Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/74972.html    Veröffentlicht: 06.05.2010 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/74972

Spieletest Iron Man 2

Der Eisenmann als Dünnblechbohrer

Durch die Luft fliegen, unzählige Roboter in Schutt und Asche legen und dabei noch einen coolen Spruch auf den Lippen haben - Iron Man könnte eine perfekte Vorlage für ein rasantes Computerspiel sein. Tatsächlich liefert Sega aber nur lieblos produzierte Stangenware ab.

Das Actionspiel Iron Man 2 kommt zeitgleich mit dem Kinostart des neuen Films in die Händlerregale, hat aber inhaltlich kaum etwas mit dem Film zu tun. Die Entwickler folgen einer eigenen Story. Die stammt aus der Feder des Comicschreibers Matt Fraction, bietet aber auch nur das bekannte Szenario: Milliardär Tony Stark alias Iron Man entwickelt neue Technologien, um die Welt zu retten. Ärgerlicherweise machen ihm Bösewichte wie Crimson Dynamo sowie kriminelle Russen und Waffenhändler das Leben schwer. Ein guter Vorwand, in den Kampf zu ziehen und in der Luft sowie am Boden möglichst viel in Schutt und Asche zu legen.

Die Story ist trotzdem nicht das eigentliche Problem von Iron Man 2, auch wenn die Zwischensequenzen mit ungelenken Animationen und teils lächerlich schlechter Synchronisation enttäuschen. Wirklich unangenehm wird es, sobald der Spieler Hand als Iron Man oder als dessen Partner War Machine unterwegs ist: Vor allem die unhandliche und verzögerte Steuerung sowie die beständig ungünstig ausgerichtete Kamera machen das Superheldenleben alles andere als angenehm.

Zwar kann sich Iron Man im Nahkampf beweisen, durch die Luft fliegen, Dächer durchbrechen, Kampfdrohnen und Hubschrauber ausschalten oder riesige Roboter bezwingen. Doch die Action bietet weder Spannung noch Herausforderungen. Die künstliche Intelligenz ist kaum der Rede wert, das Meistern der jeweiligen Passagen eher auf Grund der hakeligen Bedienung und der schlechten Sicht als wegen des herausfordernden Gamedesigns ein Problem.

Dünnblech- statt Hightech-Grafik

Für etwas Abwechslung sorgt die Möglichkeit, sich in Tony Starks Labor auszutoben: Er kann im Spielverlauf neue Technologien, Waffen und Gadgets erforschen und in den Kampfanzug einbauen. Auch hier lassen die Menüs aber Benutzerfreundlichkeit vermissen.

Die Technik passt sich der spielerischen Magerkost an: Egal ob Kampf am Boden, Flug durch einen Schacht oder Zerstörungsorgie im Gebäude - immer lassen Detailgrad und Animationen zu wünschen übrig. Auch Grafikfehler finden sich einige, die Kollisionsabfrage ist zudem mangelhaft. Der Frust darüber währt allerdings nicht besonders lange: Mehr als fünf Stunden werden geübte Spieler auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade kaum benötigen, um die Kampagne zum Ende zu führen. Zusätzliche Aufgaben - etwa via Koop-Modus - gibt es nicht.

Iron Man 2 ist für Xbox 360, Playstation 3, Wii sowie PSP und DS erhältlich, hat eine USK-Einstufung ab zwölf Jahren erhalten und kostet 40 bis 50 Euro. Die deutsche Version strotzt vor schlechter Sprachausgabe - zumindest auf Xbox 360 und PS3 liefert Sega die gute englische Version in der hierzulande erhältlichen Fassung mit.

Fazit

Besser als der erste Teil, aber immer noch enttäuschend: Auch Iron Man 2 gelingt es nicht, die Atmosphäre und den Humor der Filmvorlage einzufangen. Geboten werden monotone Action, hakelige Bedienung und antiquierte Technik. Ein echter Superheld würde sich so nicht auf die Konsolen wagen! Für höchst zweifelhaften Spaß sorgt die teils unfreiwillig komische Synchronisation.  (tw)


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