

Ein Drift in der Kurve, ein Überholmanöver auf der Geraden - und dann doch kein Sieg, weil eine Rakete kurz vor der Zielgeraden den eigenen Wagen zerlegt: Das neue Rennspiel der Project-Gotham-Macher verlangt vom Spieler nicht nur fahrerisches Talent, sondern auch den gekonnten Umgang mit Waffen und Extras.

Bekanntgeworden sind die Entwickler von Bizarre Creations vor allem durch die Reihe Project Gotham. Das jetzt für Xbox 360, PS3 und Windows-PC erhältliche Blur hat viele Parallelen zu diesen Spielen - etwa die lizenzierten Wagen von Ford, Nissan, Audi und vielen mehr. Aber auch die unterschiedlichen, über die ganze Welt verteilten Kurse wecken Erinnerungen an die berühmte Reihe. Übrigens im Hinblick auf die Extras auch an Mario Kart - und auf einigen Strecken deutlich an Need for Speed, insbesondere an den Ableger Underground. Auch bei der Spielmechanik gibt es Parallelen zu den genannten Titeln. Die große Kunst etwa, den Spieler durch das Freischalten neuer Strecken, von Ruhm und Extras immer wieder zu motivieren, beherrscht Blur vorbildlich.

Blur ist nicht nur Renn-, sondern vor allem Actionspiel. Die Rennen haben unterschiedliche Schwerpunkte: Neben Platzierungs- und Checkpoint-Wettbewerben gibt es Zerstörungsherausforderungen, in denen es vor allem darum geht, so viele Kontrahenten wie möglich in Blechhaufen zu verwandeln. Meist werden die Elemente allerdings kombiniert, was vom Spieler nicht nur fahrerisches Können verlangt, sondern gleichzeitig die Fähigkeit, im richtigen Moment die passenden Waffen und Extras zu aktivieren.

An Powerups, die sich durch das Überfahren von Symbolen einsammeln lassen, herrscht kein Mangel. Neben Raketen, mit denen Gegner direkt abgeschossen werden, gibt es auch Minen, Blitzattacken, direkte Stöße für neben dem Spieler fahrende Wagen, aber auch Reparatursymbole und Schutzschilde. Vor allem in späteren Rennen ist Taktik angesagt. Nur wer das passende Extra im richtigen Moment einsetzt oder einem feindlichen Angriff ausweicht, hat Chancen auf den Sieg.

Kampf um Lichter und Fans

Für Rennerfolge winken als Belohnung sogenannte "Lichter", mit denen der Spieler neue Herausforderungen freischaltet. Gleichzeitig geht es darum, in jedem Rennen "Fans" für sich zu gewinnen. Das gelingt durch gekonnten Powerup-Einsatz, durch das Ausweichen feindlicher Attacken, aber auch durch gelungene Fahrmanöver. Je mehr Fans den Spieler unterstützen, desto schneller steigt er im Fan-Rang auf und bekommt Zugang zu neuen Vehikeln. Die unterscheiden sich übrigens nicht nur nach Marke, sondern auch nach Fahrzeugtyp - vom Sportwagen bis zum SUV ist einiges dabei, was die Garage bereichert. Je nach Renntyp empfiehlt es sich, ein passendes Gefährt auszuwählen. Die Fahrzeuge steuern sich zwar allesamt ähnlich, Unterschiede bei Lenkung, Geschwindigkeit und beim Aushalten von Treffern sind aber spürbar.

Neben den Hauptzielen gibt es Nebenaufgaben, die ebenfalls das Punktekonto füllen, etwa eine bestimmte Anzahl von Abschüssen. Während der Rennen präsentieren sich von Zeit zu Zeit Fan-Herausforderungen: Wer sie aktiviert, muss etwa eine bestimmte Anzahl von Toren passieren, was im actiongeladenen Renngetümmel schwieriger ist, als es sich zunächst anhört. Der Karrieremodus ist in neun Etappen aufgeteilt, wobei jede Etappe am Ende noch einen Endgegner zu bieten hat. Erst wenn der auf der Strecke geschlagen wurde, geht es in die nächste Runde.

Da sich bis zu 20 Fahrzeuge auf der Strecke tummeln, ist Blur unübersichtlich. Angesichts der Masse an gleichzeitig stattfindenden Attacken und Explosionen ist es oft nicht einfach, sich auf das Renngeschehen zu konzentrieren. Vor allem im Karrieremodus kann das zu frustrierenden Situationen führen, wenn kurz vor Rennende alles verloren geht, weil zu viele Attacken seitens der KI einen Erfolg vereiteln. Einsteiger sollten sich zunächst für den niedrigsten der drei Schwierigkeitsgrade entscheiden und später die schwierigeren Stufen wählen.

Blur legt großen Wert auf die Mehrspielerkomponente: Duelle via Splitscreen an einer Konsole sind möglich. Besser gelungen ist allerdings die Onlineanbindung mit ihren zahlreichen Ranglisten und Herausforderungen gegen menschliche Mitspieler sowie der Möglichkeit, Fotos und Nachrichten zu verschicken.

Grafik wie auf Hochglanz poliert

Optisch macht Blur einen überzeugenden Eindruck. Trotz zahlloser Effekte und detailgespickter Strecken ist das Geschwindigkeitsgefühl überzeugend, die Ladezeiten sind erträglich. Bizarre Creations gelingt es zudem, das Spiel gekonnt zu inszenieren: Zwischensequenzen und Menüs sind äußerst stilvoll ausgefallen.

Blur ist für Playstation 3, Xbox 360 und Windows-PC verfügbar und kostet etwa 60 (Konsole) beziehungsweise 50 Euro (PC). Die Grafik der beiden Konsolenversionen ist praktisch gleich. PC-Spieler benötigen Windows XP, Vista oder 7. Der Prozessor muss mindestens mit 3,4 GHz getaktet sein, der Arbeitsspeicher über 2 GByte RAM verfügen. Die Grafikkarte muss 256 MByte Speicher haben und Shader Model 3.0 und DirectX 9.0c unterstützen. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 14 GByte. Die USK hat dem Spiel eine Freigabe ab zwölf Jahren erteilt.

Fazit

Die Idee, ein Rennspiel mit Powerups zu verbinden oder Autos mit Waffen auszurüsten, ist nicht neu. Umso überraschender ist, wie gekonnt die Entwickler dieses Prinzip in Blur umgesetzt haben: Beide Elemente funktionieren für sich allein genommen ebenso hervorragend wie in Kombination. Einerseits ist der Titel ein leicht zugängliches, gut zu bedienendes Rennspiel mit abwechslungsreichen Kursen und unzähligen wunderschönen Autos. Gleichzeitig funktioniert aber auch der Actionteil erstklassig: Die Powerups erlauben taktisches Vorgehen ebenso wie wilde Zerstörungsorgien.

Vor allem aber überzeugt, dass es dem Programm gelingt, die Motivationskurve auch nach mehreren Stunden nicht abfallen zu lassen: Die Jagd nach immer neuen Strecken, Fans und Autos im Karrieremodus, aber auch die zahllosen Möglichkeiten in Onlinewettkämpfen sorgen dafür, dass Rennspielfans in den nächsten Wochen kaum Grund haben werden, Blur wieder aus dem Laufwerk zu holen.  (tw)


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