Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1005/74928.html    Veröffentlicht: 05.05.2010 09:46    Kurz-URL: https://glm.io/74928

Atom Z600

Intels Moorestown für Smartphones und Tablets

Intel hat seine unter dem Namen Moorestown entwickelte Atom-Plattform für Smartphones und Tablet-PCs offiziell vorgestellt. Kernstück ist der Atom Z6xx, der dank neuer Stromsparmodi deutlich effizienter sein soll als bisherige Atom-Chips, dabei aber Multitasking, Videowiedergabe in Full-HD mit 1080p und 3D-Spiele unterstützen soll.

Die Plattform Moorestown besteht aus mehreren Chips, die in Kombination eine deutlich geringere Leistungsaufnahme versprechen und so auch für Smartphones, schlanke Tablets und andere Handheldgeräte geeignet sein sollen. Auf diesem Weg will Intel mit seiner x86-Plattform in neue Gerätekategorien vordringen.

Atom Z6xx als Herz der Plattform

Kern von Moorestown ist die Prozessorfamilie Atom Z6xx, die Intel unter dem Codenamen "Lincroft" entwickelt. Dieses System-on-Chip (SoC) kombiniert Intel mit dem Platform Controller Hub MP20 alias "Langwell" und dem dedizierten Mixed Signal IC (MSIC) mit Codenamen "Briertown". Die Architektur des Lincroft-Kerns basiert auf dem Atom N450 und dessen Plattform "Pine Trail", die aktuelle Netbooks antreibt.

Der Atom Z6xx wird in 45-Nanometer-Technik gefertigt, verfügt über einen CPU-Kern mit 512 KByte L2-Cache und 24 KByte L1-Cache sowie einen 32 KByte großen Cache für Instruktionen. Die Prozessorkerne laufen mit Taktfrequenzen von 1,5 bis 1,9 GHz.

Das SoC integriert zudem Intels Grafikchip GMA 600, der mit bis zu 400 MHz getaktet ist und sich um 2D- und 3D-Grafik kümmert. Er unterstützt OpenGL ES2.0, OpenGL 2.1 und OpenVG 1.1. Zudem kann er Videos (MPEG4 Part 2, H.264, WMV und VC1) hardwarebeschleunigt decodieren. Dabei unterstützt der Chip für internet Displays eine maximale Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln. DirectX fehlt in Intels Ankündigung von Moorestown. Unterstützt werden dürfte Microsofts Frameworks aber wohl, nur ist noch nicht klar, bis zu welcher Version. Die bisherigen Atom-Plattformen kamen bis DirectX-9.

Ebenfalls integriert ist ein Single-Channel-Speichercontroller mit 32 Bit, der das sparsame LPDDR1 und das billigere DDR2 unterstützt. So kann LPDDR1-Speicher mit 200 MHz und bis zu 1 GByte oder DDR2-Speicher mit bis zu 400 MHz und 2 GByte mit dem Atom Z6xx verwendet werden.

Der Atom Z6xx arbeitet darüber hinaus mit Intels Burst Performance Technology (BPT), um für kurze Intervalle die Leistung des Chips zu erhöhen, ohne dabei die gerade bei mobilen Geräten kritische Thermal Design Power zu erhöhen. Auch Hyperthreading zur Ausführung von zwei parallelen Threads auf einem Kern wird unterstützt. Intels Smart Idle Technology (SIT) erlaubt es, CPU-Kern und den Rest des SoCs abzuschalten, während das Betriebssystem im On-Modus bleibt. Dazu führt Intel auf Basis des C5-State des Atom zwei neue Stromsparmodi ein, die States S0i1 und S0i3. Sie senken die Leistungsaufnahme des Chips auf 100 Mikrowatt.

MP20 für I/O, Audio und Kryptographie

Über den Platform Controller Hub MP20 bindet Intel I/O-Schnittstellen und NAND-Controller an die Moorestown-Plattform an. Er regelt die Stromsparfunktionen des gesamten Systems, was Intel als Smart Power Technology (SPT) bezeichnet. Zudem beschleunigt der Chip die Kryptographiefunktionen von AES, DES, 3DES, RSA, ECC und SHA-1/2, was bei Intel unter der Bezeichnung Smart & Secure Technology (S&ST) läuft.

Darüber hinaus verfügt der MP20 über einen 24-Bit-Audio-DSP, der MP3, AAC-LC, HE-AAC v1 und v2, WMA9 und PCM unterstützt. Auch USB wird vom MP20 zur Verfügung gestellt, wobei Intel USB 2.0 samt USB OTG (On The Go) unterstützt.

Moorestown kann mit diversen drahtlosen Funktechniken kombiniert werden, darunter WLAN, UMTS und Wimax. Für UMTS kommen Chips von ST-Ericssons zum Einsatz, für WLAN wird Marvells 8688 und für GPS Infineons Hammerhead 2 unterstützt.

Moorestown für Android, Moblin und Meego

Auf Softwareseite unterstützt Moorestown diverse Betriebssysteme. In erster Linie setzt Intel aber auf Android, Moblin v2.1 und Meego. Android hat Intel bereits auf x86 portiert. Intels Linux-Plattform Moblin 2.1 wurde ebenfalls auf Moorestown ausgelegt, während am Gemeinschaftsprojekt Meego zusammen mit Nokia noch gearbeitet wird.

Auf diesen Betriebssystemen soll dann diverse Software laufen. Konkret nennt Intel Adobe Flash und Air, Microsofts Silverlight, Fluendos Media-Framework GStreamer und Helix von Real Networks und Skype. Dank dem auf Wine basierenden Crossover soll auch World of Warcraft auf Moorestown unter Linux laufen.

Intel verspricht längere Akkulaufzeiten

Insgesamt soll die Moorestown-Plattform im Vergleich mit der vorherigen Atom-Plattform für deutliche längere Akkulaufzeiten sorgen. Im Idle-Modus will Intel die Leistungsaufnahme um 98 Prozent reduziert haben, bei der Audiowiedergabe soll die Leistungsaufnahme der Plattform rund 95 Prozent niedriger liegen. Beim Surfen und der Wiedergabe soll die Leistungsaufnahme immerhin um 50 bis 66 Prozent geringer ausfallen. Entsprechende Geräte sollen so mehr als zehn Tage im Standby-Modus, zwei Tage bei der Audiowiedergabe sowie vier bis fünf Stunden beim Surfen und Abspielen von Videos durchhalten.

Die Leistung will Intel dabei deutlich erhöht haben und spricht von einer Rechenleistung, die um den Faktor 1,5 bis 3 höher ist als beim ersten Atom, sowie eine um den Faktor 2 bis 4 gesteigerte Grafikleistung. Bei der Ausführung von Javascript soll Moorestown etwa viermal schneller sein, Videos spielen die neuen Systeme auch in Full-HD mit 1080p ab - das kann die aktuelle Netbook-Plattform nur mit Zusatzschips. Aufnahmen sind bis 720p möglich, sie codiert der Grafikkern von Moorestown in H.264.

Die gesamte Moorestown-Plattform, bestehend aus Atom Z6xx, MP20 und dem Mixed Signal IC, ist ab sofort erhältlich. Bis erste Geräte damit auf den Markt kommen, dürften noch einige Wochen vergehen. Intel zeigte schon ein Smartphone von Aava und das Tablet von Openpeak.  (ji)


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