Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1004/74643.html    Veröffentlicht: 22.04.2010 12:32    Kurz-URL: https://glm.io/74643

Test: Pre Plus ist das bessere, aber teurere Pre-Smartphone

WebOS-Smartphone mit 16 GByte Flash-Speicher und überarbeiteter Tastatur

Das Pre Plus ist die aktuelle Oberklasse von Palms WebOS-Smartphones. In diesem Monat kommt der Neuling nach Deutschland. Im Test zeigte sich, wie Palm auf Kritik am Pre reagiert hat.

Palm hat das WebOS-Smartphone Pre Plus auf Basis des Pre entwickelt und das grundsätzliche Gehäusedesign beibehalten. Damit verfährt Palm ähnlich wie Apple bei den verschiedenen iPhone-Generationen bisher. Alle WebOS-Smartphones besitzen als Besonderheit einen speziellen Gestenbereich unterhalb des Touchscreens. Darüber erreicht der Nutzer den Programmstarter sowie die Kartenübersicht und kann einen Bedienschritt zurückgehen.

Im Vergleich zum normalen Pre fehlt dem Pre Plus der Knopf im Gestenbereich. An dieser Position leuchtet der Gestenbereich bei Berührung auf, das Tippen auf die Mitte des Gestenbereichs entspricht der bisherigen Knopffunktion. Die Bedienung ändert sich für den Anwender also nicht. Die Zurückgesten sowie die Programmwechselgeste lassen sich auf dem ebenen Gestenbereich wesentlich einfacher ausführen.

Komfortablere Eingabe von Umlauten

Eine weitere optische Änderung betrifft die aufschiebbare Tastatur, die ein leicht verändertes Tastenlayout erhalten hat. Vor allem die Eingabe deutscher Umlaute wurde deutlich vereinfacht. Hier hat sich Palm die Kritik an der Pre-Tastatur wohl zu Herzen genommen. Auf der Pre-Tastatur werden Umlaute über die Sym-Taste in Verbindung mit dem zugehörigen Basisbuchstaben eingetippt. Dabei muss die Sym-Taste gedrückt gehalten oder aber vor und nach dem Basisbuchstaben einmal betätigt werden.

Mit dem Pre Plus werden Umlaute nun mit der Optionstaste geschrieben, es gibt sogar die passende Umlautmarkierung auf der Tastatur. Zum Schreiben von ä, ü, ö und auch ß wird die Optionstaste einmal gedrückt, danach wird der Umlaut getippt. Alternativ kann die Optionstaste auch gedrückt gehalten werden. Ein wiederholtes Betätigen der Umlauttaste ist nicht mehr erforderlich und so geht das Schreiben auf dem Pre Plus nun ähnlich flott von der Hand wie bei den Treo-Smartphones von Palm. Aufgrund der neuen Umlautmarkierungen musste die Verteilung von Sonderzeichen auf der Tastatur verändert werden, so dass einige Zeichen an anderer Stelle zu finden sind.

Pre Plus kann deutlich mehr Programme gleichzeitig offen haben

Es wäre wünschenswert, wenn Palm bisherigen Pre-Besitzern per Firmwareupgrade einen vergleichbaren Tippkomfort beim Schreiben von Umlauten gönnen würde. Wenn die Symboltaste zum Schreiben von Umlauten nur einmal betätigt werden müsste, wäre das schon eine große Hilfe. Ob Palm sich die Mühe macht, das in eine neue WebOS-Version zu integrieren, ist nicht bekannt.

Weiter hat Palm die Pre-Plus-Tastatur nicht überarbeitet, der Tippkomfort ist also identisch mit der normalen Pre-Tastatur. Auch das Pre Plus kennt die angenehm stark nach oben gewölbten Tasten eines Treo 650 oder Treo 680 nicht, um Fehleingaben zu verhindern.

Ziffernblock nicht mehr farblich hervorgehoben

Als Verschlechterung erweist sich, dass die farbliche Hervorhebung des Ziffernbereichs auf der Tastatur weggefallen ist. Der Zahlenbereich ist auf der Pre-Plus-Tastatur nicht so schnell zu finden wie auf der Pre-Tastatur. Denn auf der Pre-Tastatur sind alle Ziffern in der Farbe orange gehalten und damit leicht und schnell von den anderen Tasten zu unterscheiden. Auf der Pre-Plus-Tastatur haben alle Beschriftungen nun den gleichen Farbton erhalten.

Standardmäßig wird das Pre Plus gleich mit dem Touchstone-Rückdeckel verkauft, den Pre-Käufer eigentlich nur als Sonderzubehör erhielten. Allerdings bot O2 das Pre-Smartphone oftmals in Verkaufsaktionen gleich mit dem Touchstone-Cover an. Die Touchstone-Ladestation wird weiterhin nur als Zubehör verkauft und gehört nicht standardmäßig zum Lieferumfang.

Pre Plus mit verdoppeltem Arbeitsspeicher

Weitere äußere Unterschiede gibt es zwischen Pre und Pre Plus nicht, der Neuling hat aber mehr Speicher erhalten. Der Arbeitsspeicher im Pre beträgt 256 MByte. Da passiert es durchaus, dass bei vielen gleichzeitig laufenden Applikationen keine weiteren Programme geöffnet werden können und eine Zu-viele-Karten-offen-Meldung erscheint. Im Pre Plus stecken 512 MByte Speicher. Dieser zusätzliche Speicher erlaubt mehr gleichzeitig geöffnete WebOS-Programme, so dass die Zu-viele-Karten-offen-Meldung in der Praxis deutlich seltener erscheint.

Ohne Einschränkungen laufen auf dem Pre Plus über 40 Programme parallel, während das Pre schon nach rund 15 Programmen die Zu-viele-Karten-Meldung präsentiert. Dann ließen sich Programme erst wieder starten, nachdem andere Applikationen geschlossen wurden. Ab mehr als 20 gleichzeitig laufenden Applikationen fällt allerdings negativ auf, dass die Reaktionsgeschwindigkeit des Pre Plus sinkt und der Aufruf weiterer Applikationen länger dauert.

Programmstart ist weiterhin träge

Bei sehr vielen offenen Applikationen stört zudem, dass auch das Pre Plus die Kartenübersicht nur im Hochformat zeigt und keine Querformatsdarstellung vorgesehen ist, die besonders in der Miniaturansicht einen besseren Überblick liefern würde. Zudem sorgt der größere Speicher dafür, dass es auf dem Pre Plus viel seltener vorkommt, dass offene Webseiten ohne Grund neu geladen werden müssen. Dieses Ärgernis tritt beim Pre bei durchschnittlicher Nutzung sehr häufig auf.

Mehr Speicher für eine schnellere Bedienung

Da sich auch mit dem aktuellen WebOS 1.4.1 die Wartezeit beim Applikationsaufruf nicht nennenswert verkürzt hat, kann das Pre Plus immerhin so genutzt werden, dass das nicht mehr so negativ auffällt. Denn wenn alle oft benutzten Programme bereits laufen, erscheinen diese unmittelbar, wenn sie wieder aufgerufen werden. Einzige Ausnahme ist der Webbrowser, der bei jedem Aufruf eine neue Karte öffnet. In gewisser Weise ist auch die Telefonsoftware eine Ausnahme, denn sie wird auch beim Pre Plus automatisch geschlossen, sobald ein Telefonat beendet wird.

Direkten praktischen Nutzen bietet der verdoppelte Flash-Speicher im Pre Plus. Während sich der Besitzer eines normalen Pre-Modells mit 7 GByte Kapazität begnügen muss, stehen von den 16 GByte im Pre Plus für den Nutzer 15 GByte zur Verfügung, also 8 GByte mehr als im kleinen Bruder. Damit lassen sich deutlich mehr Musikdateien, Videos, Fotos, Klingeltöne und Hintergrundbilder im Pre-Plus-Speicher ablegen.

Ließ die Akkulaufzeit beim ersten Pre-Modell zum Marktstart zu wünschen übrig, hat Palm hier durch Softwareoptimierungen einiges herausgeholt. Diese Verbesserungen machen sich auch beim Pre Plus bemerkbar. Mit einer Akkuladung hält das Mobiltelefon auch bei intensiverer Nutzung einen Arbeitstag lang gut durch. Auch wurde mittlerweile per WebOS-Update die Benachrichtigungsfunktion per blinkendem Gestenbereich als Option nachgereicht, so dass verpasste Ereignisse auch bei abgeschaltetem Display sichtbar sind. Weiterhin fehlt WebOS eine Undo-Funktion, so dass Fehleingaben bitter bestraft werden.

WebOS unterstützt nur wenige Instant-Messaging-Protokolle

Schmerzlich vermissten wir außerdem noch immer eine bessere Unterstützung von Instant-Messaging-Protokollen. Nach wie vor ist lediglich ein Zugang per AOL Instant Messenger sowie Google Talk möglich. Eine direkte Integration von ICQ, Yahoo Messenger und Windows Live Messenger fehlt. Auch eine allgemeine Jabber-Unterstützung gibt es nicht.

Fazit: Pre Plus ist im Vergleich zum Pre derzeit zu teuer

Maße und Gewicht entsprechen mit 59,6 x 100,7 x 17,5 mm und 137 Gramm weitgehend dem des normalen Pre-Modells. Auch bei den reinen Mobilfunkfunktionen hat sich nichts getan. Weiterhin unterstützt das UMTS-Mobiltelefon alle vier GSM-Netze, GPRS, EDGE sowie HSDPA mit einer Bandbreite von bis zu 3,6 MBit/s sowie WLAN nach 802.11b/g. Das integrierte Bluetooth 2.1 unterstützt das A2DP-Profil und eine Netzwerkverbindung, um die Mobilfunkanbindung über ein Notebook, ein Netbook oder einen PC zu verwenden. Alternativ dazu bietet Palm kostenlos im App Catalog die Software Mobile Hotspot an, die das WebOS-Smartphone in einen WLAN-Hotspot für bis zu fünf Geräte verwandelt. Außerdem besitzt das Mobiltelefon eine normale 3,5-mm-Klinkenbuchse zum Anschluss handelsüblicher Kopfhörer.

Kamera beherrscht Videoaufnahme

Der kapazitive TFT-Touchscreen liefert eine Bilddiagonale von 3,1 Zoll und erreicht eine Auflösung von 480 x 320 Pixeln. Bis zu 16 Millionen Farben kann das Pre-Plus-Display darstellen und lässt sich auch unter direktem Sonnenlicht sehr gut ablesen. Die integrierte 3,1-Megapixel-Kamera macht recht brauchbare Fotos, kann eine separate Digitalkamera aber nicht ersetzen. Seit WebOS 1.4 sind auch Videoaufnahmen mit der Kamera möglich. Die aufgezeichneten Videos lassen sich nachträglich jederzeit direkt und sehr bequem auf dem Gerät trimmen. Schnitte in der Mitte des Videos sind nicht möglich. Sehr hilfreich: Da die Videos idealerweise im Querformat aufgenommen werden, gibt es auch einen Warnhinweis, falls das Mobiltelefon falsch gehalten wird.

Für Ortungsfunktionen gibt es wie beim Pre einen integrierten GPS-Empfänger, allerdings fehlt bisher eine vollwertige Navigationslösung für WebOS. Der GPS-Empfänger wird ansonsten von einer steigenden Anzahl von Programmen genutzt, um mit Hilfe von Ortungsfunktionen passende Informationen in der Nähe anzuzeigen. Mit Minimap und Maptool gibt es auch zwei Applikationen, die das Kartenmaterial von Open Street Map verwenden. Maptool erlaubt auch eine Offlinenutzung des Kartenmaterials.

Die Besonderheiten der WebOS-Plattform wie benutzerfreundliches Multitasking, Dateneinbindung via Synergy, Gestenbedienung, die universelle Suche und dezente Benachrichtigungen beschreibt der ausführliche Testbericht zum Palm Pre auf Golem.de.

Ab 28. April 2010 gibt es das Pre Plus mit Touchstone-Rückdeckel bei O2 zum Preis von 510 Euro ohne Vertrag. Zum Lieferumfang gehören ein Netzteil, ein USB-Kabel, eine Tasche und ein Stereo-Headset. Im Rahmen von O2 My Handy kann das WebOS-Smartphone auch in 24 Monatsraten bezahlt werden. Beim Kauf fallen 29 Euro an, für zwei Jahre werden dann monatlich 20 Euro fällig. Das normale Pre kam seinerzeit zum Preis von 480 Euro auf den Markt und wird derzeit für 360 Euro zusammen mit Touchstone-Rückdeckel und Touchstone-Ladestation angeboten. Was das Pre Plus ab nächster Woche bei Vodafone kosten wird, ist nicht bekannt.

Fazit

Das Pre Plus ist ohne wesentliche Einschränkungen besser als das normale Pre-Modell. Lobenswerterweise lassen sich deutsche Umlaute mit der Pre-Plus-Tastatur deutlich komfortabler eingeben als mit der Pre-Tastatur. Der verdoppelte Speicher zur Programmausführung und der größere Flash-Speicher zum Ablegen von Daten sind klare Vorteile für das Plus-Modell. Als Kritikpunkt bleibt bestehen, dass auch das Plus-Modell keinen Speicherkartensteckplatz besitzt, um die Speicherkapazität zu erhöhen.

Zum Marktstart kostet das Pre Plus bei O2 allerdings rund 200 Euro mehr als das normale Pre-Modell. Dieser Aufpreis ist für die bessere Ausstattung nicht gerechtfertigt. Falls der Preisabstand zwischen Pre und Pre Plus in den nächsten Monaten bestehen bleibt, ist das Pre Plus ein teurer Spaß. Mit dem Pre ist ein deutlich günstigerer Einstieg in die WebOS-Welt mit vergleichsweise geringen Abstrichen möglich.  (ip)


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