Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1004/74373.html    Veröffentlicht: 09.04.2010 11:30    Kurz-URL: https://glm.io/74373

Intel vor Auslieferung von Forschungschip mit 48 Kernen

Nachfolger von Polaris für Universitäten und Entwickler

Der "Singlechip Cloud Computer" (SCC) von Intel wird auf die Wissenschaftswelt losgelassen: Noch im zweiten Quartal 2010 werden Testsysteme mit dem 48-Kern-Prozessor ausgeliefert. Das bestätigte Intel gegenüber US-Medien.

Der SCC ist der Nachfolger des Projekts Polaris mit 80 Kernen, das Intel bereits vor drei Jahren vorgestellt hat. Während Polaris aber nur aus einfachen FPUs bestand, ist der SCC ein vollständiger x86-Prozessor, der in etwa die Komplexität des ersten Pentium erreicht. Maßgeblich entwickelt wurde der Chip in den Intel Labs in Braunschweig, wo die CPU auch zum ersten Mal Linux booten konnte.

Die 48 Kerne des SCC sind auf einem 45-Nanometer-Die angebracht, je zwei davon sind in einem "Tile" zusammengefasst. Jedes Tile besitzt für die Kommunikation zwischen den Kernen einen Router, der die Daten durch ein Mesh-Netzwerk leitet. Vor allem die Verteilung von Rechenlast und die effiziente Synchronisation von sehr vielen Kernen will Intel damit erforschen. Dabei hilft, dass auf jedem der Kerne theoretisch ein eigenes Betriebssystem laufen kann.

Während Intel bei der Vorstellung des SCC im Dezember 2009 noch die Spannung erhöhen musste, um den Chip mit bis zu 131 Watt stabil laufen zu lassen, liegt eine neue Version der CPU inzwischen im angepeilten Rahmen. Gegenüber PC World gab Intel an, bei 1,66 bis 1,83 GHz liege die maximale Leistungsaufnahme bei 125 Watt. Da sich die Kerne auch einzeln abschalten können, kommt der SCC im Idle-Modus mit nur 25 Watt aus.

Stromsparen auch per Software

Diese Stromsparmechanismen regelt in dem Forschungschip nicht wie beim Core i7 eine PCU (Power Control Unit), die für das Betriebssystem transparent ist. Vielmehr können die Schlafzustände der Kerne auch durch Software gesteuert werden, um das Verhalten von Betriebssystemen und Anwendungen bei aggressivem Einsatz einer Regulierung zur Leistungsaufnahme von vielen Kernen untersuchen zu können.

PC World zufolge will Intel seinen Partnern und Forschungseinrichtungen noch im zweiten Quartal Testsysteme mit dem SCC zur Verfügung stellen. Im Dezember 2009 nannte Intel dafür nur die ETH Zürich als eine Universität, die einen SCC erhalten soll. Andere Bildungsstätten sollen sich über die Projektseite des SCC bewerben können, der dortige Link unter "submit this application" führt derzeit aber noch nicht weiter. Verkauft werden sollen die Systeme bis auf weiteres nicht, wie Intel mehrfach betonte.

Um die akademische Arbeit geht es Intel mit seinem 48-Kerner aber nicht allein. Auf Basis des Prozessors sollen auch Entwicklungswerkzeuge für die Zukunft gebaut werden. So hat beispielsweise Microsoft Intel zufolge bereits eine Version von Visual Studio 2008 für den SCC entwickelt.  (nie)


Verwandte Artikel:
Intel zeigt x86-Prozessor mit 48 Kernen unter Linux   
(02.12.2009, https://glm.io/71585 )
Scorpio Engine: Microsoft erläutert SoC der Xbox One X   
(22.08.2017, https://glm.io/129610 )
3D NAND: Samsung investiert doppelt so viel in die Halbleitersparte   
(12.12.2017, https://glm.io/131627 )
Ultraschall: Mutmaßlicher Lauschangriff verursacht Gesundheitsprobleme   
(05.03.2018, https://glm.io/133138 )
Deep Learning: Trainierte Modelle verraten private Informationen   
(02.03.2018, https://glm.io/133116 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/