Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1004/74387.html    Veröffentlicht: 09.04.2010 18:37    Kurz-URL: https://glm.io/74387

Japanische Tageszeitung will nicht verlinkt werden

Links auf Artikel nur gegen Erlaubnis

Die japanische Tageszeitung Nikkei hat eine bemerkenswerte neue Internetstrategie: Nachdem sie ihr Angebot kostenpflichtig gemacht hat, schränkt die Wirtschaftszeitung das Verlinken ihrer Seite stark ein.

Was wie ein verspäteter Aprilscherz anmutet, ist die neue Internetstrategie der einflussreichen japanischen Tageszeitung Nihon Keizai Shimbun, kurz Nikkei: Die Verantwortlichen verbieten Links auf einzelne Artikel und behalten sich bei Zuwiderhandlung Schadensersatzforderungen vor.

Kostenpflichtiges Angebot

Kürzlich hat die Zeitung ein neues japanischsprachiges Onlineangebot, die Nihon Keizai Shimbun Digital Version, eröffnet. Das Angebot ist weitgehend kostenpflichtig: Die Nutzer können meist nur einen Anreißer des Artikels lesen. Das Abonnement kostet umgerechnet rund 32 Euro im Monat.

Die Verantwortlichen der in der japanischen Hauptstadt Tokio erscheinenden Zeitung achten streng darauf, dass die Bezahlung nicht unterlaufen wird: Damit kein Leser einen Verweis auf einen Artikel kopiert und beispielweise per E-Mail verschickt, ist das Kontextmenü, das über die rechte Maustaste aufgerufen wird, deaktiviert. Doch die Restriktionen gehen noch weiter: Die Zeitung verbittet sich weitgehend Links auf ihre Seite.

Lizenz zum Linken

Wer einen Link auf die Startseite des neuen Angebotes legen möchte, wird aufgefordert, zunächst eine entsprechende Erlaubnis einzuholen. Der Verlinkende solle eine Mail schicken und begründen, warum er die Zeitung verlinken möchte. Einzelne Artikel zu verlinken, untersagt die Zeitung.

Dem Verlag ist es mit dem Linkverbot durchaus ernst: Wer gegen diese Regeln, auf die wir aus naheliegenden Gründen nicht verlinken, verstoße, der müsse mit Schadensersatzforderungen rechnen.  (wp)


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