Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/75135.html    Veröffentlicht: 15.05.2010 10:31    Kurz-URL: https://glm.io/75135

Diaspora

150.000 US-Dollar für freien Facebook-Konkurrenten

Während Facebook die Nutzer wegzulaufen drohen und das Unternehmen in dieser Woche eine Krisensitzung abgehalten haben soll, nimmt Diaspora immer mehr an Fahrt auf. Das noch in Entwicklung befindliche freie, dezentrale, soziale Netzwerk wird immer bekannter und erhält auch immer mehr finanzielle Unterstützung.

Die vier US-Informatikstudenten Daniel Grippi, Maxwell Salzberg, Raphael Sofaer und Ilya Zhitomirskiy wollten eigentlich über die Fundraising-Website Kickstarter 10.000 US-Dollar sammeln, um sich dann in den Semesterferien voll auf die Diaspora-Weiterentwicklung konzentrieren zu können. Innerhalb weniger Tage lagen sie deutlich darüber, die Spendenversprechen sind mittlerweile auf über 150.000 US-Dollar gestiegen. Dahinter stehen über 4.100 Unterstützer.

Das Interesse an Diaspora begründet sich aus Facebooks immer geringerem Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer, den Datenpannen verschiedener sozialer Netzwerke und der Unsicherheit durch etwa aus MeinVZ, StudiVZ und SchülerVZ mittels Crawler ausgelesenen öffentlichen und teils privaten Daten (Die VZ-Netzwerke gehören wie Golem.de zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck).

Dazu kommen noch verschiedene kritische Testberichte zur Datensicherheit, etwa von Stiftung Warentest und Öko-Test, die das Vertrauen in Facebook und Co. nicht unbedingt stärken. Vor allem Facebook hat mit einem Vertrauensverlust zu kämpfen und tut sich nicht nur schwer damit, auf die Ängste der Nutzer zu reagieren, sondern auch die Richtung vorzugeben und damit Vertrauen zu schaffen. Immerhin soll es in dieser Woche aber schon eine Krisensitzung bei Facebook gegeben haben.

Da mit den Nutzern noch nicht offen diskutiert wird, gründen die mittlerweile ihre eigenen Facebook-Gruppen zum Thema Datenschutz - jüngst kam auch eine mit dem Titel 'Facebook User emigrieren zu Diaspora' hinzu. Sie hat noch nicht viele Mitglieder, zeigt aber, dass das Interesse für einen Wechsel zu einer neuen Art von sozialen Netzwerk vorhanden ist - und dass das durchaus eine Bedrohung für die etablierten Social Networks werden kann.

Der Begriff Diaspora stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Verstreuung", "sich zerstreuen" oder "ausstreuen", womit die Entwickler auf die dezentrale Struktur ihres sozialen Netzwerks hinweisen wollen. Zwar muss jeder Nutzer laut www.joindispora.com seinen eigenen Diaspora-Server betreiben, diese "Diaspora-Seeds" sollen sich aber sehr einfach einrichten lassen. Der große Vorteil dabei: Anders als bei zentralen sozialen Netzwerken soll der Nutzer bei Diaspora die volle Kontrolle über seine persönlichen Daten, Fotos und Videos behalten.

Bisher existiert von Diaspora nur ein funktionsfähiger Prototyp, zur geplanten Veröffentlichung Ende Sommer 2010 soll es eine dokumentierte API inklusive Quellcode und Basisfunktionen geben. In späteren Versionen könnten dann etwa auch Instant Messaging und Internettelefonie hinzukommen. Damit Diaspora zur offenen, freien und sicheren Alternative für Facebook und andere soziale Netzwerke werden kann, ist also noch einiges an Arbeit vonnöten.  (ck)


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