Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1004/74356.html    Veröffentlicht: 08.04.2010 20:24    Kurz-URL: https://glm.io/74356

iPhone OS 4.0: Multitasking, Ordner, iBooks und mehr (Upd.)

Die neue iPhone-Firmware kommt erst im Sommer 2010

Apple hat das iPhone OS 4.0 vorgestellt. Die wichtigsten Neuerungen sind die Unterstützung von Multitasking und Programmverzeichnissen sowie ein erweiterter E-Mail-Client. Mit iAd führt Apple zudem eine mobile Werbeplattform ein, was durchaus als Kampfansage an Google zu verstehen ist.

Kurz nach dem Marktstart des iPads in den USA - Apple hat nach eigenen Angaben in den ersten fünf Tagen bereits 450.000 Stück verkauft - hat Apple-Chef Steve Jobs die kommende Version seines mobilen Betriebssystem iPhone OS 4 vorgestellt. Zunächst aber verkündete Jobs einige Zahlen zum App Store: 600.000 E-Books und 3,5 Millionen Applikationen wurden heruntergeladen. Apple zählt mittlerweile 185.000 Programme in seinem App Store sowie 4 Milliarden Downloads insgesamt. Das iPhone konnte Apple mittlerweile 50 Millionen Mal verkaufen, hinzu kommen 35 Millionen iPod touch, auf denen das gleiche Betriebssystem wie auf dem iPhone läuft.

Das kommende iPhone OS 4.0 bringt neue Funktionen für iPhone, iPod touch und auch das iPad mit. Dazu zählen rund 1.500 neue APIs, die Entwicklern unter anderem Zugriff auf den Kalender und die Fotosammlung gewähren. Zudem führt Apple mit Accelerate ein neues Framework ein, das Funktionen zur Hardwarebeschleunigung und mathematische Berechnungen übernimmt.

Das iPhone lernt Multitasking

Die wesentliche Neuerung in iPhone OS 4 ist das Multitasking. Damit sei Apple spät dran, räumte Jobs ein, aber man wolle das Thema besser lösen als die Konkurrenz und verhindern, dass viele gleichzeitig laufende Applikationen die Akkulaufzeit stark verkürzen. Dazu hat Apple die Programme im App Store analysiert und herausgefunden, dass von den Applikationen lediglich sieben Funktionen für ein vollständiges Multitasking benötigt werden. Damit müssen Applikationen erst angepasst werden, um das spezielle Multitasking im iPhone OS nutzen zu können.

Ein Doppelklick auf den Home-Button des iPhones öffnet eine Übersicht aller laufenden Programme in einem speziellen Tray am unteren Bildschirmrand. Beim Wechsel zu einer anderen Applikation kann an der Stelle weitergearbeitet werden, wo die Applikation zuvor verlassen wurde. Applikationen können so auch im Hintergrund weiterlaufen, beispielsweise um Musik abzuspielen. Die Steuerung kann auch bei verriegeltem iPhone erfolgen, ähnlich wie bei der iPod-Funktion des Geräts.

Spezielle Multitasking-APIs schonen den Akku

Entwicklern stellt Apple die nötigen Funktionen über spezielle APIs bereit. Neben Audiowiedergabe im Hintergrund zählt auch eine VoIP-API dazu. Damit ist es beispielsweise möglich, mit Skype Telefonate zu empfangen, während eine andere Applikation im Vordergrund läuft. Zudem bleibt der Nutzer dabei bei dem Dienst angemeldet.

Auch für Ortsangaben führt Apple mit Hintergrundortung ein spezielles Multitasking-API ein. Gedacht ist es für Navigationssoftware, die so den aktuellen GPS-Standort ständig im Hintergrund abfragen kann. Auch soziale Netzwerke können das API nutzen, erhalten die Position aber nicht per GPS, sondern berechnen sie aus den genutzten Mobilfunkmasten. Das ist weniger genau, soll aber den Akku weniger stark belasten als ein aktivierter GPS-Empfänger.

Die Funktion Task Completion erlaubt es Applikationen, länger dauernde Aufgaben im Hintergrund abzuschließen. So kann ein Spiel den aktuellen Spielstand sichern, während der Nutzer zu einer anderen Applikation wechselt. Aber auch alle anderen Programme speichern den aktuellen Status, so dass der Nutzer beim Wechsel dort weitermachen kann, wo er das Programm verlassen hat. Flickr kann die Funktion nutzen, um Fotos im Hintergrund hochzuladen, während der Nutzer eine andere Applikation geöffnet hat. Die bisherigen Notifications werden weiter unterstützt, sie sind bereits im iPhone OS enthalten.

Programme lassen sich in Ordnern ablegen

Neben Multitasking führt Apple mit Ordnern eine weitere grundlegende Neuerung in iPhone OS ein. Applikationen lassen sich künftig in Ordnern gruppieren und unter einem Verzeichnissymbol zusammenfassen. Ein Klick öffnet den Ordner und erlaubt den Zugriff auf die Applikationen. Die Ordner lassen sich überall auf dem iPhone-Bildschirm ablegen, auch im Dock. Auf diese Weise lassen sich mehr Programme als bisher auf einem iPhone unterbringen. War die Zahl bisher auf 180 beschränkt, passen künftig 2.160 Applikationen auf das Gerät.

Verbesserter E-Mail-Client mit einheitlichem Posteingang

Große Änderungen gibt es auch im E-Mail-Client des iPhone OS. Hier führt Apple einen einheitlichen Posteingang ein, in den mehrere E-Mail-Konten einfließen können. Mit einem Klick kann aber auch zu einem bestimmten Konto gewechselt werden. Zudem können mehrere Exchange-Konten verwaltet werden. Ferner erlaubt Apple die Sortierung von E-Mails anhand von Threads.

Neu ist die Möglichkeit, Dateianhänge von E-Mails mit Drittapplikationen aus dem App Store zu öffnen. Damit wird es möglich, zusätzliche Dateiformate zu unterstützen, wie es das iPad bereits kann. Die mit dem iPad eingeführten iBooks bringt Apple auch auf das iPhone.

Darüber hinaus gibt es einige Neuerungen, die das iPhone für Unternehmen interessanter machen sollen. Dazu zählen neben der Möglichkeit mehrerer Exchange-Konten die Unterstützung von Exchange 2010 sowie VPN-Funktionen und neue Möglichkeiten zum Schutz der auf dem Gerät gespeicherten Daten, der Verwaltung der Geräte und die drahtlose Verteilung von Apps auf die iPhones im Unternehmen.

Als weitere Neuerungen können Nutzer künftig Wiedergabelisten anlegen, einen fünffachen Digitalzoom für die Kamera nutzen, mit einem Tippen ein Video in den Fokus holen, Apps verschenken, Geotagging nutzen und so Fotos mit Ortsangaben versehen. Zudem wird es eine Rechtschreibprüfung geben und, wie schon vom iPad bekannt, eine Unterstützung für Bluetooth-Tastaturen.

Für Spiele gibt es künftig das Game Kit zur zentralen Verwaltung, was ein wenig an Xbox Live erinnert. Hier werden Achievements gesammelt, Freunde zum gemeinsamen Spielen eingeladen oder neue Gegner gesucht.

Apple bringt mobile Werbung iAd

Mit iAd führt Apple eine Lösung für mobile Werbung ein. Damit will Apple einen Weg schaffen, um mit kostenlosen oder sehr günstigen Programmen Geld zu verdienen. Die Anzeigen sollen emotional und interaktiv sein, die Nutzer aber nicht aus den Programmen herausreißen. Im Blick hat Apple Videowerbung und Anzeigen, aus denen heraus die Nutzer direkt Transaktionen abschließen können, ohne die gerade genutzte Applikation zu verlassen.

Im Rahmen von iAd wird Apple die Anzeige verkaufen und hosten und dafür eine Provision von 40 Prozent kassieren. Das ist auch eine Kampfansage an Google, denn Jobs machte klar, Apps sind auf dem Smartphone das, was die Suche für das Web ist.

Eine Testversion von iPhone OS 4 steht Entwicklern ab sofort zur Verfügung. Im Sommer 2010 soll das neue Betriebssystem dann für iPhone 3G und 3GS sowie den iPod touch der zweiten und dritten Generation erscheinen. Allerdings werden die älteren Modelle einige der Neuerungen nicht unterstützen, beispielsweise das Multitasking. Im Herbst 2010 will Apple iPhone OS 4 dann auch für das iPad veröffentlichen. Für Nutzer der ersten Generation von iPhone und iPod touch wird es demnach wohl keine weiteren Updates mehr geben. [von Jens Ihlenfeld und Ingo Pakalski]

Nachtrag vom 9. April 2010, 11:40 Uhr:

Nach einem Bericht von Engadget hat Apple mit iPhone OS 4 auch die Spotlight-Suche überarbeitet, um Suchanfragen nun direkt an Google oder die Wikipedia weiterreichen zu können. Der Nutzer tippt das Gesuchte einfach ein und kann die Anfrage dann an Google oder die Wikipedia leiten. Eine solche Funktion kennt WebOS bereits von Anfang an und bietet außerdem eine Direktsuche in Google Maps und in Twitter.

Zudem hat Engadget ein Video zum neuen iPhone OS veröffentlicht, das auch die Implementierung der Multitasking-Funktion zeigt. An die Eleganz der Multitask-Bedienung mit Karten von WebOS kommt die iPhone-Umsetzung nicht heran.  (ji)


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