Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75200.html    Veröffentlicht: 18.05.2010 16:44    Kurz-URL: https://glm.io/75200

Festplatten

Seagate will noch 2010 Laufwerke mit 3 TByte vorstellen

Gegenüber einer britischen Webseite bestätigte Seagate, dass das Unternehmen noch im Jahr 2010 die ersten Festplatten mit einer Kapazität von 3 Terabyte auf den Markt bringen will. Diese Geräte laufen aber bei weitem nicht an jedem PC, weil wieder einmal eine Beschränkung der Festplattenadressierung lauert.

Barbara Craig, Produktmanagerin bei Seagate, bestätigte gegenüber Thinq, dass ihre Firma an 3-TByte-Festplatten arbeitet. Diese sollen dem Bericht zufolge Ende des Jahres 2010 auf den Markt kommen, sie sind aber zunächst nur für das professionelle Umfeld vorgesehen.

Der Grund ist die Kombination der bisherigen Sektorgröße, mit der Festplatten seit über zehn Jahren arbeiten, und 32-Bit-Betriebssystemen. Die Sektorgröße der meisten Festplatten beträgt 512 Byte, auch wenn es die ersten "4K-Drives" bereits gibt. Diese arbeiten jedoch nur auf den Scheiben selbst mit 4 Kilobyte großen Sektoren, nach außen setzen sie diese Einheiten in logische 512-Byte-Sektoren um.

Daher sind auch 2 TByte die maximale Größe, die sich mit einem 32-Bit-Betriebssystem und den zugehörigen Treibern ansprechen lassen, denn: 2 ^ 32 x 512 Byte ergibt 2 TByte. Dass diese Beschränkung bei den aktuell als "2-TByte-Festplatten" beworbenen Laufwerken noch nicht groß aufgefallen ist, liegt an der metrischen Zählweise der Festplattenhersteller (Basis 1.000 statt 1.024), die jedoch auch internationale Normungsgremien unterstützen. Die 2-TByte-Laufwerke haben demnach eine Kapazität von zwei Billionen Byte, oder 1.863 GByte.

Was Seagate nun aber als 3-TByte-Laufwerke plant, sprengt die Grenze von 2.048 GByte klar. Eine weitere Fußangel lauert im BIOS der PCs, wenn dort für das "Logical Block Adressing", das alle ATA-Laufwerke einsetzen, nur 32 Bit vorgesehen sind. Damit sind dann wiederum nur 2 TByte ansprechbar, auch wenn LBA eigentlich 48 Bit vorsieht, was für 128 Petabyte ausreichen würde. Die Länge der LBA-Werte fiel schon auf, als Festplatten größer als 128 GByte wurden, weil ursprünglich nur 28 Bit lange Adressen vorgesehen waren. Auch Windows XP sah bis zum Service Pack 2 48-Bit-LBA nicht vor.

BIOS, OS, Controller und Treiber müssen passen

Ob jedoch jedes BIOS auch volle 48 Bit für LBA unterstützt, ist laut Aussagen von Seagate Deutschland gegenüber Golem.de nicht ohne weiteres nachzuprüfen. Wie Seagate weiter mitteilte, konzentriert sich der Hersteller folglich auch auf eine Umsetzung von großen LBA-Adressen auf den BIOS-Nachfolger UEFI. Statt des Master-Boot-Records aus DOS-Äonen kommt dort eine "GUID partition table" (GPT) zum Einsatz, welche dem Rest des Systems viel mehr Informationen über das Laufwerk mitteilen kann.

Zwar hat sich UEFI - außer bei Apple - noch nicht durchgesetzt, aber auch zahlreiche Mainboards, etwa von Asus, Intel und MSI unterstützen die neue Schnittstelle bereits. Ob dabei auch die langen LBA-Werte korrekt umgesetzt wurden, ist aber auch nicht so gewiss: Bisher gab es außer einigen RAID-Boxen keine Geräte, die sich als Laufwerk mit mehr als 2 TByte darstellten. Bei diesen Geräten lauerten zudem auch noch Bugs in Controllern, die nicht nur RAIDs betrafen, und Treiber.

Um herauszubekommen, wie gut 3-TByte-Laufwerke mit UEFI schon funktionieren, will Seagate im Juni 2010 laut Barbara Craig ein "Plugfest" veranstalten. Bei diesen Konferenzen bringen mehrere Hersteller ihre Geräte mit, stecken sie zusammen - daher der Name - und sehen, was passiert. Das ist bei noch nicht angekündigten Produkten oder Prototypen meist sinnvoller, als die Geräte hin- und herzuschicken. Zudem dienen Plugfests auch als Forum für die Entwickler.

Wenn all das erfolgreich verläuft, will Seagate seine 3-TByte-Festplatten Ende 2010 auf den Markt bringen. Weitere Informationen zu den Geräten, etwa ob sie bereits mit 6-GBit-SATA arbeiten, verriet der Hersteller noch nicht. Andere Festplattenhersteller halten sich - vermutlich wegen des 2-TByte-Limits - noch gänzlich bedeckt.  (nie)


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