Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75358.html    Veröffentlicht: 26.05.2010 12:15    Kurz-URL: https://glm.io/75358

Suizidserie

Apple will Auftragshersteller Foxconn überprüfen

Wegen vieler Suizide hat Apple eine unabhängige Überprüfung seines Auftragsherstellers Foxconn angekündigt. Bei Foxconn werden iPhones und Macbooks produziert.

Apple will überprüfen, was sein Auftragshersteller Foxconn unternimmt, damit es nicht noch mehr Suizide von Arbeitern in den Foxconn-Fabriken in China gibt. Das teilte Apple-Sprecher Steve Dowling US-Medien mit. "Wir sind traurig und betroffen von den jüngsten Suiziden bei Foxconn. Ein Team von Apple ist dabei, unabhängig zu bewerten, welche Schritte dort unternommen werden, um auf diese tragischen Ereignisse zu reagieren. Und wir werden unsere laufenden Inspektionen der Anlagen fortsetzen, in denen unsere Produkte hergestellt werden", sagte er.

"Apple fühlt sich zutiefst verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Bedingungen in unserer gesamten Lieferkette sicher sind und dass die Arbeiter mit Respekt und Würde behandelt werden", heißt es in der Erklärung von Dowling. "Wir stehen in direktem Kontakt mit Foxconns Geschäftsleitung. Wir glauben, dass sie diese Angelegenheit sehr ernst nehmen."

Das letzte Opfer war der 19-jährige Arbeiter Li Hai gewesen. Er stürzte am Morgen des 25. Mai 2010 um 06:30 Uhr aus dem Fenster eines Firmengebäudes. Die Zahl der Suizide bei Foxconn Electronics ist damit in diesem Jahr auf acht gestiegen, dazu kommen zwei versuchte Selbsttötungen. Andere Medien berichten von neun Suizidtoten. Alle Opfer waren Arbeiter in den Foxconn-Fabriken in China.

Foxconn (Hon Hai Precision Industry) ist der weltgrößte Auftragshersteller für Elektronik mit 800.000 Beschäftigten, die meisten davon in China. Einer der Auftraggeber Foxconns ist Apple. Foxconn produziert aber auch Motherboards für Intel, Notebooks für Hewlett-Packard und Dell, die Spielekonsolen Playstation für Sony, Wii für Nintendo und Xbox 360 für Microsoft und den Kindle für Amazon.

Firmengründer und Aufsichtsratschef Terry Gou führte heute überraschend eine Gruppe von Journalisten über das sonst stark abgesicherte Fabrikgelände in Shenzhen, wo 300.000 Menschen beschäftigt werden. Der taiwanische Konzern ist dafür bekannt, Anfragen der Medien nicht zu beantworten. Gou forderte zur Zurückhaltung in der Berichterstattung auf. "Die Medienberichte tragen dazu bei, dass die Suizide unter diesen jungen Menschen, die gerade erst auf den Arbeitsmarkt gekommen sind, weiter gehen", sagte Gou.

Apple hat bei seinen Auftragsherstellern, die sich meist in China befinden, Mindeststandards gegen besonders unmenschliche Arbeitsbedingungen erlassen. Zulässig sind nach den Richtlinien des US-Konzerns die 60-Stunden-Woche und Mindestlöhne von 86 Euro im Monat.  (asa)


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