Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/74938.html    Veröffentlicht: 05.05.2010 12:18    Kurz-URL: https://glm.io/74938

Robotikwettbewerb

Roboter sollen alltagstauglich werden

Willow Garage gibt Teilnehmer am Robotikwettbewerb bekannt

Das US-Robotik-Unternehmen Willow Garage hat elf Teilnehmer eines Wettbewerbs bekanntgegeben, dessen Ziel es ist, Roboter alltagstauglich zu machen. Die Roboter sollen beispielsweise lernen, den Tisch abzuräumen. Willow Garage stellt jedem Team einen PR2-Roboter zur Verfügung.

Zukunftsvisionäre gehen gern davon aus, dass Roboter unser Leben künftig einfacher machen werden. Sie sollen die Spülmaschine ausräumen, die Wohnung sauber halten oder auf einer Party Getränke servieren. Die Realität bleibt jedoch hinter solchen Visionen zurück. Tatsächlich sind die meisten Roboter nur für einen Zweck ausgelegt. Manche Experten, wie etwa iRobot-Chef Colin Angle, bezweifeln sogar, dass es Multifunktionsroboter geben wird.

Roboter im Alltag

Das US-Unternehmen Willow Garage sieht das anders. Die Robotiker aus dem kalifornischen Menlo Park glauben an einen Roboter, der unterschiedliche Aufgaben durchführen kann. Und sie haben eine Plattform dafür entwickelt, den Personal Robot 2, kurz PR2. Im Frühjahr haben die Kalifornier einen Wettbewerb ausgeschrieben: Ziel dieses PR2-Beta-Projekts ist es, Einsatzszenarien für den PR2 zu ersinnen.

Elf Entwicklerteams, zehn Universitäten und ein Unternehmen aus Europa, Japan und den USA haben überzeugende Konzepte vorgelegt. Sie bekommen nun von Willow Garage zwei Jahre lang jeweils einen PR2 zur Verfügung gestellt, um diese umzusetzen.

Zwei Teams aus Deutschland

Unter den Finalisten sind auch zwei Teams aus Deutschland - von den Universitäten in Freiburg und München. Die Freiburger wollen den PR2 dazu bringen, dass er aufräumt, zum Beispiel nach dem Essen den Tisch. Dazu müssen sie ihm beibringen, Gegenstände wiederzuerkennen, Schubladen oder den Kühlschrank zu öffnen und die Gegenstände an ihrem Platz zu verstauen. Das Team von der Technischen Universität (TU) in München will den PR2 mit künstlicher Intelligenz (KI) und mit 3D-Wahrnehmung ausstatten. Das soll es dem Roboter ermöglichen, kompliziertere Aufgaben zu erledigen wie die Spülmaschine auszuräumen oder den Tisch zu decken.

Unter den Teams aus den USA ist das Georgia Institute of Technology, das den PR2 in einem intelligenten Haus für ältere Menschen einsetzen will. Als einziges Team, das nicht von einer Universität kommt, nimmt der Gerätehersteller Bosch teil. Das Unternehmen will Sensoren für den PR2 entwickeln, darunter eine Art Haut, mit der der PR2 fühlen kann. Die Sensoren solle dann den anderen Teams aus dem PR2-Beta-Projekt zur Verfügung gestellt werden.

PR2 ist Open Source

Der PR2 ist ein humanoider Roboter, der sich auf Rädern fortbewegt. Er hat zwei Arme, an deren Ende Greifer sitzen, mit denen er auch zerbrechliche Gegenstände wie Gläser fassen kann. Zur Wahrnehmung verfügt PR2 über eine Reihe von Sensoren, darunter Kameras im Kopf und in den Armen und Laserscanner. Er ist knapp 80 cm hoch, sein Oberkörper kann aber bis zu einer Höhe von 1,10 m ausgefahren werden.

PR2 verfügt über zwei Computer mit jeweils einem Acht-Kern-Prozessor und 24 GByte Arbeitsspeicher. Als Datenspeicher stehen 500 GByte und eine 1,5-TByte-Festplatte zur Verfügung. Letztere kann herausgenommen werden, was es den Entwicklern ermöglichen soll, die Log-Daten des Roboters schnell auszulesen.

Konzipiert ist er als robotische Entwicklungsplattform, für die Entwickler alle möglichen Anwendungen schreiben können. Ein Student von der Universität des US-Bundesstaates Kalifornien in Berkeley etwa brachte einen PR2 Anfang des Jahres dazu, ein Handtuch zu falten.

Open-Source-Roboter

Das Besondere am PR2 ist, dass sein Betriebssystem, Robot Operating System (ROS), sowie seine Software Open Source sind. ROS läuft unter anderem auf dem französischen Roboter Nao, den das Bremer Robofußballteam B-Human einsetzt. Junior, das Roboterauto, mit dem das Team der Universität aus Stanford 2007 bei der Darpa Urban Challenge den zweiten Platz belegte, nutzt ebenfalls ROS.

Der zweite Roboter von Willow Garage neben dem PR2 ist der Telepräsenzroboter Texas Robot. Er wurde zunächst als Nebenprodukt aus Teilen des PR2 entwickelt. Der Texas Robot soll einen Mitarbeiter, der von außerhalb arbeitet, im Büro repräsentieren und ihm so ermöglichen, am sozialen Leben im Unternehmen teilzunehmen - inklusive Schwätzchen auf dem Flur.  (wp)


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