Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/74945.html    Veröffentlicht: 06.05.2010 12:20    Kurz-URL: https://glm.io/74945

Palm Pixi Plus im Test

Leichtes WebOS-Smartphone mit WLAN und Minitastatur

Das Pixi Plus ist das dritte WebOS-Smartphone auf dem deutschen Markt. Anders als das Pre Plus hat das Pixi Plus eine direkt erreichbare Minitastatur. Im Test musste das Pixi Plus zeigen, was es im Vergleich zu den Pre-Modellen anders macht.

Parallel zum Pre und dem neuen Pre Plus gibt es das Pixi Plus nun auch in Deutschland. Das normale Pixi-Modell wird nicht auf dem deutschen Markt angeboten. Im Unterschied zum Pixi Plus fehlt dem normalen Modell die WLAN-Funktion, so dass der mobile Internetzugang ausschließlich via Mobilfunk möglich ist. Die Pixi-Reihe ist eigentlich als preisgünstiger Einstieg in die WebOS-Welt gedacht, aber der Preisverfall des Palm Pre macht das Pixi Plus derzeit zu einem vergleichsweise teuren Vergnügen.

Das Gehäusedesign des Pixi Plus erinnert an die Bauweise der Treo- und Centro-Reihe von Palm. Die Tastatur befindet sich hier unterhalb des Displays und muss nicht erst wie beim Pre aufgeschoben werden. Vor allem die universelle Suche von WebOS profitiert davon, um Programme zu starten, Kontakte anzurufen oder eine SMS zu schreiben. Bereits während der Eingabe werden alle passenden Treffer angezeigt und der Nutzer muss dann nur noch das Gesuchte aktivieren. All das funktioniert zwar mit dem Pre auch, aber hier wird der Nutzer aufgrund der Bauweise eher dazu verleitet, Programme via Touchscreen aufzurufen, statt die Tastatur zu nutzen.

Das Tastenlayout des Pixi Plus entspricht der Pre-Plus-Tastatur und bietet im Unterschied zur Pre-Tastatur ebenfalls die erleichterte Eingabe von Umlauten mittels Optionstaste. Die einzelnen Tasten des Pixi Plus sind in der Mitte leicht nach oben gewölbt, so dass sie sich zielsicher treffen lassen und Fehleingaben vermindert werden. Insgesamt schreibt es sich gut auf der Tastatur, negativ fielen allerdings die recht lauten Knackgeräusche beim Tippen auf.

Pixi-Display deutlich kleiner als das Pre-Display

Wer auch nur kurz einmal ein Pre oder Pre Plus verwendet hat, wird das Display des Pixi Plus als mickrig empfinden, denn es ist mit einer Bilddiagonalen von lediglich 2,63 Zoll deutlich kleiner als das Pre-Display. Darüber hinaus wurde die Auflösung im Vergleich zum Pre-Bildschirm in der Höhe um 80 Pixel verringert, so dass im direkten Vergleich einfach weniger Platz für Informationen bleibt. Bei einer Auflösung von 320 x 400 Pixeln ist die Nutzung des Geräts im Querformat weniger sinnvoll als bei der Pre-Auflösung von 320 x 480 Pixeln.

Das fällt sowohl beim Lesen von Webseiten als auch auch bei der Wiedergabe von Videos im Breitbildformat auf. Damit bei der Videowiedergabe seitlich keine Bildinformationen abgeschnitten werden, müssen Videos auf dem Pixi verkleinert werden. Das sorgt dann dafür, dass Videos noch weniger von der knappen Displayfläche nutzen können. So manche Webseite lässt sich im Pre-Browser besser im Querformat lesen. Auf dem Pixi-Display profitiert der Browser hingegen deutlich weniger von einer Querformatsdarstellung einer Webseite.

Pixi Plus ebenfalls mit WebOS-Gestenbereich

Auch bei der Verwendung von Multitouch-Gesten fällt die geringe Displayfläche auf, so dass nur wenig Platz bleibt, um die Gesten auszuführen. Die im Vergleich zum Pre geringere Farbtiefe des Pixi-Plus-Displays macht sich im Alltag hingegen nicht bemerkbar, die Displayinformationen sind auch in direktem Sonnenlicht gut ablesbar. Wie bei den Pre-Modellen wird die Displayhelligkeit mittels Sensor gesteuert.

Zwischen Display und Tastatur befindet sich der bei WebOS-Geräten übliche berührungsempfindliche Gestenbereich. Auf einen Knopf wie beim Pre hat Palm wie beim Pre Plus auch beim Pixi Plus verzichtet. Über den Gestenbereich wird der Programmstarter aufgerufen oder die Programmübersicht angezeigt, der Nutzer kann darüber auch einen Bedienschritt zurückgehen. Mit einer Wischbewegung ist ein schneller Taskwechsel möglich, der standardmäßig ausgeschaltet ist. Nach kurzer Gewöhnung ist die Bedienung darüber sehr eingängig und praktisch. Wird der Webbrowser im Querformat verwendet, wird der Gestenbereich zu einem Scrollpad, über das der Nutzer bequem blättern kann.

Der integrierten 2-Megapixel-Kamera steht ein Fotolicht zur Seite, um Aufnahmen auch bei schlechten Lichtverhältnissen zu machen. Die Fotoqualität eignet sich aber nur für Schnappschüsse. Mit der Kamera lassen sich mittlerweile auch Videos aufnehmen und direkt auf dem Gerät trimmen. Das funktioniert einfach und bequem, allerdings sollten dabei nicht viele andere Programme aktiv sein, weil das die Bearbeitung verzögert.

7 GByte Platz für Daten, Speicherkartensteckplatz fehlt

Denn wie das normale Pre-Modell bietet das Pixi Plus nur 256 MByte Speicher zur Programmausführung. Damit kommt es schnell zu einer Zu-viele-Karten-offen-Meldung. Dann bleibt nur, Applikationen zu schließen, um wieder neue Programme öffnen zu können. Die Multitasking-Eigenschaften des WebOS werden damit eingeschränkt. Auch der integrierte Flash-Speicher von 8 GByte ist so groß wie beim normalen Pre, dem Nutzer stehen also rund 7 GByte für Daten zur Verfügung. Typisch für Palms WebOS-Smartphones ist, dass sie keinen Speicherkartensteckplatz besitzen - ein großer Kritikpunkt.

Mit Maßen von 55 x 111 x 10,8 mm und einem Gewicht von 92 Gramm ist das Pixi Plus vergleichsweise dünn und leicht für ein modernes Smartphone. Dabei ist die technische Ausstattung durchaus zufriedenstellend. Es unterstützt HSDPA mit einer Bandbreite von bis zu 3,6 MBit/s, WLAN nach 802.11b/g sowie Bluetooth 2.1 einschließlich A2DP-Profil. Damit kann Stereomusik auch drahtlos gehört werden, alternativ gibt es eine gut erreichbare 3,5-mm-Klinkenbuchse, an die sich handelsübliche Kopfhörer anschließen lassen.

Ein kabelgebundenes Stereo-Headset wird mitgeliefert. Beim Telefonieren machten sich keine negativen Aussetzer oder Rauschen bemerkbar, die Sprachqualität war klar und deutlich. An der rechten Gehäuseseite befinden sich zwei Tasten, um auch während des Gesprächs die Hörerlautstärke zu regulieren. Zudem gibt es einen praktischen Stummschalter, um zwischen Klingel- und Vibrationsmodus zu wechseln.

Weniger Applikationen für Pixi Plus

Für Ortungsfunktionen besitzt das Pixi Plus einen GPS-Empfänger, der zügig Ergebnisse liefert und unter anderem von Google Maps oder anderen Kartenapplikationen genutzt wird. Zudem verwendet so manche Software die Standortdaten, um den Nutzer mit ortsabhängigen Informationen zu versorgen. Eine vollwertige Navigationssoftware gibt es für WebOS bislang nicht.

Zum Laden des auswechselbaren Akkus im Pixi Plus wird das mitgelieferte USB-Kabel an den Micro-USB-Anschluss am Mobiltelefon angeschlossen. Der Anschluss ist durch eine Lasche vor Dreck und Beschädigungen geschützt. Die Lasche lässt sich leicht öffnen und ein Magnetmechanismus sorgt dafür, dass sie sich gut schließt.

Durch Zukauf eines Touchstone-Rückdeckels sowie einer passenden Touchstone-Ladestation für 60 Euro kann der Pixi-Plus-Akku auch ohne Kabelumstecken aufgeladen werden. Die zum Lieferumfang des Pixi Plus gehörende Rückabdeckung ist anders als beim Pre Plus nicht Touchstone-fähig.

Pixi Plus ist nichts für Spieler

Was beim alltäglichen Einsatz nicht auffällt: Das Pixi Plus ist nicht mit einem so leistungsfähigen Prozessor ausgestattet wie das Pre oder das Pre Plus. Der schmalbrüstigere und preiswertere Prozessor im Pixi Plus erlaubt es nicht, grafikintensive Spiele wie Need for Speed oder Asphalt 5 zu spielen. Alle Titel von Electronics Arts und Gameloft gibt es somit für das Pixi Plus nicht. Wer also an Spielen interessiert ist, sollte einen Bogen um das Pixi Plus machen. Als Folge davon listet Palms App Catalog auf dem Pixi Plus über 100 Programme weniger als der App Catalog eines Pre-Modells.

Zudem hat Palm bereits angekündigt, dass das noch ausstehende Flash 10.1 ausschließlich für die Pre-Modelle angeboten wird. Auch hier bleiben Käufer des Pixi Plus außen vor. In Zukunft werden davon wohl immer mehr Applikationen betroffen sein.

Die bisherigen Kritikpunkte am WebOS-System bleiben auch mit dem Pixi Plus bestehen. An vorderster Front ist der zu langsame Programmstart zu nennen, wodurch das ansonsten zügig reagierende WebOS träge wirkt. Zudem unterstützt der Messaging-Client in WebOS fast ein Jahr nach dem Marktstart des Pre noch immer nur den AOL Instant Messenger sowie Google Talk. Eine direkte Integration von ICQ, Yahoo Messenger und Windows Live Messenger sowie ein allgemeines Jabber-Protokoll fehlen.

Fazit: Pixi Plus ist zum Marktstart überteuert

Die Besonderheiten der WebOS-Plattform wie benutzerfreundliches Multitasking, Dateneinbindung via Synergy, Gestenbedienung, die universelle Suche und dezente Benachrichtigungen beschreibt der ausführliche Testbericht zum Palm Pre auf Golem.de.

In Deutschland gibt es das Pixi Plus bei O2 und bei Vodafone. Bei O2 kostet das WebOS-Smartphone ohne Vertrag 390 Euro, Vodafone verlangt 400 Euro für das Gerät. Bei O2 kann das Mobiltelefon mit zweijähriger Ratenzahlung gekauft werden, während Vodafone das Gerät bei Abschluss eines Neuvertrags subventioniert. Zum Lieferumfang zählen ein Netzteil, ein USB-Kabel sowie ein Stereo-Headset.

Fazit

Mit dem Pixi Plus legt Palm ein ordentliches WebOS-Smartphone vor, das eine immer direkt erreichbare Tastatur bietet. Damit lässt sich die WebOS-Funktion universelle Suche effizienter als auf einem Pre-Smartphone verwenden. Der Multitouch-Touchscreen reagiert immer zügig und Informationen lassen sich gut ablesen. Die kleinen Displaymaße und die verringerte Auflösung bedürfen einiger Gewöhnung.

Ärgerlich ist, dass Palm den Pixi-Modellen nicht den gleichen Prozessor wie den Pre-Modellen gegönnt hat und daher viele WebOS-Applikationen für das Pixi Plus nicht zu bekommen sind. Vor allem auf grafikintensive Spiele sowie Flash müssen Pixi-Plus-Käufer verzichten. Damit wird die bisher als einheitlich wahrgenommene WebOS-Plattform von Palm unnötig zersplittert.

Das Pixi Plus kommt überteuert auf den deutschen Markt. Das technisch bessere Palm Pre kostet weniger als das Pixi Plus, und das ohne die Einschränkungen bezüglich Display und Prozessor. Wer jetzt in die WebOS-Welt einsteigen will, erhält mit dem Pre das bessere Smartphone.  (ip)


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