Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1004/74460.html    Veröffentlicht: 13.04.2010 18:21    Kurz-URL: https://glm.io/74460

Auftragshersteller Foxconn spricht über Selbstmordwelle

Firmensprecher versucht, Geheimhaltung zu rechtfertigen

Elf Selbstmorde und weitere Selbstmordversuche hat es bei Arbeitern von Foxconn Electronics seit 2007 gegeben. Ein Sprecher der Konzernführung hat jetzt erstmals öffentlich Stellung dazu genommen. Zu den Auftraggebern Foxconns zählen Apple, Intel, Hewlett-Packard, Dell, Sony, Nintendo und Microsoft.

Der taiwanische Auftragshersteller Foxconn Electronics hat sich erstmals zu der Selbstmordwelle in seiner Belegschaft geäußert. Seit Juni 2007 haben sich elf Foxconn-Beschäftigte umgebracht. Zudem gab es mehrere Selbstmordversuche. Die Suizide und Suizidversuche haben seit März 2010 zugenommen.

Foxconn (Hon Hai Precision Industry) ist der weltgrößte Auftragshersteller für Elektronik mit 700.000 Beschäftigten. Einer der Auftraggeber Foxconns ist Apple, Foxconn produziert für Intel Motherboards, Notebooks für Hewlett-Packard und Dell, die Playstation für Sony, die Wii für Nintendo, die Xbox für Microsoft und den Kindle für Amazon. Foxconn beschäftigt in seinen Fabriken in China, wo auch die Selbstmorde passierten, hunderttausende Mitarbeiter. Die meisten Opfer waren junge Arbeiter.

Foxconn-Sprecher Liu Kun sagte, der Konzern werde sich materiell um die Angehörigen kümmern und auch seelischen Beistand organisieren. Foxconn verfüge über ein eigenes System, das auf solche Notfälle reagiere. Mit der Polizei, den Medien und der Öffentlichkeit werde zusammengearbeitet, sagte Liu. Aus Respekt vor den Angehörigen könnten aber keine Angaben zu den Hintergründen für die Todesfälle gemacht werden. Für die Mitarbeiter werde auf Wunsch psychologische Beratung zur Verfügung gestellt.

Die chinesische Presse berichtet, dass Foxconn starken Druck auf die Mitarbeiter ausübe. Foxconn agiere unter dem Schutz der Geheimhaltungsregeln der Produktion der IT-Branche und der lokalen Lokalregierung, heißt es in einem Kommentar.

Im Januar 2010 hatte die Schwester des verstorbenen Foxconn-Arbeiters Ma Xiangqian Vorwürfe erhoben, dass ihr Bruder zu Tode geprügelt worden sei. Auch sei sein Mobiltelefon verschwunden. Sie stellte infrage, dass der junge Mann sich selbst umgebracht habe. Ma war tot bei einer Treppe eines Schlafsaales einer Foxconn-Fabrik in Shenzhen gefunden worden. Lokale Zeitungen hatten berichtet, dass der 19-Jährige, nachdem er in der Fabrik bei der Arbeit elektronische Teile beschädigt hatte, zur Strafe zum Toilettenreinigen eingesetzt worden sei. Chen Hongfang, Direktor bei Foxconns staatlichem Gewerkschaftsbüro, hatte der Darstellung jedoch widersprochen. Die Autopsie habe keine Klärung der Todesursache erbracht.

Sun Danyong, ein Foxconn-Beschäftigter aus Shenzhen, soll am 16. Juli 2009 Selbstmord begangen haben, nachdem er wegen des Verlusts eines Prototyps eines iPhones verdächtigt worden war.  (asa)


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