Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75144.html    Veröffentlicht: 19.05.2010 12:14    Kurz-URL: https://glm.io/75144

Aspire 1825PTZ im Test

Acers Einstiegstablet mit wegdrehbarer Tastatur

Ein Tablet-PC mit Tastatur für 600 Euro? Das Aspire 1825PTZ Timeline ist ein solches Gerät und bietet einen Einstieg in die Welt der Tablet-PCs. Doch Käufer müssen bei dem günstigen Gerät einige Kompromisse eingehen.

Acers Aspire 1825PTZ ist etwas Seltenes im Notebookmarkt. Es handelt sich um einen nur 600 Euro teuren Tablet-PC in Convertible-Ausführung: Das Display lässt sich also umdrehen und auf die Tastatur legen, so dass anschließend nur mit dem Display gearbeitet werden kann. Acer vermarktet diese Konstruktion unter dem Begriff Rotatable. Normalerweise blättert ein Kunde für einen ordentlichen Convertible fast das Dreifache hin. Im Unterschied zu Convertibles, die auf Intels Atom-Plattform aufsetzen, wie etwa Asus' T91, verspricht Acers Gerät dank des verbauten CULV-Prozessors mehr Rechenleistung.

Ausstattung

Im 1825PTZ findet sich typische CULV-Hardware, also ein Ultra-Low-Voltage-Prozessor für Consumer. Unser Testmuster war mit einem Pentium Dual-Core SU4100 (Codename Penryn) ausgestattet. Er unterscheidet sich vom ebenfalls verfügbaren Core 2 Duo SU7300 in wenigen Punkten wie etwa der Cache-Größe. Das Wichtige sind die zwei Kerne, die mit 1,3 GHz getaktet sind. Im Prinzip werden diese CPUs etwas höher getaktet für sehr teure Subnotebooks genutzt. Der Arbeitsspeicher des Testgeräts, das Acer gestellt hat, liegt bei 4 GByte. Außerdem ist eine 2,5-Zoll-Festplatte mit 320 GByte (5.400 U/min) verbaut.

Das 11,6-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln ist berührungsempfindlich. Anders als beim lang angekündigten Vorgänger 1820PT, der nur in sehr geringen Stückzahlen ausgeliefert wurde, arbeitet das Display der 1825er Serie mit einem kapazitiven statt resistiven Panel, das leider spiegelt. Ein Stift, der mit kapazitiven Displays arbeitet, liegt nicht bei. Beim resistiven Modell war das noch der Fall. Selbst wenn der Stift dabei wäre, der mit diesem Panel funktioniert: Ein Schwebezustand (hover) wie bei Mäusen wäre nicht möglich. Entweder drückt der Finger auf das Display oder er tut es nicht. Das schränkt die Benutzbarkeit ein wenig gegenüber teuren Dual-Digitizern ein, die mit einem Stift ausgeliefert werden, der bereits in der Nähe des Displays aktiviert wird und so wie eine Maus genutzt werden kann.

Von den Leistungsdaten her klingt das ausreichend. Das Tablet bietet die Geschwindigkeit von ULV-Subnotebooks aus dem Jahr 2007 und ist damit deutlich schneller als Netbooks. Doch bei einem Tablet-PC kommt es auf die Konstruktion an.

Konstruktion: Probleme mit der Gewichtsverteilung

Eines vorweg: Das Aspire 1825PTZ ist kein Business-Tablet. Wer schon mit einem Profigerät arbeiten konnte, wird beim ersten Anblick enttäuscht: eine glänzende Deckeloberfläche und ein spiegelndes Display. Und anders als bei Profitablets muss der Anwender mit dem Aspire 1825PTZ vorsichtig umgehen.

Das Gelenk, Dreh- und Angelpunkt eines jeden Convertibles, hinterlässt keinen robusten und häufig belastbaren Eindruck. Es knarzt, ist bei der Arretierung nicht präzise und hält das Display vor allem im Slate-Modus nicht fest genug. Da hilft auch der kleine, magnetische Verriegelungsstift nicht, der sich von der Handballenauflage in den Displaydeckel schieben soll. Es wackelt trotzdem. Und wer das Notebook mit etwas Schwung hochnimmt, wird das Display nach hinten klappen sehen. Es ist zu befürchten, dass das Gelenk mit zunehmender Benutzung zusätzlich an Halt verliert.

Im Arbeitsalltag ist aber auch die Gewichtsverteilung entscheidend. Der schwere Akku sitzt beim Acer-Tablet hinten, was spürbar ist, wenn das Notebook an der Handballenauflage gegriffen wird. In normaler Notebookposition auf dem Schoß neigt das 1825 dazu, nach hinten umzukippen, vor allem wenn das Display etwas weiter aufgeklappt wird, was wegen der Spiegelung des Displays häufiger notwendig ist. So war es auch beim Test in der S-Bahn: Da die Beine beim Sitzen nicht komplett in der Waagerechten sind und wegen Spiegelungen der Raumbeleuchtung das Display etwas weiter aufgeklappt werden musste, machte Acers Rotatable fast einen Abgang. Das Notebook muss also immer festgehalten werden.

Die schlechte Gewichtsverteilung hat auch Nachteile, wenn das Gerät zum Slate konvertiert ist. Der Griff am Akku ist wesentlich angenehmer als das Greifen an der dünnen Stelle des Notebooks. Andere Tablets machen das besser, fühlen sich angenehmer an, allerdings zu einem deutlich höheren Preis.

Ungewöhnlich eng sind die USB-Schnittstellen geraten - die Buchse an sich ist damit gemeint. Eingesteckte Sticks sitzen vor allem an der rechten Seite so fest, dass unser Corsair Flash Voyager beim Abziehen seine Gummihülle verlor und leichten Schaden nahm. Alle ausprobierten Sticks saßen beim Abziehen zu fest.

Theoretisch eine nette Idee ist der Lagesensor des Notebooks. Im Slate-Modus bestimmt die Lage des Geräts die Ausrichtung des Bildschirms. Doch leider dauert die Umschaltung unter Windows eine gefühlte halbe Ewigkeit. Das ist allerdings kein Problem von Acers Tablet, sondern eines von Microsoft.

Touchscreen & Tastatur

Acers Touchscreen spiegelt, Fettabdrücke sind also garantiert. Auf dem glatten Display bleibt der Finger ab und zu hängen, was bei anderen berührungsempfindlichen Displays nicht der Fall ist. Ansonsten funktioniert das Panel gut. Das Display erkennt zwei Finger gleichzeitig, das reicht für die virtuelle Tastatur.

Die Bedienung mit den Fingern macht Spaß. Ob in Office 2007 oder im Browser: Um Kleinigkeiten zu erledigen, reicht der Touchscreen aus. Auch das Bestätigen von Dialogen gelingt schneller als etwa mit dem Touchpad. Es bleiben aber die üblichen Schwächen von Windows. Das Betriebssystem setzt an vielen Stellen pixelgenaues Treffen von Schaltflächen voraus, was den Spaß etwas mindert. Im schlimmsten Fall ist die Trefferzone nur 2 x 2 Pixel groß.

Mit der Tastatur tippt es sich angenehm, die Tasten sind gut geführt und leise. Dass die Raute- und Plus-Tasten etwas kleiner sind, stört kaum. Einzig etwas besser hervorgehobene Cursor-Tasten hätten wir uns gewünscht. Sie haben nur die halbe Höhe normaler Tasten. Kritik muss sich Acer bei den Mausersatztasten gefallen lassen. Diese sind nicht einzeln ausgeführt, sondern nur eine Wippe. Es ist also nicht einfach, die linke oder rechte Maustaste zu erfühlen, da in der Mitte eine markante Stelle fehlt.

Software

Acer installiert viel Software auf dem Gerät. Das erste, was der Anwender tun sollte, ist aufräumen. Zum Glück verlangsamen die Softwarebeigaben das System nicht zu sehr. Die Deinstallation ist aber schon aufgrund der Masse eine zeitraubende Arbeit.

Mit dabei ist auch eine Touch-Oberfläche von Acer mit dem Namen Touchportal. Damit lässt sich zum Beispiel Musik abspielen. Sie wird auf dem Desktop in der rechten oberen Ecke aktiviert. Doch das Touchportal wirkt wie ein unnützer Aufsatz: Einige Anwendungen für Acers Touchportal sind nicht multitouchtauglich oder sie öffnen nur andere Anwendungen. Obendrein wird die Bildschirmrotation, die das Gerät bietet, im Touchportal deaktiviert. Da ist es sinnvoller, eigene Verknüpfungen auf den Desktop zu legen, denn sie lassen sich besser mit dem Finger treffen.

Laufzeit und Benchmarks

Wer lange mit einem günstigen Gerät arbeiten möchte, liegt bei dem Tablet richtig. Wir haben mit dem Battery Eater das Gerät unter Last gesetzt und erreichten gute 3 Stunden und 31 Minuten. Ohne Last waren es 7 Stunden und 46 Minuten. Gemessen wurde jeweils mit voller Helligkeit, um Spiegelungen zu überblenden, und mit aktiviertem WLAN. Viel Zeit braucht der Anwender beim Ladevorgang, wenn das System noch läuft: etwas mehr als 5 Stunden. Das ist zu lang, so dass sich die Mitnahme des schwachen 30-Watt-Netzeils nicht immer lohnt, um schnell eine Steckdose zu suchen und den 63-Wh-Akku beim Arbeiten wieder aufzuladen.

In den Benchmarks zeigte sich, was zu erwarten war: Leistungswerte, die mit drei Jahre alten ULV-Subnotebooks vergleichbar sind und für den Privatanwender meist völlig ausreichen. Verglichen mit Netbooks, selbst wenn es sich um die aktuelle Pinetrail-Plattform handelt, zeigt sich die Überlegenheit von Intels CULV-Plattform.

In Zahlen ausgedrückt erreicht das Aspire 1825PTZ im Cinebench R10 (32 Bit) 2.662 Punkte mit beiden Kernen, die mit 1,3 GHz getaktet sind. Das ist etwa das Dreifache von dem, was ein normales Netbook erreichen kann. Zum Vergleich: Ein Atom N450 erreicht bei 1,66 GHz 873 Punkte; ein Core 2 Duo E8600 erreicht 6.584 Punkte mit seinen 3,33 GHz. Im 3DMark 2001 SE stürzte Acers Tablet-PC zuverlässig ab, selbst nach einem Austausch des Grafiktreibers. Bei Spielen kann der Anwender ohnehin nicht viel erwarten. Das kommende Starcraft II lief in der Betaversion bei nativer Auflösung in mittleren Einstellungen nur mit etwa 4 FPS gegen die KI-Gegner. Selbst das Senken auf niedrige Einstellungen bringt nichts: 15 Bilder pro Sekunde sind alles, was Intels GMA 4500MHD bei einem kleinen Level am Anfang eines Wettkampfs zu leisten vermag.

Die CPU erweist sich in der Praxis hingegen als schnell genug, um Videos bei Youtube anzuschauen, selbst mit einer Auflösung von 720p. Bei 1080p-Videos wird es im Flash-Format sehr eng. Mit dem Windows Media Player oder auch Videolan Client lässt sich aber beispielsweise der Renderfilm Big Buck Bunny oder ein Quicktime-Trailer (Wall-E Trailer 3) ohne Probleme auch in 1080p anschauen. Ein Umcodieren der Videosammlung entfällt also.

Etwas eigenartig mutet der Umstand an, dass die Gesamtleistung des Systems ausgerechnet für den Multitouch-Bildschirmschoner Microsoft Lagoon nicht ausreicht. Er ist Bestandteil des Touch Packs und soll eigentlich demonstrieren, was ein Multitouch-Rechner kann. Für Surface Globe ist der Rechner ausreichend. Das gilt auch für Google Earth. Doch wer Google Earth unter Windows nutzt, vermisst sofort die Multitouch-Unterstützung.

Das Tablet für alle? Ein Fazit

Acers 1825PTZ ist bereits im Handel erhältlich. Der Preis liegt bei etwa 600 Euro. Die Variante 1825PT mit einem Core 2 Duo SU7300 wird von Händlern noch nicht gelistet und dürfte etwas teurer werden. Frühestens ab Juni 2010 könnte auch eine UMTS-Variante des Convertibles auf den Markt kommen.

Fazit

Ist es möglich, für 600 Euro ein vernünftiges Tablet mit Tastatur zu bauen? Offensichtlich nicht. Wer schon einmal an einem Business-Tablet gearbeitet hat, wird schwer enttäuscht sein. Doch selbst aus der Endkundenperspektive ist das 1825PTZ kein gutes Gerät. Zu wackelig ist die ganze Angelegenheit, der Nutzer muss beim Tablet viel stärker auf den Umgang achten als bei billigen Netbooks.

Gewichtsverteilung und Konstruktion des Gelenks sind bei einem Tablet besonders wichtig. Hier patzt Acer und degradiert sein Tablet zu einem reinen Wohnzimmergerät, obgleich eine Variante mit UMTS-Modem geplant ist. Vorstellen können wir uns den Einsatz des Tablet von Acer nur auf der Couch: Surfen ohne Tastatur, wenn sie doch gebraucht wird, einfach umklappen.

Diese Anschaffung sollte sich der Anwender gut überlegen. Wer nicht weiß, ob er mit einem Tablet-PC etwas anfangen kann, findet hier zwar einen günstigen Einstieg, der allerdings mit echten Tablet-PCs, die normalerweise zusätzlich mit einem Stift ausgestattet sind, nicht vergleichbar ist.  (ase)


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