Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75372.html    Veröffentlicht: 26.05.2010 18:21    Kurz-URL: https://glm.io/75372

Foxconn

12-Stunden-Schichten und Sprechverbot

Sprechverbot, 12-Stunden-Tag, Sechs-Tage-Woche und strenge Vorarbeiter: So sieht der Alltag einer jungen Arbeiterin in einer Fabrik von Foxconn aus, wo Apple, Intel, Hewlett-Packard, Dell, Nintendo, Microsoft und Amazon ihre Elektronikprodukte herstellen lassen.

Eine Arbeiterin bei Foxconn berichtet von den Arbeitsbedingungen bei dem Auftragselektronikhersteller, der wegen einer Suizidserie unter den Arbeitern unter Druck steht. Die 21-jährige Frau werde in der Fabrik des taiwanischen Herstellers aufgefordert, an sechs Tagen in der Woche von 08:00 Uhr morgens bis 20:00 Uhr abends zu arbeiten, erklärte sie der South China Morning Post. Die in der Sonderwirtschaftszone erscheinende Zeitung ist der staatlichen Zensur in China nur in geringem Maße unterworfen.

"Die Atmosphäre am Arbeitsplatz ist eng und bedrückend, über 12 Stunden ist es uns nicht erlaubt, miteinander zu sprechen, sonst wirst du vom Vorarbeiter getadelt. Sie gewähren uns nur 30 Minuten für das Mittagessen und wir dürfen nicht länger als zehn Minuten zur Toilette gehen", so die Arbeiterin.

Die junge Frau berichtet, dass sie täglich um 06:30 Uhr aufstehen muss. Weil es keinen Shuttlebus gibt, folgt ein einstündiger Fußmarsch zum Arbeitsplatz. "Du musst damit rechnen, täglich immer wieder namentlich herausgegriffen und beschämt zu werden, völlig ohne jeden Respekt, falls du nicht all ihre Bestimmungen strikt einhalten kannst", sagte sie der Zeitung.

Eine 22-jährige Foxconn-Arbeiterin berichtet, die Fließbänder mit den Mainboards, die sie prüft, liefen sehr schnell. Ihr Verdienst inklusive Überstundenzulagen liege bei 2.000 Yuan (240 Euro) im Monat. Die Bezahlung sei jedoch pünktlich, Mahlzeiten und eine Übernachtungsmöglichkeit seien inbegriffen. "Mein Leben ist dennoch leer und ich arbeite wie eine Maschine", sagte sie der Zeitung.

In anderen Fabriken seien die Arbeitsbedingungen meist noch härter, weshalb sich stets Tausende um einen Job bei Foxconn bewürben, erklärten Menschen, die beim Foxconn-Personalbüro in der Warteschlange standen, der Zeitung. Bei anderen Unternehmern müssten die Arbeiter oft damit rechnen, dass die Chefs sich am Zahltag davonmachten.

Fan Fumin, ein Psychologe an der Tsinghua University, der die Foxconn-Fabriken in Shenzhen in diesem Monat besichtigt hat, sagte der Zeitung, die Suizidrate liege noch weit unter dem Landesdurchschnitt. 16 von 100.000 Menschen aus der Gesamtbevölkerung nähmen sich nach statistischen Angaben des Gesundheitsministeriums jährlich das Leben. Foxconn hat in Shenzhen 400.000 Beschäftigte, darunter sehr viele junge Menschen.  (asa)


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