Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75391.html    Veröffentlicht: 27.05.2010 12:14    Kurz-URL: https://glm.io/75391

Suizidserie

Ein neues Opfer bei Foxconn (Update)

Die Suizidserie bei Foxconn ist nicht beendet. In der letzten Nacht nahm sich ein junger Mann das Leben. Nach Apple kündigten nun weitere westliche Partner des Auftragsherstellers eigene Untersuchungen an.

Am 26. Mai 2010 hat sich erneut ein Fabrikarbeiter bei dem Auftragshersteller Foxconn von einem Firmengebäude in Shenzhen in den Tod gestürzt. Der 23-jährige He, von dem nur der Familienname bekannt ist, stammte aus der nordwestlichen Gansu-Provinz. Er war seit 18. Juni 2009 bei Foxconn unter Vertrag.

Eine erste Untersuchung der Polizei bestätigte, dass es sich um eine Selbsttötung handelte, berichtet die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Augenzeugen hätten den Sprung des jungen Mannes vom Balkon des siebten Stock eines Bettenhauses beobachtet. He ist das zehnte Opfer einer Serie von Suiziden bei dem Unternehmen, das für Amazon, Apple, Dell, Hewlett-Packard, Intel, Microsoft, Nintendo und Sony Elektronikgeräte herstellt. Zwei weitere Foxconn-Arbeiter hatten versucht, sich das Leben zu nehmen.

Einige Stunden vor dem Tod des jungen Arbeiters hatte Konzernchef Terry Gou das Unternehmen gegen Vorwürfe verteidigt, Ursache der Suizide seien unmenschliche Arbeitsbedingungen. Gou ist der drittreichste Mann Taiwans, sein Vermögen wird auf 6 Milliarden US-Dollar geschätzt.

"Generell steigt die Suizidrate, wenn in einer Gesellschaft das Bruttoinlandsprodukt ansteigt", sagte Gou, der im Helikopter zu einem Treffen mit 200 Reportern angereist war, die er durch eine Fabrik führte. Gou war von Leibwächtern umringt. Er sagte, er habe mit Psychologen gesprochen, die ihm versichert hätten, dass die Selbsttötungsrate bei Foxconn weit unter dem Landesdurchschnitt liege.

Allen Arbeitern waren laut einem Bericht der South China Morning Post Selbstverpflichtungserklärungen vorgelegt worden, nach denen sie zusichern mussten, sich nicht selbst zu töten. Die Familien dürften im Suizidfall keine finanzielle Entschädigung einfordern. Gou entschuldigte sich für diese Praxis und sicherte zu, diese Erklärungen nicht mehr zu verwenden.

Apple, Hewlett-Packard und Dell haben erklärt, sie wollten die Lage bei der Firma untersuchen. Die Arbeiter bei Foxconn klagen über harte Arbeitsbedingungen: Eine 21-Jährige hatte von 12-Stunden-Schichten in einer Sechs-Tage-Woche berichtet. Nach ihren Angaben dürfen die Arbeiter während der Schicht nicht miteinander sprechen.

Nachtrag vom 27. Mai 2010, 13:56 Uhr:

Nach dem Tod des jungen Mannes soll heute eine weitere Arbeiterin nach einem Sturz von einem Foxconn-Hochhaus gestorben sein, berichtet die taiwanische IT-Branchenzeitung Digitimes. Die Nachricht sei jedoch noch nicht offiziell bestätigt, hieß es.  (asa)


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