Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1004/74608.html    Veröffentlicht: 20.04.2010 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/74608

Spieletest: Sam & Max - Adventure auf iPad vs. PC

Erster Teil des Episodenabenteuers The Devil's Playhouse gespielt

Die dritte Staffel startet: Im ersten Teil von The Devil's Playhouse bekommen es Hundedetektiv Sam und sein psychopathischer Kumpel Max mit einem fiesen Außerirdischen zu tun. Für den Test der Adventureepisode The Penal Zone hat Golem.de die Versionen für iPad und Windows-PC verglichen.

Wer wie ein Affe aussieht, knödelnd wie Schwarzenegger spricht, den IQ einer Zahnpastatube hat und dann auch noch den Namen Skun-ka'pe trägt - dem könnte man durchaus gewisse Macken nachsehen, zumal wenn er von einem fremden Planeten stammt. Als besagter General Skun-ka'pe allerdings mit breitem Grinsen die Erde unter Beschuss nimmt, geht er zu weit: Damit fordert er das Eingreifen von Sam & Max heraus und eröffnet so das Adventure The Devil's Playhouse. The Penal Zone, der erste von fünf Teilen, ist jetzt für mehrere Plattformen erhältlich. Golem.de hat das Abenteuer mit dem bärbeißigen Hundeermittler und seinem überdrehten Karnickelkompagnon auf Apples iPad und Windows-PC simultan unter die Detektivlupe genommen.

Die beiden Versionen unterscheiden sich inhaltlich nicht: Von der brillanten englischen Sprachausgabe über die Zwischensequenzen bis hin zu den Rätseln ist The Penal Zone auf beiden Plattformen das gleiche Spiel. Angepasst hat das Entwicklerstudio Telltale Games in erster Linie die Steuerung: Auf dem iPad scheucht der Spieler Sam durch die Gegend, indem er mit einem Finger eine Art Ziehbewegung in die gewünschte Richtung macht. Das Programm blendet dann einen Richtungsmarker in Form eines Analogsticks ein und Sam marschiert los. Anfangs wirkt das System ungewohnt, nach ein paar Minuten funktioniert es recht gut.

Auf dem PC lenkt der Spieler den tierischen Helden hingegen mit den WASD-Tasten oder setzt den Mauszeiger ähnlich wie den iPad-Finger zum Ziehen ein - die klassische Point-and-Click-Steuerung gibt es nicht mehr. Gegenstände im Inventar oder Optionen in den Multiple-Choice-Dialogen wählen iPad-Besitzer sehr bequem per Finger, PC-Spieler wie gewohnt per Maus aus - hier gewinnt die Version auf Apples Tablet tatsächlich ein paar mehr Komfortpunkte für sich.

Das Rätsel um Sams Anzugmuster

Dafür hat die PC-Fassung grafisch die Hundeschnauze weit vorne. Sam & Max verfügt auf PC über eine skalierbare Auflösung, während die iPad-Version auf 1.024 x 768 Bildpunkte festgelegt ist. Außerdem gibt es am PC viel schönere Texturen - Sams Anzug etwa ist da fein gemustert, am iPad hingegen nur matschig blau. Obwohl die PC-Fassung von The Penal Zone gegenüber anderen Spielen veraltet wirkt, sehen Licht- und Schatteneffekte wesentlich detailreicher aus als auf dem iPad. Das kämpft zudem mit großen Schwierigkeiten beim Nachladen von Szenen, so dass es gelegentlich - mitunter sogar in Zwischensequenzen - zu Aussetzern bei der Tonspur kommt und iPad-Spieler wichtige Informationen zur Handlung verpassen.

Das Spiel selbst bietet wie die Vorgänger unkomplizierte Rätselkost und viel Humor - der eher von der anarchischen Sorte ist, insbesondere wenn der überdrehte Max zu Wort kommt. Besonders schräg sind die neuen geistigen Fähigkeiten des Hasen: Er kann sich mit Hilfe eines Spielzeugtelefons zu anderen Personen teleportieren oder mit Knetmasse in Gegenstände verwandeln, was beides in erster Linie für das Lösen der Puzzles benötigt wird. Die sind recht einfach gehalten: Bis auf wenige Stellen, bei denen notfalls aber das eingebaute Hintsystem hilft, kommen auch Einsteiger durch die vier bis fünf Stunden lange erste Episode. Ein Großteil der Spielzeit geht allerdings auf das Konto von Zwischensequenzen und langen Unterhaltungen.

Sam & Max: The Devil's Playhouse ist als Download für Windows-PC, Mac OS, iPad und Playstation 3 verfügbar. Die iPad-Variante kostet im amerikanischen App Store knapp 7 US-Dollar. Auf PC und Mac ist das Gesamtpaket mit allen fünf Episoden für rund 35 US-Dollar erhältlich, nach Abschluss der Reihe bekommen die Spieler das Gesamtadventure auf DVD zugeschickt. Alle Versionen sind derzeit nur im englischsprachigen Original erhältlich; auch deutsche Untertitel sind nicht verfügbar. Für PC und Mac steht auf der offiziellen Webseite eine rund 440 MByte große spielbare Demo bereit.

Fazit

Sam & Max kämpfen auch in The Penal Zone weniger um den Weltfrieden und mehr für Lachfalten. Während der Humor prima funktioniert, sind die Rätsel nur ganz gut und die Handlung wirkt sogar arg verworren - beides ist aber Nebensache. Echte Adventurefans mögen sich deshalb zwar vom Gameplay unterfordert fühlen, aber wer gerne lacht, wird von den schrägen Sprüchen und abgedrehten Einfällen prima unterhalten.

Die Version für iPad könnte den meisten Spaß bringen. Es ist herrlich bequem, bei Bedarf einfach nur ins Inventar zu tatschen oder mit einem Finger den Dialog voranzutreiben. "Könnte" aber deshalb, weil der Spieler durch die starken Aussetzer und Ruckler viel von den Zwischensequenzen verpasst. Dass die Grafik auf dem iPad schwach wirkt, stört vergleichsweise wenig - technisch überholt sind auch die anderen Versionen.  (ps)


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