Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75230.html    Veröffentlicht: 19.05.2010 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/75230

Spieletest

Prince of Persia: Die vergessene Zeit - Sand im Getriebe

Er blickt dem virtuellen Tod wieder ins Gesicht: Wenig erfreut war die Actiongemeinde über das letzte Prince-of-Persia-Spiel, weil es nahezu unmöglich war, sein Leben auszuhauchen. Jetzt hat sich Ubisoft auf die alten Mechanismen der Reihe besonnen und den Schwierigkeitsgrad erhöht.

Die Handlung des neuen Prince of Persia ist zwischen The Sands of Time und The Warrior Within angesiedelt. Der Prinz ist auf dem Weg in das Königreich seines Bruders - eigentlich nur, um ihm einen Besuch abzustatten. Bei seiner Ankunft muss er allerdings feststellen, dass das Familienmitglied arge Probleme hat: Nicht nur, dass er sich gerade eines massiven feindlichen Angriffes erwehren muss. Zu allem Überfluss hat er in seiner Verzweiflung auch noch die Sandarmee zu Hilfe gerufen - die seine Lage aber nur noch verschlimmert, weil sie sich gegen ihn richtet.

Was folgt, ist im Grunde typische Prince-of-Persia-Kost aus der Sands-of-Time-Ära: Rätsel lösen, Geschicklichkeitspassagen meistern, kämpfen. Die Rätsel bieten zu Beginn typisches Hebelumlegen oder Zahnradausrichten, verlangen später aber durchaus einiges an Hirnschmalz - und auch richtiges Timing. Manchmal frustrieren sie allerdings, da die Entwickler wenig Hilfestellungen geben und oft ein paar Fehlversuche vonnöten sind, bevor die Lösung gefunden ist.

Ähnliches gilt für die Hüpfmomente. Fiese Fallen, enge Abgründe, das Schwingen von Stange zu Stange und das Langlaufen an Wänden: Wer sich beim letzten Prince of Persia unterfordert fühlte, darf jetzt wieder fluchen, wenn er Sägeblatt oder die Klinge doch zu knapp passieren wollte. Bei Fehlern gibt es zwar die Möglichkeit, die Zeit ein paar Sekunden zurückzudrehen - allerdings ist diese Option nur begrenzt verfügbar, was den Schwierigkeitsgrad merklich erhöht.

Kamera stört Massenschlachten

Insgesamt liegt der Schwerpunkt wieder mehr auf der Action - und hier haben es die Entwickler mit den Gegnermassen teils übertrieben. In vielen Situationen stürzen sich derart viele Kämpfer der Sandarmee auf den Spieler, dass der Titel zu einem plumpen Hack and Slay verkommt. Ungünstige Kamerapositionen und ein paar Ruckler bei den Animationen sorgen zusätzlich dafür, dass der Spielspaß in diesen Momenten abfällt. Immerhin gibt es wieder einige sehenswerte Endgegner zu bestaunen, bei denen mehr Taktik als plumpes Knöpfedrücken gefordert ist.

Darüber hinaus gibt es auch noch ein neues Hilfsmittel, um Kontrahenten, aber auch schwierige Passagen zu meistern - der Prinz kann für begrenzte Zeit die Elemente zu seinen Gunsten nutzen. So dienen Tornados oder Wasserfontänen dazu, Angreifer zurückzuschlagen. Gleichzeitig lässt sich etwa fließendes Wasser in Eis verwandeln: Was gerade noch eine sprudelnde Quelle war, verwandelt sich in eine Stange, an der sich der Prinz entlanghangeln kann.

Technisch hat Die vergessene Zeit einige schöne Szenerien zu bieten, reicht an die Klasse früherer Titel aber nicht ganz heran - an einigen Stellen wird offensichtlich, dass das Spiel rechtzeitig zum Start des Prince-of-Persia-Kinofilms fertig werden sollte und nicht mehr genug Zeit blieb, jedes Detail zu optimieren.

Prince of Persia: Die vergessene Zeit ist für Playstation 3 und Xbox 360 erhältlich. Zudem ist auch eine Wii-Version verfügbar, die sich spielerisch unterscheidet, uns allerdings nicht zum Test vorlag. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten und kostet rund 60 Euro.

Fazit

Prince of Persia besinnt sich spielerisch auf alte Stärken - und den alten Schwierigkeitsgrad. Atmosphäre und Bedienung überzeugen weitgehend. An alte Glanztaten knüpft Die vergessene Zeit trotzdem nur begrenzt an: Vor allem den Kämpfen, die teils zu wilden Massenschlachten ausarten, aber auch der Technik fehlt der letzte Feinschliff. Da hätten ein paar Wochen zusätzliche Entwicklungszeit einiges bewirken können.  (tw)


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