Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75234.html    Veröffentlicht: 20.05.2010 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/75234

Puppy Linux im Test

Lupu mit viel Software

Die aktuelle Version 5 der Linux-Distribution Puppy bringt einen neuen Paketmanager und vor allem Softwarepakete aus Ubuntus Lucid Lynx mit. Das flinke Linux lässt sich mit einfachen Mausklicks nach Belieben ausbauen.

Lupu läuft unter der Versionsnummer 5 der schlanken Linux-Distribution Puppy Linux. Die aktuelle Version wurde von einem Team mit Hilfe der Entwicklungssoftware Woof zusammengestellt. Mit Woof können Puppy-Versionen auch mit Software aus fremden Repositories zusammengestellt werden. Puppy Linux 5 enthält Software aus den Ubuntu-Repositories, genauer aus denen der aktuellen Ubuntu 10.04 alias Lucid Lynx. Das Entwicklerteam um Puppy-Gründer Barry Kauler, Larry Short und Mick Amadio taufte das neue Welpen-Linux Lucid Puppy, abgekürzt Lupu.

Schlank, vielseitig und anspruchslos

Lupu läuft auf dem Linux-Kernel 2.6.32-21 und startet standardmäßig den Desktop mit JWM (Joes Window Manager), der eine ressourcenschonende Fensterverwaltung bietet. Alternativ bietet Lupu auch IceWM an. Die entsprechende Ergänzung "pfix=nox" im Bootmanager der Distribution vorausgesetzt, startet Lupu lediglich in die Konsole und kann zur Datenrettung eingesetzt werden.

Beide Window-Manager sind nicht nur von der Datenmenge her übersichtlich, sondern schonen auch die Grafikkarte und den Arbeitsspeicher. Mit etwas mehr als 128 MByte Größe kann Lupu auch auf Rechnern mit 256 MByte RAM komplett in den Arbeitsspeicher geladen und von dort aus genutzt werden. Als Prozessor sollte dann allerdings mindestens eine 1-GHz-CPU im Rechner eingebaut sein.

Schnell installiert

Dank aktuellem Kernel läuft Puppy auf so ziemlich allen Grafikchipsätzen, Installer für proprietäre Treiber liegen der Distribution bei, die allerdings erst nach der Installation von Lucid Puppy auf einem persistenten Medium verwendbar sind. Der Installer verfrachtet Lupu in wenigen Minuten auf USB-Sticks oder -Festplatten, Flash-Karten oder so ziemlich jedes denkbare Speichermedium, das der Linux-Kernel erkennt. Mit einem persistenten Home-Verzeichnis können sowohl persönliche Einstellungen und Daten als auch installierte Software über einen Neustart hinaus gespeichert werden.

Nach dem Start grüßt Lupu mit einem Konfigurationsdialog, in dem Spracheinstellungen und Tastaturlayout sowie die Bildschirmauflösung angepasst werden können. Die Spracheinstellungen rüsten aber keine Sprachpakete nach, die Programme und die Oberfläche bleiben in englischer Sprache. Neu ist auch das Konfigurationswerkzeug für den Netzwerkzugang "Simple Network Setup", das von Kauler beigesteuert wurde. Lupu versucht nicht gleich beim Start eine Netzwerk-Verbindung herzustellen und verhält sich damit anders als die meisten Distributionen, was etwas irritierend ist.

Lucid Puppys Anwendungen

Lupu baut nicht nur auf Programmpaketen aus Ubuntus aktueller Version auf, sondern bietet diese auch zur Installation an. Nagelneu ist der praktische und übersichtliche Paketmanager Quickpet 2.0, der ausgewählte Software zur Installation mit nur einem Mausklick anbietet, darunter die Browser Chromium, Firefox oder Opera. Standardmäßig liegt der sogenannte Puppy Browser bei, der aus den Chromium-Quellen zusammengestellt wurde. Der Browser gefällt und passt wegen seiner Schlichtheit gut zu dem Mini-Linux. Für E-Mails zeichnet Sylpheed verantwortlich. Internetnachrichten können über das Messagingprogramm Ayttm versendet werden, das unter anderem das Jabber- und IRC-Protokoll beherrscht.

Die Büroarbeit lässt sich mit der Textverarbeitung Abiword und der Tabellenkalkulation Gnumeric erledigen, Termine können mit Osmo verwaltet werden. Für einfache Texte steht der Editor Geany zur Verfügung, PDF-Dateien können mit ePDFView angesehen werden. Wer Openoffice benötigt, kann das Büropaket in der Version 3.2 über den Puppy Package Manager nachinstallieren. Dort lagern alle Pakete, die für Lupu konvertiert wurden und lassen sich per einfachem Mausklick installieren.

Gxine spielt Videodateien ab, für Audiodateien bietet Lupu den Pmusic Audio Player. Darüber hinaus können Audiodateien aber auch mit Pcdripper gerippt und mit MhwaveEdit bearbeitet werden.

Fazit

Positiv hervorzuheben sind die aufgeräumten Konfigurations- und Installationsprogramme. Mit der üppigen Softwareauswahl aus den Ubuntu-Repositories kann Lucid Puppy auch hinsichtlich der Software mit den großen Distributionen mithalten. Der Mangel an deutschen Sprachpaketen für die Benutzeroberfläche trübt diesen guten Eindruck allerdings.

Dennoch beeindruckt die Auswahl an Programmen, die die Entwickler auf nicht einmal 150 MByte zusammengepresst haben. Auch der Desktop ist nicht allzu überfrachtet. Insgesamt macht Lucid Puppy auch in dieser Version einen exzellenten Eindruck.

Lucid Puppy steht auf der Homepage des Puppy-Projekts zum Download bereit.  (jt)


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