Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75314.html    Veröffentlicht: 24.05.2010 20:37    Kurz-URL: https://glm.io/75314

Sigint 2010

Hackerkonferenz ohne Chaos

Die Sigint 2010 hat Hacker, Netzbewohner und Aktivisten nach Köln gelockt. Im Vergleich zum Chaos Communication Congress ist das eine eher beschauliche Konferenz, die ihren Platz noch finden muss. In ihrem zweiten Jahr zeigte sie aber durchaus Potenzial.

Zuweilen wirkt die Signal Intelligence oder kurz Sigint wie eine kaum besuchte Veranstaltung. Zumindest im Vergleich mit dem großen Chaos Communication Congress (C3), der jeweils zwischen den Jahren in Berlin stattfindet und bei dem selbst in den Pausen Gedränge herrscht. Auf der Sigint 2010 war es hingegen mit 700 Konferenzteilnehmern angenehm ruhig. Es gibt echte Pausen, denn wer aus den Gebäuden des Kölner Mediaparks geht, hat bis auf gelegentlich zu hörende Güterzüge wirklich Ruhe. Eine Hackerkonferenz ganz ohne Chaos.

Dass die Sigint so klein ist, hat auch den Vorteil, dass die Hektik fehlt. Es war mehr Raum für spontane Workshops wie das Organisationstreffen zur kommenden EU-Volkszählung. Und nach den Vorträgen über Zensurmaßnahmen, Netzpolitik und Datensicherheit ging die Diskussion vor der Tür noch weiter. Außerdem haben die Veranstalter immer wieder Vorträge bei Bedarf etwas länger laufen lassen. Dafür fehlte aber größtenteils das internationale Flair des C3. Nur wenige Vorträge wurden in englischer Sprache gehalten, obwohl auch ein paar nicht deutschsprachige Gäste angereist waren.

Veranstaltung kann noch wachsen

Insgesamt wurde auf der Abschlussveranstaltung Zufriedenheit verbreitet. Die rund 700 Besucher schauten sich 76 Vorträge an, die innerhalb der nächsten Wochen auch als Download verfügbar sein sollen. Ein Dokumentationsteam hat viele Beiträge mitgefilmt und hofft, dass innerhalb von zwei Wochen die Videos auf media.ccc.de hochgeladen werden können. Das Programm bestand allerdings zum Teil aus Vorträgen, die ältere Themen anschnitten. Die großen Vorträge eines C3s waren selten und Livestreams fehlten. Ein Sponsor, der dies durch seine Unterstützung ermöglicht hätte, wäre zwar vorhanden gewesen. Die Veranstalter entschieden aber gegen Nokia als Geldgeber für die Sigint, da das Unternehmen in anderen Ländern am Aufbau von Zensurinfrastruktur beteiligt ist.

Die junge Signit hat Potenzial, auch durch ihr großes Einzugsgebiet. Immerhin findet sie in der viertgrößten deutschen Stadt statt, die zudem von zahlreichen weiteren Großstädten umringt ist. Noch muss sich die Konferenz aber etablieren und dazu muss am Programm gefeilt werden. Auch ein bisschen mehr Hektik könnte der Sigint guttun, solange sie nicht wie der vergangene 26C3 aus allen Nähten platzt.  (ase)


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