Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75176.html    Veröffentlicht: 18.05.2010 10:00    Kurz-URL: https://glm.io/75176

Fingerabdruck

Fast jeder Browser ist eindeutig zu identifizieren

Browser hinterlassen weitgehend eindeutige Fingerabdrücke, anhand derer sie sich auch ohne Cookies eindeutig identifizieren lassen, das ergab eine Untersuchung der Electronic Frontier Foundation (EFF). Nutzer, die Flash blockieren oder den eigenen User-Agent fälschen, lassen sich besonders gut wiedererkennen.

Browser lassen sich anhand der von ihnen übermittelten Systemkomfiguration recht zuverlässig wiedererkennen, dies belegt die Untersuchung How Unique Is Your Web Browser? der EFF. Im Experiment mit 470.161 Nutzern wiesen 83,6 Prozent der verwendeten Browser einen eindeutigen Fingerabdruck auf. Weitere 5,3 Prozent kamen nur zweimal vor.

Unter den Browsern, die mit Adobe Flash oder Javascript ausgestattet waren, stieg die Rate auf 94,2 Prozent, wobei weitere 4,8 Prozent genau zweimal vorkamen. Nur 1 Prozent der Nutzer ging in einer größeren Masse unter.

Auch bei Veränderungen an der Systemkonfiguration ließen sich die Browser recht zuverlässig wiedererkennen. Unter den per Cookie identifizierbaren Teilnehmern des Experiments änderte sich bei 37,4 Prozent der Fingerabdruck mit der Zeit. Doch mit einem einfachen Algorithmus sei es gelungen, einen Browser in 99,1 Prozent aller Fälle wiederzuerkennen. Die Fehlerquote lag gerade einmal bei 0,87 Prozent.

Für die Fingerabdrücke nutze die EFF Daten wie den vom Browser übermittelten User-Agent, die per HTTP übermittelten ACCEPT-Header, die Cookie-Akzeptanz sowie die per Javascript auslesbare Bildschirmauflösung, Zeitzone und die installierten Browser-Plugins. Per Flash oder Java-Applet wurden die Systemschriften abgefragt und per Javascript auf Supercookies getestet. Der Test dazu steht weiterhin unter panopticlick.eff.org im Netz bereit.

Bei dem Experiment zeigt sich zudem, dass manche Methoden zur Steigerung der Privatsphäre kontraproduktiv wirken und die Erkennung eines Browsers anhand seines Fingerabdrucks vereinfachen. Als Beispiele führt die EFF Flash-Blocker und veränderte User-Agent-Strings an. Das gelte zumindest so lange, bis sehr viele Nutzer diese Methoden nutzen. Unter den Teilnehmern an dem Experiment waren sieben, die die Browsererweiterung Browzar nutzten, um ihre Privatsphäre zu verbessern. Doch alle sieben konnten eindeutig am Fingerabdruck des Browsers identifiziert werden.

Browser, die Javascript blockieren, waren schwieriger wiederzuerkennen und auch einige Browsererweiterungen würden die Erstellung von Browserfingerabdrücken erschweren, so die EFF. Insgesamt aber sei es schwer, einen Browser so zu konfigurieren, dass er schwieriger zu identifizieren ist. Daher sei es an den Browserherstellern, dafür zu sorgen, dass ihre Browser die Privatsphäre ihrer Nutzer besser schützen.

Darüber hinaus müsse die Diskussion um Datenschutz im Netz, die sich derzeit vor allem um IP-Adressen und Cookies drehe, auf Browserfingerabdrücke erweitert werden.

Ihre Studie will die EFF im Juli auf dem Privacy Enhancing Technologies Symposium (PETS 2010) in Berlin vorstellen.  (ji)


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