Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75281.html    Veröffentlicht: 21.05.2010 12:16    Kurz-URL: https://glm.io/75281

Mint 9 im Test

Frisches Ubuntu-Linux mit eigenen Werkzeugen

Linux Mint alias Isadora ist in der Version 9 erschienen. Isadora basiert auf Ubuntu 10.04 und bietet nicht nur für Einsteiger eine weitgehend stressfreie Installation und Konfiguration. Zahlreiche eigene Werkzeuge helfen bei der Systempflege.

Die aktuelle Version 9 des Ubuntu-Derivats Linux Mint basiert auf der LTS-Version (Long Term Support) Ubuntu 10.04. Wie sein Vorbild soll Linux Mint drei Jahre lang mit Updates versorgt werden, bevor ein Upgrade auf eine aktuellere Version fällig wird. Linux Mint weicht aber sonst teilweise erheblich von seinem Vorbild ab: Der Mint-Desktop unterscheidet sich mit seinem frischen Grün nicht nur optisch von Lucid Lynx, sondern bringt auch gleich ein eigenes Startmenü mit.

Wie Ubuntu bietet Linux Mint 9 aktuelle Versionen des Linux-Kernels sowie des Gnome Desktops. Neben den üblichen aktuellen Desktopprogrammen wie dem Büropaket Openoffice.org in Version 3.2, dem Browser Firefox in Version 3.6.3 und dem E-Mail-Client Thunderbird 3.0.4 haben die Entwickler auch die Bildbearbeitung Gimp 2.6 integriert.

Guter Start mit praktischem Menü

Das Startmenü bietet neben den üblichen Verknüpfungen zu den Programmen und Systemeinstellungen auch eine Filterfunktion, über die schnell nach Anwendungsstartern gesucht werden kann. Neu ist das nicht: Schon Opensuse hat ein ähnliches Startmenü für seinen Gnome-Desktop gebracht, doch diese Funktion erweist sich als äußerst praktisch - vor allem wenn viele zusätzliche Programme aus der reichhaltigen Softwarepalette aus dem Internet nachinstalliert wurden.

Standardmäßig zeigt das Startmenü in der Favoriten-Liste die gängigsten Anwendungen an, per Kontextmenü können weitere Einträge aus dem Menü dorthin verfrachtet werden. Mit einem einfachen Mausklick kann das Menü reduziert werden, etwa um nur Anwendungen anzuzeigen.

Minzige Eigenheiten

Die überarbeitete Version des Mint-eigenen Softwaremanagers besteht aus einigen Komponenten aus seinem Ubuntu-Vorbild Softwarecenter und aus dem Programm Gnome-App. Der Hauptbestandteil der Anwendung stammt allerdings aus einer früheren Version der Software. Der Softwaremanager zeigt nicht nur verfügbare Software übersichtlich in Kategorien an, sondern bietet auch detaillierte Informationen zu den einzelnen Anwendungen. Wer früher mit dem Apt-Frontend Synaptic vertraut war, findet es unter Linux Mint 9 weiterhin.

Der Updatemanager stammt ebenfalls aus eigener Herstellung, er zeigt eventuell verfügbare Updates in der Symbolleiste an. Mints Updatemanager gibt sich übersichtlich, ist dabei aber optionsreicher als sein Pendant unter Ubuntu. Gut gefallen hat uns die Wertung der verfügbaren Updates nach ihrer Wichtigkeit.

Neue Desktopverwaltung

Auch das Konfigurationswerkzeug für den Desktop wurde neu gestaltet und bietet eine Option, die Fensterschaltfläche wahlweise links oder rechts zu platzieren. Standardmäßig sind sie bei Linux Mint weiterhin rechts in der Titelleiste zu finden - anders als in der neuen Ubuntu-Version.

Für die Datensicherheit hat das Linux-Mint-Team um Clement Lefebvre ebenfalls ein eigenes Programm geschrieben, das in dieser Version sein Debüt feiert. Das Backupprogramm erstellt Datensicherungen von beliebigen Verzeichnissen, etwa dem Home-Verzeichnis. Nach der ersten Sicherung erfolgen die nächsten Backups inkrementell. Zusätzlich speichert die Anwendung auch eine Liste aller durch den Anwender nachträglich installierten Software. Nach einer Neuinstallation kann das Programm mit der Liste gefüttert werden und die Nachinstallation sämtlicher Anwendungen in einem Rutsch erledigen.

Multimedia Out-Of-The-Box

Eine weitere Besonderheit gegenüber Ubuntu ist die Integration von Codecs und weiteren Multimediabibliotheken. Das ermöglicht dem Anwender das sofortige Abspielen von fast allen Musik- und Videoinhalten ohne eine mühsame Nachinstallation teilweise kryptischer Softwarepakete. Linux Mint ist auch deswegen einer Erhebung der Webseite Distrowatch zufolge eine der beliebtesten Linux-Distributionen. Das Abspielen von Flash-Videos im Browser und von Musiktiteln im MP3-Format klappte auf Anhieb. Lediglich die in vielen Ländern aus Kopierschutzgründen nicht erlaubte Libdvdcss-Bibliothek zum Abspielen von Film-DVDs fehlt bei Linux Mint.

Fazit

Die eigenen Werkzeuge der Linux-Distribution können weitgehend überzeugen. Vor allem das übersichtlich gehaltene Backupwerkzeug mit der Möglichkeit, installierte Software zu archivieren, ist eine pfiffige Idee.

Linux Mint gibt sich wie gewohnt anwenderfreundlich und communityorientiert. Mit den zahlreichen Extras kann sich die Linux-Distribution zu Recht unter den beliebtesten platzieren. Dank bereits enthaltener Codecs nimmt Linux Mint Einsteigern die Hürde, sie mühsam nachzuinstallieren. Aber auch fortgeschrittene Benutzer können sich über das ausgereifte Linux Mint freuen.

Linux Mint steht als 32- oder 64-Bit-Version als installierbare Live-CD zum Download zur Verfügung. Zusätzlich liegt auch eine DVD-Variante vor, die Pakete wie Java, die Videoplayer VLC oder den Samba-Server mitbringt. Für Hardwarehersteller, die Linux-Mint vorinstalliert auf ihren Geräten ausliefern möchten, bietet das Mint-Team auch eine OEM-Version.  (jt)


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