Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75232.html    Veröffentlicht: 19.05.2010 14:32    Kurz-URL: https://glm.io/75232

DRAM-Preiskartell

EU bestätigt 331-Millionen-Euro-Strafe

Das DRAM-Preiskartell muss der EU-Kommission über 300 Millionen Euro zahlen. Neun Hersteller hatten zum Schaden der PC-Käufer Speicherchips über vier Jahre lang künstlich verteuert. Doch die Wettbewerbshüter gewährten großzügige Ermäßigungen.

Die EU-Kommission hat heute die Verhängung der Geldstrafen gegen neun Chiphersteller wegen illegaler Preisabsprachen offiziell bestätigt. Insgesamt sollen die Firmen Samsung, Hynix, Infineon, NEC, Hitachi, Mitsubishi, Toshiba, Elpida und Nanya 331 Millionen Euro wegen Bildung eines Preiskartells zahlen.

Das Kartell bestand laut Angaben der EU-Kommission zwischen dem 1. Juli 1998 und dem 15. Juni 2002. Die Kartellmitglieder bauten ein Netz von Kontakten auf, tauschten - zumeist auf bilateraler Ebene - geheime Informationen aus und koordinierten so zum Schaden der Käufer und Computerhersteller die DRAM-Preise für PCs, Server und Workstations.

"Dieser erste Vergleichsbeschluss ist ein weiterer Meilenstein im Kampf der EU-Kommission gegen Kartelle", sagte der Wettbewerbskommissar und Kommissionsvize Joaquín Almunia. "Durch das Eingeständnis ihrer Beteiligung an einem Kartell haben die Unternehmen der Kommission ermöglicht, diese seit langem laufende Untersuchung abzuschließen und Ressourcen für die Untersuchung anderer Verdachtsfälle freizusetzen."

Bei der Geldbuße wurde eine Ermäßigung von 10 Prozent gewährt, da die Unternehmen ihre illegalen Machenschaften einräumten. Micron wurde die Geldbuße sogar vollständig erlassen, da das Unternehmen die Wettbewerbsbehörde als Erstes informiert habe. Zwischen Dezember 2003 und Februar 2006 stellten auch Infineon, Hynix, Samsung, Elpida und NEC Anträge auf Anwendung der EU-Kronzeugenregelung. Die EU gewährte auch hier Ermäßigungen von 45 Prozent für Infineon, 27 Prozent für Hynix und 18 Prozent für Samsung, Elpida und NEC. Aufgrund "mildernder Umstände" wurde die Geldbuße für Hynix um weitere 5 Prozent und die für Toshiba und Mitsubishi um weitere 10 Prozent ermäßigt.

Infineon zahlt eine Strafe von 56,7 Millionen Euro. Ohne die verschiedenen Ermäßigungen hätte der deutsche Konzern der EU 55 Prozent mehr zahlen müssen.  (asa)


Verwandte Artikel:
DRAM-Preisabsprachen: Infineon und acht weitere Hersteller bekennen sich schuldig   
(18.05.2010, https://glm.io/75190 )
Android-Dominanz: EU erwägt angeblich neue Rekordstrafe gegen Google   
(06.07.2017, https://glm.io/128774 )
ARM-SoC-Hersteller: Qualcomm darf NXP übernehmen   
(19.01.2018, https://glm.io/132261 )
EU-Wettbewerbshüter ermitteln gegen Chiphersteller   
(07.01.2009, https://glm.io/64448 )
Kronzeugenregelung: Infineon wirft Samsung Fälschung bei Chips-Kartell vor   
(15.12.2016, https://glm.io/125092 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/