Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1004/74830.html    Veröffentlicht: 29.04.2010 17:31    Kurz-URL: https://glm.io/74830

Steve Jobs: Flash ist Vergangenheit

Plattformübergreifende Entwicklerwerkzeuge behindern Innovation

Im Streit zwischen Apple und Adobe um Flash auf dem iPhone und iPad hat sich Steve Jobs mit einem offenen Brief zu Wort gemeldet. Er lässt kein gutes Haar an Flash und macht deutlich, dass Apple Entwicklerwerkzeuge, mit denen sich plattformübergreifende Applikationen entwickeln lassen, aus Prinzip ablehnt.

In einem offenen Brief mit dem Titel "Gedanken zu Flash" weist Jobs die Darstellung von Adobe zurück, hinter dem Ausschluss von Flash vom iPhone und iPad stünden in erster Linie geschäftliche Überlegungen, denn Apple wolle dadurch seinen App Store schützen. Vielmehr gebe es technische Gründe dafür, dass Apple Flash nicht auf seinen mobilen Geräte lasse, so Jobs.

Flash ist geschlossen und proprietär

Auch Adobes Darstellung, Apples System sei geschlossen und Adobes offen, sei schlichtweg falsch, so Jobs. Denn Adobes Flash-Produkte seien zu 100 Prozent proprietär. Es gebe sie nur von Adobe und Adobe habe auch die volle Kontrolle über die weitere Entwicklung der Plattform sowie über die Preise der Produkte. Nur weil Adobes Produkte weit verbreitet seien, bedeute das nicht, dass sie offen seien. Daher sei Flash nach fast jeder Definition ein geschlossenes System, so Jobs.

Jobs räumt ein, dass auch Apple viele proprietäre Produkte anbiete und nennt als Beispiele die Betriebssysteme für das iPad und das iPhone. Die Webschnittstellen auf diesen Produkten seien aber offen, das sei auch unbedingt notwendig, so Jobs. Daher habe sich Apple dafür entschieden, auf die offenen Standards HTML5, CSS und Javascript zu setzen - und nicht auf das proprietäre Flash. Diese Standards würden von unabhängigen Stellen entwickelt und könnten von allen genutzt werden.

Auch schaffe Apple neue Standards für das Web, Jobs verweist hier auf die Browser-Engine Webkit. Basierend auf KHTML hat Apple sie weiterentwickelt. Heute wird Webkit von vielen Herstellern verwendet, darunter Google, Nokia und RIM.



Flash lässt Macs abstürzen

Adobes Vorwurf, Apple biete mobilen Endgeräten keinen vollen Webzugang, will Jobs nicht stehen lassen: Es stimme zwar, dass die meisten Videos im Web in Flash angeboten würden, doch als Videocodec komme in der Regel H.264 zum Einsatz. Dieses Format werde von Apples Geräten von Hause aus unterstützt.

Das hilft zwar wenig, wenn es beispielsweise um Flash-Spiele geht, doch dazu gebe es im App Store genug Alternativen, die ohne Flash auskommen, schreibt Jobs.

Als Argument gegen Flash führt der Apple-Chef Sicherheitsprobleme an. Flash sei der häufigste Grund für Abstürze von Macs. Apple arbeite zwar mit Adobe zusammen, um diese Probleme zu beseitigen, doch gebe es sie seit Jahren. "Wir wollen die Sicherheit und Stabilität unserer iPhones, iPods und iPads nicht durch das Hinzufügen von Flash verringern", führt Jobs aus.

Auf mobilen Geräten laufe Flash bis heute nicht zufriedenstellend. Zwar habe Adobe wiederholt entsprechende Ankündigungen gemacht, bislang aber keinen der angekündigten Termine gehalten. Die kommende Version des Flash Player 10.1, der vor allem Verbesserungen für mobile Endgeräte bieten soll, ist für das erste Halbjahr 2010 angekündigt.

Flash senkt die Akkulaufzeit

Als weiteres Argument gegen Flash auf mobilen Endgeräten führt Jobs die Akkulaufzeit an. Es sei unverzichtbar, Videos auf mobilen Geräten in Hardware zu decodieren, eine Softwarelösung brauche zu viel Strom. So könnte das iPhone H.264 mit einer Akkuladung rund zehn Stunden Videos abspielen, wenn sie in Hardware decodiert werden. Bei einer Softwarelösung sinke diese Zeit auf fünf Stunden. Flash wird erst mit der kommenden Version entsprechende Hardware nutzen können.

Flash ist nicht auf Touchscreens ausgelegt

Flash sei außerdem nicht für Touch-Interfaces ausgelegt. Viele Applikationen setzten auf Rollover-Ereignisse, die es nur bei der Bedienung mit der Maus gibt. Daher müssten viele Flash-Websites für die Nutzung mit Touchscreen ohnehin neu geschrieben werden. Warum sollte man dann nicht gleich zu HTML5, CSS und Javascript greifen, fragt Jobs.

Jobs: Wir können uns nicht der Gnade eines Dritten unterwerfen

Das gewichtigste Argument gegen Flash sei aber, dass die Einführung einer Softwareschicht eines Drittanbieters zu schlechteren Applikationen führe und die Weiterentwicklung der Plattform verlangsame. Wenn Entwickler sich auf Softwarebibliotheken Dritter verließen, könnten sie neue Funktionen der Plattformen erst nutzen, wenn sie von den entsprechenden Anbietern unterstützt würden. "Wir können uns nicht der Gnade eines Dritten unterwerfen, der darüber entscheidet, wann unsere Verbesserungen an Entwickler weitergegeben werden."

Noch schlimmer sei es, wenn die Drittanbieter plattformübergreifende Lösungen anbieten. Dann bestehe die Gefahr, dass Neuerungen einer Plattform erst dann aufgegriffen werden, wenn sie auch auf anderen Plattformen zur Verfügung stünden. Letztendlich hätten Entwickler immer nur Zugang zum kleinsten gemeinsamen Nenner der unterstützten Plattformen.

Flash sei ein solches Werkzeug, um plattformübergreifende Applikationen zu erstellen, und kein Werkzeug, das Entwicklern helfe, die besten Applikationen für iPad, iPod oder iPhone zu schreiben. Um auf das mit Mac OS X eingeführte Cocoa umzusteigen, habe Adobe fast zehn Jahre gebraucht. Allerdings hat auch Apple erst mit Mac OS X 10.6, das im letzten Jahr erschien, einige Schlüsselapplikationen auf seine neuen Bibliotheken portiert.

Jobs kommt zu dem Schluss, Flash sei eine Technik der PC-Ära. In der Welt der mobilen Endgeräte gehe es aber um geringen Stromverbrauch, Touch-Bedienung und offene Webstandards - alles Bereiche, in denen Flash nicht mithalten könne. Dass so viele Medienunternehmen ihre Inhalte an Apples Geräte anpassten, zeige, dass Flash nicht länger notwendig sei. "Vielleicht solle sich Adobe mehr auf die Entwicklung von HTML5-Werkzeugen konzentrieren, statt Apple dafür zu kritisieren, die Vergangenheit hinter sich zu lassen."  (ji)


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